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Freitag, 2. April 2010

Das Polishuset in der Tredje Långgatan in Göteborg

Auch wenn das Polizeigebäude (Polishuset) in der Tredje Långgatan in Göteborg erst im Jahre 1911 erbaut wurde, so geht seine Geschichte eigentlich bis 1868 zurück, als die bis dahin selbständigen Orte Masthugget und Majorna fester Teil Göteborgs wurden. Da die beiden Stadtteile von der Bevölkerungsstruktur nicht unterschiedlicher sein konnte, lagen sie ständig im Kampf, was schließlich dazu führte, dass an einer zentralen Stelle, nämlich der Tredje Långgatan ein Polizeirevier nötig wurde.

Polizeieinheit in der Tredje Långgatan, 1922

Während zu Beginn die Polizei noch von beiden Seiten als Feind betrachtet wurde, so führten die unterschiedlichsten Maßnahmen, und vor allem das Einbinden der Polizei in administrative Aufgaben der Stadt, dazu, dass Polizei und Bürger der beiden Stadtteile zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Eintracht lebten und die Polizei mehr als Helfer tätig wurde und das Feindbild nicht mehr existierte.


Zwischen 1911 und 1913 entstand dann das heute sichtbare Polishuset, das, wie das Röhsska Museum, in nationalromantischem Stil erbaut wurde. Wenn man die beiden Gebäude betrachtet, so sieht man unmittelbar die Ähnlichkeit an der Treppenstruktur, den Fenstern und der Bauweise des Daches, von der Ziegelbauweise noch ganz abgesehen.


Der Architekt des Polishusets, Charles Lindholm, war nicht nur Architekt, sondern auch Lehrer an der heutigen Hochschule für Design und Kunsthandwerk in Göteborg, was sich vor allem auf der Frontseite zur Tredje Långgatan zeigt, denn hier findet man nicht nur den Poliskonstapel mit seinem Hund, sondern fast jedes Detail des Gebäudes erhielt eine Ausschmückung und selbst die alte Eichentür verfügt über künstlerische Eisenbeschläge.


Heute sind die Innenräume des Gebäudes vollständig umgebaut und beherbergen die lokale Stadtverwaltung. Das alte Polizeirevier ist jedoch aus einem besonderen Grund zu einem wahren Denkmal und Wahrzeichen Göteborgs geworden, denn die Kriminalfilme mit Kommissar Erik Winter benutzten das Gebäude und die daneben liegende Markthalle Briggen als Drehort für die Filmserie. Vor allem in den Sommermonaten wird das Polishuset in der Tredje Långgatan dadurch zu einer Art Pilgerstätte, zu der auch die Krimiführungen der Stadt Göteborg führen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Erste Abbildung: Stadsmuseum Göteborg

Donnerstag, 4. Februar 2010

Heimat und Nostalgie im Slottsskogen in Göteborg

Zwischen 1821 und 1930 verließen über eine Million Schweden das Land in der Hoffnung dem Hunger und der Armut entkommen zu können. Aber nicht alle bekamen die notwendigen Papiere und viele hatten auch nicht die Mittel das Land zu verlassen. Da Göteborg für alle Auswanderer eine Art Zwangsstation war, strandeten viele, die ihr Heil in der Übersee suchen wollten, in Göteborg.

Gräfsnässtugan

Sehr schnell fanden sich in der Stadt Gruppen, die aus den gleichen Landesteilen Schwedens kamen, den gleichen Dialekt sprachen und vor allem das gleiche Heimweh in sich trugen. Kein Wunder daher, dass sich in dieser Zeit die ersten Heimatgilden bildeten, so im Jahre 1873 die Smålandsgilde Göteborgs.

Smålandsstugan

Der Traum jeder Gilde, auch jener, die in den folgenden Jahren entstanden, war es, ein Haus aus der Heimat zu haben um sich dort zu treffen, dort die Kultur der entsprechenden Landschaft aufrecht zu halten, Gerätschaften zu sammeln und auch um die „verlorene Kultur“ ihren Nachkommen zu vermitteln. Als Bauplatz bot sich in ihren Augen der Schlosswald an.

Dalslandsstugan

Mehrere Gilden stellten im Laufe der Jahre den Antrag im Göteborger Slottsskogen (Schlosswald) ein kleines Haus aus ihrer Gegend zu holen und dort aufzubauen, vor allem, nachdem im Jahre 1905 die Smålandsstuga im Schlosswald als erste Landschaftsstuga errichtet wurde. Die Verwaltung des Slottsskogen wollte jedoch kein neues Skansen schaffen und lehnte daher die Anträge auf eine Bohuslänstuga, eine Skaraborgstuga und eine Gotlandstuga ab.

Hallandsstugan

Auch aus der Skånestugan wurde nichts, da der Gilde, trotz Baugenehmigung, das Geld fehlte und das Lager, in dem sich die ebenfalls genehmigte Värmlandstuga befand, brannte ab und zerstörte damit den Traum der Gilde. Auch aus der Östergötlandstuga wurde nichts, da die Gilde kein typisches Gebäude in ihrer Region erwerben konnte. Aber auch ohne ein Museumsdorf im Schlosswald ist es ein Abenteuer die vier vorhandenen Lanschaftsstugor und das alte Polishuset des Slottsskogen zu besuchen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin