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Mittwoch, 18. August 2010

Nollning bei Chalmers in Göteborg

Wer sich in Göteborg bei der Technischen Hochschule Chalmers einschreibt und nicht aus Göteborg kommt, wird bei Kursbeginn im August erste einmal vom Nollning überrascht. Die ersten vier Wochen sind bei Chalmers mit diesem Nollning eine Art Einführung in das Studentenleben, das mit Festen, Veranstaltungen und einer Vielzahl an studentischen Tests beginnt.


Noch heute macht vielen Neulingen der Technischen Hochschule Chalmers der Begriff Nollning zu fürchten, obwohl die Zeit der manchmal wirklich üblen Prüfungen längst vorbei ist und die Tradition heute von Jahr zu Jahr mehr zu einem Art Vergnügen wird an das man sich sein Leben lang erinnert.


Während jeder Besucher Göteborgs die Prüfungen der Neulinge in der Stadt bemerkt, ohne oft zu wissen was das Ganze bedeutet, so beginnt die Geschichte des Nollning für die Studenten jedoch bereits am ersten Tag bei Chalmers. An diesem Tag wird jeder Student einer pHadder-Gruppe zugeteilt, die unter der Leitung eines älteren Studenten, des pHadder steht, der den neuen Studenten in allen Fragen hilft und sie auch tröstet, wenn ihre Nollbrickan nicht anerkannt wurde.


Die Nollbrickan ist das erste Werk, das ein Student bei Chalmers nach einer genauen Vorlage erstellen muss und das ihn während der Prüfungen in der Stadt (und bei Chalmers) permanent begleitet. Dieses Nollbricka wird nach Prüfung durch ältere Studenten anerkannt, oder muss neu gemacht werden. Jedes Nollbricka trägt auch den Namen des Studenten.


Da die Gruppen der Neustudenten, die das Nollning durchgehen, immer aus dem gleichen Fachbereich sind, dienen die Prüfungen der ersten Tage vor allem dem sich kennen lernen, wobei die Mehrheit der Prüfungen auch auf Zusammenarbeit aufbauen und es teilweise nötig machen, dass sich jedes Mitglied der Gruppe auf alle anderen Mitglieder verlassen kann. Natürlich ist das Nollning nicht obligatorisch, aber es zeugt von wenig Offenheit dabei nicht mitzumachen und kann die Eingliederung in Arbeitsgruppen erschweren.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Freitag, 30. April 2010

Der Chalmers Cortège 2010 in Göteborg im Regen

Der Chalmers Cortège jeden 30. April in Göteberg ist ein skandinavisches Ereignis, das man am ehesten mit dem deutschen Karneval in Köln oder Mainz vergleichen kann, obwohl es sich dabei um ein rein studentisches Ereignis handelt, das selbst im Regen die gleiche Anzahl an Besuchern anzieht als bei Wärme und Sonnenschein. Die Besucher kommen aus vielen Teilen Schwedens und viele sehen den rund zwei Stunden langen Umzug jedes Jahr an, manche vom gleichen Platz aus. Nur wer mindestens eine halbe Stunde vor Beginn bereits seinen Platz an der Straße verteidigt hat auch die Chance das Ereignis wirklich voll genießen zu können.


Die fast unendlich scheinende Anzahl an Wagen spiegeln die Einstellung vieler Schweden zu lokaler und nationaler Politik, auch wenn Politiker dies beim Chalmers Cortège ebenso wenig zur Kenntnis nehmen wollen wie beim deutschen Karneval. Da der Umzug von der Göteborger Technischen Hochschule Chalmers veranstaltet wird, entdeckt man, zwischen den Wagen, natürlich auch zahlreiche technische Spielereien, die den Erfindungsreichtum der Studenten spiegeln. Unterbrochen wird der Umzug auch immer wieder von musikalischen und tänzerischen Einlagen, die den Cortège dadurch auch zu einer Art Volksfest machen.


Herausragende nationale Themen dieses Jahr waren, unter anderem, die schwedische Wolfsjagd, wo 12.000 Jäger 27 Wölfe erlegen wollten um damit einen Artenschutz zu betreiben oder die Jagd nach allen, die Musik aus dem Internet laden und hierfür selbst neue Gesetze schaffen, die die absolute Mehrheit der Schweden nicht haben will, was dann wiederum der Piratenpartei zu einem gewissen Erfolg hilft.


Allgemeine Themen, die sich mehr oder weniger jedes Jahr wiederholen, jedoch für immer mehr Schweden bedeutend werden, sind Wohnungsprobleme, Korruptionen, Erziehung und vor allem die ständigen Streichungen von Kinderhorten und Kindergärten. Auch wenn die Wagen des Chalmer Cortèges immer deutlicher auf diese Missstände hinweisen, geht die Politik des Landes immer weiter in die entgegengesetzte Richtung statt den Warnsignalen zu lauschen.


Da sich die Technische Hochschule Chalmers in Göteborg befindet, ist es natürlich logisch, dass sich die Studenten bei der Gestaltung ihrer Wagen auch an Probleme Göteborgs wagen. Das bedeutendste Thema war der Verkauf von Volvo an Geely, was in Göteborg vermutlich mehr Arbeitsplätze vernichten wird als sich die Politiker Göteborgs überhaupt vorstellen wollen. Und Chalmers dachte natürlich auch an Västtrafik mit seinem neuen Bezahlsystem, das viele Göteborger auch nach Monaten noch nicht verstanden haben und das immer noch fehlerhaft arbeitet.

Schwedischen Informationen zum Chalmers Cortège:
Chalmers Cortègen i Göteborg 2010

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 27. August 2009

Nollning oder Mottagning bei der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg

Chalmers Tekniska Högskola oder die Technische Hochschule Chalmers in Göteborg gehört mit zu den renommiertesten in Europa. In kaum einer Hochschule Schwedens ist Tradition so ausgeprägt und wichtig wie bei Chalmers in Göteborg. Bevor man daher wirklich Mitglied dieser Studentengemeinde wird stehen einige außeruniversitäre Prüfungen an.


In Göteborg beginnt alles mit einem großen Fest am Götaplatsen, einem als Chalmerist verkleideten Poseidon und einem großen Fest mit Musik, Tanz und Champagner. Hier, im Herzen Göteborgs werden die Neulinge erst einmal von den älteren Studenten der Technischen Hochschule willkommen geheißen.


Die nächsten Tage verwandelt sich Göteborg dann in mancher Hinsicht, denn die „nollor“, also die Neulinge müssen alle möglichen, manchmal auch gegen das Gesetz laufenden Aufträge ausführen. Straßenschilder verändern ihren Platz, Statuen bekommen ein neues Aussehens und die lokale Presse bekommt viel über diese Scherze zu schreiben, die sich fortsetzen bis eines Tages dann die Neulinge zu "avnollade" werden.


Auch wenn bisweilen Ausschreitung bei der Auftragsvergabe vorkommen, so sind echte Kränkungen und Trakasserien heute selten geworden und machten mehr amüsanten Tests Platz, die gerne von den Göteborgern betrachtet werden und die Touristen ihre Fotoapparate zücken lassen.


Göteborg ist eine Stadt am Wasser und daher haben viele Prüfungen auch mit Wasser zu tun und spielen, wenn nicht bei Poseidon, doch an einem der Springbrunnen der Stadt. Aber auch recht amüsante Ideen können von Göteborgern oder ihre Besucher beim nollning ähnlich einem Straßentheater erleben, da jede Fachgruppe seine eigenen Prüfungen abhält.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin