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Mittwoch, 29. September 2010

Afrika in der Stadtbibliothek in Göteborg

Parallel zur 26. Buchmesse Bok & Bibliotek in Göteborg öffnete auch eine Ausstellung über Afrika in der Stadtbibliothek, die jedoch weniger die Literatur und die Kunst Afrikas in der Vordergrund stellt, sondern die Probleme, die in Afrika immer noch von größter Bedeutung sind und trotz internationaler Präsenz, steigenden Einnahmen und Globalisierung teilweise nur größer werden.


Die Ausstellung Afrika in der Stadsbibliotek Göteborg besteht aus Installationen, Fotos und afrikanischem Kunsthandwerk, das die Afrikagrupperna, Emmaus Björka, die Vasaharaföreningen und die Färnebo Folkhögskola zusammengestellt haben und nicht nur als Ausstellung gedacht ist, sondern als Ort der Diskussion. Jede halbe Stunde wird den Besuchern der Afrika-Ausstellung eine ausführliche Führung geboten.


Ein Teil der Ausstellung behandelt das Thema Freiheit in Südafrika, bei der an Hand von Aussagen und Fotos der Austausch der Apartheid gegen staatlich gestützten kapitalistische Unterdrückung gezeigt wird. Wenn dem Leitfaden der Ausstellung folgt, bleibt die Hoffnung auf Freiheit für die südafrikanische Bevölkerung, zumindest für die Mehrheit der Bevölkerung, weiterhin ein Traum, auch wenn in der Politik nun schwarze Gesichter aufgetaucht sind.


Andere Teile der Ausstellung sprechen von Verfolgungen, Folter und Terror, die immer noch in einigen afrikanischen Ländern an der Tagesordnung sind. Und man spricht von den Arbeitsbedingungen auf Baumwollplantagen, auf denen Kinder voll mitarbeiten müssen, ohne dass sich die Familie jedoch ernähren kann, da Amerika die Baumwollpreise diktiert, indem sie eigenen Pflanzern eine Milliardenhilfe gewähren.


Die Ausstellung im Stadtmuseum in Göteborg geht jedoch auch auf die Westsahara ein, wo seit 1975 etwa 160.000 Sahrauis von der Führung Marokkos in Lager gedrängt werden und jedes Aufbegehren unmittelbar unterdrückt wird und so mancher jahrelang in Gefängnissen verschwindet, weil er an einer Demonstration teilnahm. Gleichzeitig wird die Küste für europäische Touristen vorbereitet, die sich dann im gebotenen Luxus wohlfühlen können.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 27. September 2010

Der Fotoweg während der Buchmesse in Göteborg

Auch wenn mittlerweile bereits die nächste Göteborger Buchmesse zwischen dem 22. und dem 25. September 2011 mit dem Thema deutschsprachige Literatur geplant wird, so bot die diesjährige Messe noch eine Neuheit, die auch im nächsten Jahr übernommen werden soll und den Besuchern damit einen weiteren Einblick nach Deutschland, Österreich und die Schweiz bieten wird.


Im Jahr 2010 wurden im ersten Stock der Messehalle 500 Quadratmeter der Fotografie gewidmet, wo unter anderem künstlerische Fotografen und Pressefotografen nicht nur ihre Fotos ausstellten, sondern dem interessierten Publikum in kurzen Vorträgen auch ihre Art zu sehen und zu fotografieren erklärten. Die Buchmesse wollte damit nicht nur dem Bild eine Sprache verleihen, sondern kam auch dem steigenden Interesse an Fotografie nach.


Ein Teil der Ausstellung war der Reportage gewidmet, wo man vor allem die herausragendsten Fotos finden konnte, die die Fotografen der Tageszeitungen Göteborgs-Posten und Dagens Nyheter im Laufe des letzten Jahres schossen, wobei insbesondere die Ausstellung der Göteborgs-Posten sich hervorhob, bei der 10 Fotografen je ein Foto zu einem vorgegebenen Thema präsentierten. Diese Fotosammlung zeigte deutlich wie unterschiedlich ein Fotograf ein Thema sieht.


Eine wichtige Rolle nahm auf dem Fotoweg der Göteborger Buchmesse Bok & Bibliotek auch die Fotografie Afrikas ein, wobei sich hier die Werke des Fotografen Mohamed Camara aus Mali besonders hervorhoben, der mit seinen Fotografien aus dem Alltagslebens eine Poesie schuf, die künstlerisch einem afrikanischen David Hamilton nahe kommt.


Weniger bekannte Fotografen Afrikas stellten in einem Zwischengang Fotos aus, die alle von einer kleinen, persönlichen Erzählung begleitet waren und das Leben in einem Teil Afrikas schilderte. Bei jeder der Geschichten in Text und Bild spielte die Ich-Person eine Art Hauptfigur, was die Ausstellung zu einem Aneinanderfügen von mehreren Erzählungen machte und einer Sammlung von Kurzgeschichten entsprach.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin

Samstag, 25. September 2010

Afrika und die Buchmesse in Göteborg

Der Fokus der diesjährigen Buchmesse in Göteborg wurde auf Afrika gerichtet, was bedeutet, dass nicht ein Land, sondern ein ganzer Kontinent zum Thema der Messe wurde, ein Kontinent auf dem man mehr Unterschiede findet als in allen anderen Kontinenten dieser Welt. Dies forderte einige Kritiker der Messe heraus, was sicher seine Berechtigung hat, aber gerade in Europa betrachten viele Afrika mehr als Land als als Kontinent und Länder wie Nigeria oder Burkina Faso würden mit Sicherheit auch ein weitaus geringeres Publikum anziehen als das Thema Afrika.

Cletus Nelson Nwadike

Für die wirklich an Afrika interessierten Besucher stellen sich jedoch mehrere ganz andere Fragen, denn zum einen schreiben fast sämtliche Autoren Afrikas ihre Werke in Englisch, einer Sprache, die die Mehrheit der Bevölkerung der entsprechenden Länder selbst nicht versteht und daher Literatur zu einem Medium macht, das nach außen gerichtet ist, nicht aber an die eigenen Völker, die oft auch des Lesens unkundig sind. Hat aber Afrikas Literatur eine langfristige Zukunft in den eigenen Ländern, wenn sie für Interessenten außerhalb des Landes bestimmt ist oder kann dies auch als erster Schritt nach Innen gedacht sein?

Edem Awumey

Und die nächste Frage, die sich stellt, ist jene, ob man auch von afrikanischer Literatur sprechen kann, wenn sie nicht nur in Englisch geschrieben ist, sondern auch von gebürtigen Afrikanern, die in Amerika oder Europa ausgebildet wurden, dort leben oder auch zwangsweise ihr Heimatland gegen ein anderes wechseln mussten. Chris Abani lebt seit 1991 nicht mehr in Nigeria, Sefi Atta wohnt seit 16 Jahren in den USA, Edem Awumey wählte Frankreich als seine Heimat, Ayaan Hirsi Ali flüchtete nach Holland und nur wenige der in Europa bekannten afrikanischen Autoren, die in ihrer Heimat leben, können sich in einem afrikanischen Land von Literatur ernähren.

Petina Gappah

Viele andere Autoren, die man mit Afrika in Verbindung bringt, haben nicht nur eine höhere Bildung als der durchschnittliche Afrikaner, wenn man dabei von Durchschnitt sprechen kann, sondern sie haben auch eine weiße Hautfarbe. Die besten Bespiele auf der Göteborger Buchmesse Bok & Bibliotek sind Nadine Gordimer, Lesley Beake, Mia Couto, Jay Heale oder der Cartoonist Jonathan Shapiro, die sicher alle einen bedeutenden Beitrag beim Kampf gegen Apartheidspolitik geleistet haben und die afrikanischer Literatur den Weg nach Europa und Amerika geöffnet haben, aber kann man hierbei von afrikanischer Identität sprechen?

Unity Dow, Lesley Beake, Lasse Berg

Die Frage nach afrikanischer Literatur bei der Göteborger Buchmesse ist daher eine andere: Handelt es sich um Literatur über Afrika und seine Probleme oder um eine afrikanische Literatur, die auch von der Allgemeinheit in Afrika gelesen wird und sich dort nicht nur an eine Elite richtet. Und die nächste Frage ist, warum einer der in Afrika lebenden Poeten mir sagte „This is not my public.“, da die vollen Reihen in seinen Worten die Kunst suchten, nicht seine Aussage.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Freitag, 24. September 2010

Die Göteborger Buchmesse mit Zapiro in der Stadt

Zum ersten Mal in der Geschichte der Göteborger Buchmesse Bok & Bibliotek finden die Ereignisse nicht nur im Messegebäude Svenska Mässan statt, sondern zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Afrika wurden auch auf dier Straße, ins Weltkulturmuseum, das Kulturzentrum im Frölunda Torg, die Göteborger Kunsthalle und einige andere Stellen verlegt.

Cartoons von Zapiro

Während man im Kulturzentrum in Frölunda vor allem afrikanische Musik und Filme aus Afrika findet, bietet die Kunsthalle Göteborgs, in direkter Zusammenarbeit mit der Buchmesse, ein Ereignis besonderer Art. Hier findet man vom 24. September bis zum 31. Oktober im sogenannten Green Room des Galerie-Museums die Ausstellung „Careful – this pen is loaded“ von Zapiro statt.

Zapiros Beitrag zur aktuellen Politik Frankreichs

Während der Vernissage am 24. September war Zapiro, der mit bürgerlichem Namen Jonathan Shapiro heißt, persönlich anwesend, nicht nur um seine sehr umfangreiche Ausstellung zu eröffnen, sondern um gleichzeitig sein Buch „The Mandela Files“ vorzustellen, das in kritischer Weise in Form von Zeichnungen und Kommentaren den politischen Werdegang Nelson Mandelas schildert.

Zapiro (Jonathan Shapiro)

Zapiro ist der vermutlich kritischste Cartoonist Südafrikas, dessen Werke regelmäßig in mehreren Zeitungen Südafrikas veröffentlicht werden, dessen spitze Feder auch in anderenen Zeitungen und Zeitschriften der ganzen Welt Zugang finden. Seine Werke werden nicht nur gedruckt, sondern auch in nahezu der ganzen Welt ausgestellt, wobei seine kritische Feder immer wieder dazu führt, dass einige Zeichnungen des Künstler in einem oder anderen Land, Amerika, wo er seine Ausbildung als Zeichner erhielt, inklusive, auf der schwarzen Liste landet.

Lesego Rampolokeng

Neben Zapiros Werken präsentierte die Göteborger Kunsthalle während der Vernissage auch den Poeten Lesego Rampolokeng, der dem Publikum zur Eröffnung Performancepoesie bot. Lesego Rampolokeng ist nicht nur für seine Poesie bekannt, sondern auch wegen seinem Kampf gegen die Apartheit in Südafrika und für seine Texte für mehrere namhafte afrikanische Musiker mit denen er zusammenarbeitete. Da Lesego Rampolokeng seine Werke in Englisch schreibt sind sie weltweit in Originalsprache zu finden.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 23. September 2010

Eröffnung der Buchmesse Bok & Bibliotek in Göteborg

Nachdem das Thema der diesjährigen Göteborger Buchmesse Bok & Bibliotek der Literatur Afrikas gewidmet ist, war es auch eine Selbstverständlichkeit, dass die Messe diese Aussage bereits bei der offiziellen Eröffnung als Leitlinie betrachtete und einige der afrikanischen Gäste bei den Festlichkeiten eine wichtige Rolle spielen.

Dobet Gnahoré

Obwohl die Eröffnung in einem Nebenbau des Messegebäudes statt fand, war der Raum bis zum letzten Platz gefüllt als die Sängerin und Musikerin Dobet Gnahoré aus der Elfenbeinküste vor dem Publikum sang und ihren Gesang mit afrikanischen Instrumenten begleitete. Selbst wenn nur eine Minderheit des Publikums die Texte verstehen konnte, so waren dennoch alle Zuschauer von der Kraft und der melodiösen Stärke dieser Sängerin beeindruckt.

Lena Adelsohn Liljeroth

Nach der Einleitungsrede von Anna Falck, der Geschäftsführerin von Bok & Bibliotek, einleitenden Worten der schwedischen Kultusministerin Lena Adelsohn Liljeroth und der Hervorhebung der Entwicklung der afrikanischen literarischen Kultur von Carin Norberg, der Leiterin des Nordischen Afrikainstitutes wurde der nigerianischen Schriftstellerin Sefi Atta während der Eröffnung der Buchmesse der afrikanische Buchpreis Noma Award verliehen, eine der höchsten afrikanischen Auszeichnungen für Schriftsteller.

Sefi Atta

Nach dem Ergebnis der schwedischen Wahlen bei denen es der extrem rechten Partei des Landes gelang in den Reichstag zu kommen, war es nicht verwunderlich, dass bei mehreren Reden zur Eröffnung der Buchmesse 2010 auch einige Worte zu Vorurteilen, die man in der Literatur bereits überwunden hat, zur Sprache kamen. Sefi Atta stellte bei Ihrer Rede die Rolle von Internet für afrikanische Literaten hervorhob, das es ermöglichte, die afrikanische Literatur zu verbreiten und zu befreien.


Sefi Atta, die heute in den USA lebt, eröffnete dann auch offiziell die Buchmesse, indem sie das Logo der Buchmesse Bok & Bibliotek wie eine Geburtstagstorte entflammte. Auch wenn dieser Gedanke von der Idee her positiv war, so kann man die in Feuer gesetzten Worte Buch und Bibliothek jedoch auch anders interpretieren, was gerade beim Thema Afrika nicht unbedingt positiv zu bewerten ist.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin