Mittwoch, 6. Mai 2009

Der Botanische Garten von Göteborg

Der Botanische Garten von Göteborg gehört mit seinen 175 Hektar zu den größten in Europa und besitzt eine weltweite Reputation auf Grund seiner Sammlungen, seiner Aktivitäten und seiner Forschungstätigkeit.

Um den Reichtum des Botanischen Gartens zu entdecken muss man sich mehrere Stunden nehmen und zwischen April und Oktober einen monatlichen Besuch einrechnen.


Buschwindröschen (Anemonoides nemorosa)

Um den Frühlingspflanzen noch zu entdecken ist nun der letzte Moment gekommen, denn die unzähligen Buschwindröschen (Anemonoides nemorosa), das Symbol des Göteborgers botanischen Gartens, lassen bald die Blütenblätter fallen und die Pracht der jetzt blühenden Magnolien und Rhododendren wird auch der Vergangenheit angehören.


Herzblume (Dicentra alba)

Jede Woche finden auch Vorträge, Besichtigungen und andere Ereignisse im Botanischen Garten (Göteborgs Botaniska Trädgård) statt. Heute, zum Beispiel, erklärt Henrik Zetterlund den Lökträgården, also die Sammlung an Blumenzwiebel-Pflanzen. Morgen werden Anna-Carin Ek und Åsa Kullin über ökologischen Pflanzenschutz und gleichzeitig über die entsprechende Ungezieferbekämpfung sprechen.

Dienstag, 5. Mai 2009

Vetenskapsfestivalen, ein Festival der Wissenschaft

Seit 1997 findet in Göteborg jedes Jahr das Vetenskapsfestivalen statt, das mit seinen 100 000 Besuchern und seinen 1000 Stunden an Vorträgen, Experimenten, Workshops und seinen Ausstellungen das größte populärwissenschaftliche Ereignis Schwedens darstellt.

Das internationale Festival der Wissenschaft will durch seine kostenlosen Aktivitäten das Interesse für Forschung, Wissenschaft und die angrenzenden Bereiche wecken.



Das diesjährige Vetenskapsfestival steht unter dem Motto "Folk Forever!" und handelt von Menschen, die gestern, heute und morgen die Welt verändern oder ihr ihren Stempel aufgeprägt haben.

Die heutigen Themen handeln von den Entdeckungen der Satelliten, stellen die Frage ob die Antike modern war, zeigen das Leben Darwins, vermitteln in drei Stunden "From Big Bang to Earth", laden zum Besuch des Discovery Truck ein und Sören Holmberg spricht über das Thema "Att bygga, leva och bo i Göteborg", das Bauen, Leben und Wohnen in Göteborg.

Göteborg macht mit diesem Festival Wissenschaft zu einem festlichen Ereignis, das den Weg heraus aus den Mauern von Laboren und Universitäten findet. Das Angebot des Vetenskapsfestival hat sein zu Hause in Museen, aber auch in Nordstan oder am Gustav Adolf Torg.

Montag, 4. Mai 2009

Kein frischer Fisch am Montag

In Göteborg kann man, wie überall in Schweden, am Montag keinen frischen Fisch kaufen, und das, obwohl die Stadt den größten Fischereihafen Schwedens hat. Es handelt sich um den Fiskebäcks Fiskhamn.


Fischereiboot in Fiskebäck, Göteborg

Viele Besucher der Stadt sind erstaunt, wenn am Montag jeder Frischfischhandel geschlossen hat, aber dabei muss man nur am Sonntag einen der Fischereihäfen der Stadt besuchen um festzustellen, dass am Sonntag die Fischereiboote alle am Kai liegen.

Eigentlich also logisch, dass dann am Montag auch kein Fisch an der Ladentheke liegen kann, denn ein Boot, das erst am Montag auf Fang geht, kann die Fische auch frühestens am Dienstagmorgen auf dem Fischmarkt anbieten. … Aber der Fischmarkt in Göteborg ist eine Sache für sich, auf die wir ein anderes Mal zu sprechen kommen.


Sonntag, 3. Mai 2009

Boote, Freizeit und viel Wasser

Wer in Göteborg wohnt und keine stuga besitzt, oder nicht zumindest ein lott, ein Stück Garten, besitzt vermutlich eines der Boote, die den Sommer über den skärgården bevölkern.

Dieses Wochenende ist nun endlich der Beginn der Wassersaison und bedeutet, dass man die Hälfte seiner Freunde am Wochenende nur noch treffen kann, wenn man selbst ein Boot hat.


Auch wenn es keine genaue Statistik darüber gibt wie viele Boote es in Göteborg (oder in ganz Schweden) tatsächlich gibt, so kann man dennoch davon ausgehen, dass jeder vierte Haushalt in Göteborg auch ein eigenes Boot besitzt.


Freizeitbootshafen in Fiskebäck

Für dieses Wochenende wurden nun die meisten Boote wieder ins Wasser gelassen um eine neue Sommersaison einzuleiten.

Wasser ist für einen göteborgare eines der wichtigsten Dinge im Leben und es dürfte kaum einen Bewohner der Stadt geben, der nicht schon selbst in einem der Boote saß, die bisweilen jeden Komfort bieten können und einem Wohnmobil oder einem großen Wohnwagen in nichts nachstehen.


Die mangelnde Regelung des Wasserverkehrs und die zahlreichen Bootsbesitzer ohne jede Navigationskenntnisse sind bisweilen jedoch auch eine Gefahr für dieses Freizeitvergnügen und die zahlreichen Unfälle wegen Alkohol sprechen ebenfalls für sich.

Wasser hat auch in Göteborg keine Balken und eine Schwimmweste gehört daher (meist) zur Grundausstattung. Wer schon mal auf einem Segelboot durch die Schären kreuzte versteht auch, wozu diese Westen gut sein können.

Samstag, 2. Mai 2009

Motorräder in Göteborg

Seit 2005 hatte Göteborg eine Sonderregelung für Mopeds und Motorräder. Überall in der Stadt konnten selbst die schwersten Motorräder an Fahrradparkplätzen kostenlos geparkt werden. Diese Regelung war einzigartig in ganz Europa und fand nun zum 20. April 2009 sein Ende.

Grund war nicht, dass eine Radfahrerlobby endlich seine Parkmöglichkeiten zurückforderte, was verständlich wäre wegen dem permanenten Mangel an Fahrradparkplätzen. Es war auch ein Freude sein Fahrrad unterstellen zu wollen wenn eine Harley Davidson gleich 4 dieser wenigen Plätze für sich beanspruchte. Grund war vielmehr, dass sich andere Orte in Schweden beschwert hatten, weil Motorradfahrer das Göteborggesetz auch in anderen Orten als gegeben ansahen und Göteborg jetzt nur zurückfinden wollte zu einer überall in Europa geltenden Regelung.

Kostenloser Motorradparkplatz im Zentrum Göteborgs

Am 2. Mai schließlich fand man, aus Protest, über 100 Parkplätze in der Innenstadt ab dem frühen Morgen von Motorrädern besetzt, deren Fahrer auch freiwillig ihre Parkgebühr bezahlt hatten. Die Angestellten der umliegenden Geschäfte fanden noch einige Parkmöglichkeiten, was jedoch für die vielen Kunden, die vom Samstag profitieren wollten, nicht mehr der Fall war. Anstelle eines Parkplatzes fanden sie ein schweres Motorrad und in der Regel auch gleich den Fahrer daneben, der auf einem Campingstuhl vergnügt dem Geschehen zusah.

Die Aktion der Motorradfahrer soll sich, gemäß Organisatoren, nun jedes Wochenende wiederholen und sich auf alle bedeutenden Parkplätze der Stadt ausdehnen. Die Aktion soll die Stadt dazu zwingen die Maßnahme zurückzunehmen, damit die Motorradfahren, kostenlos, wieder die Fahrradfahrer behindern dürfen.

Natürlich lässt sich diskutieren, ob ein umweltfreundliches Motorrad nicht auch angemessen breite Parkplätze in der Stadt finden sollte, denn für kleinere Maschinen reicht auch ein kleinerer Parkplatz - und auch ein politisches Engagement der Motorradfahrer wäre eine Möglichkeit, aber die Aktion, die am heutigen Tage begann zeigt vielmehr, wie wenig einsichtig Motorradfahrer in Göteborg sein können, wenn sie das Recht fordern auf eine kostenlose Sonderbehandlung ohne auch nur einen Gedanken darüber zu verlieren, dass auch sie die Umwelt verschmutzen und dafür bezahlen sollten und dass es keine Lösung ist, wenn man anderen den Parkplatz wegnimmt und das dann auch noch gut findet.

Was die Motorradfahren ebenfalls vergessen ist, dass ihnen die Stadt bereits 60 kostenlose Parkplätze zur Verfügung gestellt hat und weitere kostenlose Parkplätze geplant sind.

Freitag, 1. Mai 2009

Valborg oder Walpurgis in Göteborg

Nachdem es sich um den Eintrag zum ersten Mai handelt wären vielleicht die Mai Demonstrationen ein Thema, die dieses Jahr zumindest politisch von größerer Bedeutung sind. Nachdem aber ein anderes Ereignis Göteborg direkter betrifft, so will ich jedoch über Valborg, die Walpurgisnacht, reden.

Valborg spielte in Göteborg schon immer eine große Bedeutung. Studenten mit den legendären Mützen singen in der Trägårdsfereningen den Mai ein, am Näckrosdammen neben der Universität singen verschieden Chöre und im Slottsskogen wird in der Nacht zum ersten Mai das Walpurgisfeuer entfacht.

Picknick im Slottsskogen

Valborg, Walpurgis also, leitet in Schweden, so auch in Göteborg, den Frühling ein. Das Feuer im Slottsskogen dient also nicht der Hexenvertreibung, sondern um das "Alte" zu verbrennen, damit dem "Neuen" Platz gemacht wird. Übertragen kann man sagen, dass erst jetzt ein "neues Jahr" beginnt und die Finsternis zu Ende geht. Das Leben im Haus macht nun dem Leben außer Hause Platz.

Singen am Näckrosdammen

Sehr deutlich wird dies im Slottsskogen, wo die Rasenflächen ab dem Mittag des 30. Aprils bereits besetzt werden und dann ab 19 Uhr nur noch "Stehplätze" zu finden sind. Gesellschaftsspiele wie brännboll oder kubb sind ebenso an der Tagesordnung wie gemütliche Picknicke und Grillen. Diese Atmosphäre wiederholt sich auch am ersten Mai, falls das Wetter es zulässt, was dieses Jahr mit 25 Grad auch der Fall war.

Flüssiger Einkauf für die Nacht

Valborg hat in Göteborg allerdings auch seine Probleme. An keinem anderen Tag des Jahres wird soviel Alkohol von Jugendlichen konsumiert wie an diesem Tag und die Plastiktaschen des systemet , genauer genommen der Systembolaget sind überall präsent. 2009 versuchte die Göteborger Polizei die Ausschweifungen in Grenzen zu halten, indem sie am Slottsskogen Kontrollen errichtete die alle unter 18 betraf. Wer von dieser Gruppe mit Alkohol ertappt wurde durfte mit ansehen wie das frisch erworbene Gut im Abflusssystem der Stadt landete.

Chalmers Cortège

Die Chalmers Tekniska Högskola (CTH), die Technische Hochschule Chalmers, die jeder göteborgare nur Chalmers nennt wurde von William Chalmers, einem Direktor des schwedischen Ostindien-Kompanie 1829 gegründet und bildet heute 40% der schwedischen Ingenieure aus. Die Anzahl der Doktoranten liegt bei der Chalmers bei 10%.

Jeden 30. April findet in Göteborg der Chalmers Cortège statt, ein Umzug, der von den Absolventen der Hochschule organisiert wird und seit 100 Jahren jedes mal Hunderttausende von Göteborgern an die Straßenränder lockt.


Überteuerte Studentenwohnungen

Der Chalmers Cortège gilt als das größte nordeuropäische Studentenereignis, und das bedeutendste Studentfest Schwedens, das jedes Jahr 250.000 Zuschauer anzieht. 800 Studenten arbeiten eine Woche lang am Festzug, wobei die Abende mit Bier, Gitarrenmusik und zahlreichen anderen Aktivitäten dem Vergnügen gewidmet sind.


Eine der technischen Lösungen

Während der Arbeiten wird jedes Jahr ein einziges Lied gespielt. Dieses Jahr fiel die Wahl auf Ding Dong von Lasse Berghagen.

2009 werden vier Preise vergeben: Einen für den schönsten Wagen, einen für die beste Einzeldarbietung, einen für die beste technische Lösung und schließlich den Preis für des Lieblingsobjekt der Göteborger, die ihre Stimme per SMS abgeben können.


Chefbonuse und Entlassungen

Der Chalmers Cortège begann um 18.15 an der Chalmers Hochschule, führte dann durch die Strassen Göteborgs und endete mit einem gigantischen Studentenfest.

Nur derjenige, der den Chalmers Cortège kennt und gesehen hat kann sagen, dass er Göteborg kennt.