Freitag, 7. Mai 2010

Kunst und Kunsthandwerk bei den Lisebergs Gartentagen in Göteborg

Zwischen dem 7. und dem 9. Mai verwandelt Liseberg sein Aussehen. Zu den 10. Trädgårdsdagar, einer Messe für alle Gartenliebhaber, verwandelt sich der Vergnügungspark in ein blühendes Meer bei dem 123 Aussteller ihr Produkte oder Dienste anbieten, die mit Gärten im weitesten Sinne zu tun haben. Auch wenn der Verkauf von Pflanzen und Geräten im Mittelpunkt steht, so ist diese Gartenmesse jedoch auch ein Ort für Kunsthandwerk und Gebrauchskunst, die einem Garten, einer Stuga, einem Balkon oder auch einem Fest das besondere Etwas verleiht.


An mehreren Ständen im grünen Liseberg, das zur Messe auch seinen Lustgarten eröffnete, findet man Kunstwerke aus Metall, Ton, Emaille und anderen Materialien, die man zwischen Blumen, im Steingarten oder auch am kleinen Teich platzieren kann. Die auf der Messe anwesenden Künstlern haben sich vor allem von Vögeln, Amphibien und Schmetterlingen inspirieren lassen, die in Liseberg gekonnt in Pose gesetzt werden.


Aber auch Kunstliebhaber, die ihren Balkon zu einem Kunstwerk verwandeln wollen oder ihrer Stuga oder einem kleinen Häuschen auf dem Lande Persönlichkeit verleihen wollen, finden während der Lisebergs Gartentage hunderte von Kunstwerken, die im Fenster, über der Tür, auf der Veranda oder selbst den Treppen oder dem Gartentisch einen Ehrenplatz einnehmen können. Aber auch Hobbykünstler können sich an den Werken, die einer Stadt der Kunst wie Göteborg alle Ehre machen, in Liseberg inspirieren lassen.


Auf der großen Bühne in Liseberg entdeckt der Besucher der Gartenmesse eine Sammlung an Brautbouquets, die die höchste künstlerische Leistung der Floristen des Munkeröds Ausbildungszentrums zeigen. Beim Betrachten dieser farbenprächtigen Kunstwerke versteht man, warum dieses Ausbildungszentrum auch vom Königshaus ausgewählt wurde um mit seinen Werken an Victorias Hochzeit teilzunehmen.


Die gleiche Schule, die sowohl als privates Gymnasium als auch in der Erwachsenenbildung zum Floristen tätig ist, präsentiert in Liseberg auch fünf Kleider, die mit tausenden von Blumen hergestellt sind und damit die höchste künstlerische Leistung eines Floristen zeigen. Nur sehr wenige Bräute zeigen sich jedoch in einem solchen Kunstwerk, das eine tagelange Arbeit erfordert und durch jede Unachtsamkeit zerstört werden kann.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 6. Mai 2010

Stadttheater Göteborg, Saison 2010-2011

Anna Takanen, die künstlerische Leiterin und Vizedirektorin des Göteborger Stadttheaters stellte heute das Theaterprogramm für die Saison 2010/2011, die am 27. August beginnt, vor. Zehn Premieren stehen für diese Spielsaison auf dem Programm, wovon bei sieben Stücken Frauen die Regie haben und eine davon (Profeten i Västra Götaland) von Anna Takanen selbst in Szene gesetzt wird.

Anna Takanen

Unter den Stücken der nächsten Saison findet man drei Klassiker, die in sehr moderner Version auf die Bühne Göteborgs übertragen werden. „Der eingebildete Kranke“ von Molière wird in eine Gegenwart gesteckt, wo die Angst vor Bazillen und Krämpfen den Menschen zum abhängigen Pillenschlucker machen. Oder „Peer Gynt“, der von Stefan Metz in Szene gesetzt wird und die Welt auf eine sehr persönliche Weise entdeckt. Und schließlich „Die Vögel“, die den Menschen in eine selbst geschaffene Schrecksituation versetzen aus der es letztendlich keinen Ausweg mehr gibt.

Der eingebildete Kranke - Regie: Åsa Kalmér

Eine Reise in den Krieg unternimmt man mit den beiden Stücken „Babel“ nach Elfriede Jelinek, wo die amerikanische Invasion im Irak den Ausgangspunkt bildet und ein Wortgefecht über Krieg, Politik, Sex und Gott dominiert, und „Stenen“ (der Stein), der 1934 in Dresden seinen Anfang nimmt, als ein junges Paar das Haus eines Juden kauft und mit dem Fall der Berliner Mauer endet.

Lisa Lindgren in "Jag vill inte dö, jag vill bara inte leva ..."

Als moderne Problemstücke kann man „Klaras resa“ (Klaras Reise) sehen, die Jenny Andreasson, in Form eines Dramas, die Reise einer jungen Frau in die Psychose schildert und „Jag vill inte dö, jag vill bara inte leva ...“ (Ich will nicht sterben, ich will nur nicht mehr leben), ein Debutantenstück, das den Kampf mit der Manodepression zeigt, einen Kampf, den man nicht gewinnen. „Sista Dansen“ (der letzte Tanz) lässt den Besucher des Stadttheaters schliesslich am letzten Kampf im Leben eines Menschen teil haben, dem Kampf um einen Platz im Heim.

Per Sandberg als Peer Gynt

Bleiben schließlich noch zwei Stücke, die, in Theaterumgebung, den besten Einblick in die Denkweise und das Leben Schwedens bieten. Bei „Stjärnan“ (der Stern) von Sisela Lindblom stellt sich die Autorin-Regisseurin die Frage, wer im Schloss isst, während alle anderen zusehen, was sich weniger auf die kommende Hochzeit Victorias bezieht, sondern auf eine sehr beliebte TV-Serie und „Profeten i Västra Götaland“ (Der Profet im Västra Götaland), einer Komödie um Arbeitslosigkeit, Krise und Glück. Ein früherer Kleinunternehmer versucht nach einem Herzinfarkt anderen zu helfen, ohne jedoch die Grenze der Hilfe abzustecken.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Mittwoch, 5. Mai 2010

Der Olsonska Gården in Göteborg

Der Olsonska Gården in Göteborg ist das letzte Gebäude in Majorna, das zeigt, wie früher ein Kapitän und Reeder in Göteborg wohnte, ein Gebäude mit einem einmaligen Innenhof, der mit Flusssteinen und Kopfstein gepflastert ist und den Bewohnern mit seinen Bäumen eine ruhige Oase mitten in Göteborg bot.


Der Olsonska Gården liegt schräg gegenüber der Carl Johans Kyrka am Almänna Vägen. Der älteste Teil des Gebäudes stammt aus dem 18. Jahrhundert und war ursprünglich eine Heringsalzerei, das erst 1792 an die heutige Stelle transportiert und in ein Wohnhaus verwandelt wurde.


Bis zur Fertigstellung der nahen Kirche diente, gemäß einer Legende, der Speicher als Kirche und noch Jahre danach wohnte auch der Glöckner im Olsonska Gården. Zu dieser Zeit trug der Bau noch den Namen Marieberg, denn erst nachdem der Kapitän Benjamin Olson 1857 das Haus gekauft hatte, erhielt es seinen heutigen Namen.


Benjamin Olson fügte dem ursprünglichen Gebäude mehrere Bauten hinzu und schuf den heute noch sichtbaren Innenhof mit seinen Bäumen und dem gesteinten Boden. Der Kapitän setzte sich in diesen Jahren an Land fest und schuf eine bedeutende Reederei in Göteborg, wobei das Gebäude sowohl als Wohnhaus als auch als Büro diente. Sein Sohn war später der letzte große Reeder für Segelfahrzeuge.


Die Gebäude wurden letztmals zwischen 1983 und 1984 renoviert und unter Denkmalschutz gestellt. In den Innenräumen findet man noch Türen und Kachelöfen aus dem 18. Jahrhundert. Sehr bedeutend sind auch die Malereien von Svea Olson in der Eingangshalle und die Wanddekoration im Speicher.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Ersten beiden Bilder: Stadsmuseum Göteborg

Dienstag, 4. Mai 2010

Logistik & Transport in Göteborg

Vom 4. bis zum 6. Mai findet in der Svenska Mässan in Göteborg die Fachmesse Logistik und Transport statt, die dieses Jahr vor allem umweltfreundliche Aspekte und Zukunftsvisionen nach Außen trägt. Auch bei Logistik und Transport weiß man die Zeichen der EU zu deuten und weiß in welche Richtung die Entwicklung gehen muss, wenn man auch in der nahen Zukunft weiter überleben will.


Acht Arbeitgeberverbände, die sich zur Vereinigung TransportGruppen zusammengeschlossen haben und über 12.000 schwedische Unternehmer umfassen präsentieren auf der Messe Logistik & Transport die Zukunftsvision von Kindern, Studenten und Unternehmern und zeigen in welche Richtung sich Transport zu Land, in der Luft und auf dem Wasser entwickeln und auf welche Weise man die Umwelt schonen kann.


Interessante Entwicklungen kann man auch im Hinblick auf eine Verbesserung der Luftqualität in Kaufhäusern und Lagerhallen entdecken. Hier dienen vor allem die Kaufhausketten ICA und K-Rauta als wegweisende Beispiele, die zeigen, dass eine bessere Luft in vieler Hinsicht eine bedeutende Rolle spielt, sowohl in Hinsicht auf die Gesundheit des Personals, die Arbeitsatmosphäre als auch in Bezug auf das Kaufverhalten der Kunden.


Der schwedische Baugigant Skanska präsentiert sich bei Logistik und Transport als der grüne Bauriese und zeigt Methoden, Modelle und Realisationen, wo umweltgerechtes Bauen im Zentrum steht. Umweltgerechtes Bauen bedeutet, unter anderem, Energie sparen, Recyklingsprozesse ausnutzen, die richtige Isolation wählen, den Transport von Baumaterial umweltfreundlich zu gestalten und an die Aufbereitung und Nutzung von Wasser zu denken.


In einer Minikonferenz sprach Jill Söderwall über die Entwicklung des Göteborger Hafens als Ziel für Kreuzfahrten, was Göteborg vor neue Entscheidungen stellt, denn 50.000 Besucher, die dieses Jahr per Kreuzfahrtschiff in der Stadt ankommen, erfordern neue Lösungen in der Abfallbeseitigung, dem Transport von über 3000 Besuchern in kürzester Zeit und ein Angebot, das die anspruchsvollen Besucher zu 100% zufrieden stellt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 3. Mai 2010

Das Vitsippsdalen oder Buschwindröschental in Göteborg

Das Vitsippsdalen oder Buschwindröschental in Göteborg grenzt direkt an den Botanischen Garten an ohne jedoch Teil der Anlage zu sein. Das Vitsippsdalen gehört vielmehr zum Naturreservat Änggården, einem Schutzgebiet, das sich mitten in Göteborg befindet und vor allem ein Ausflugsziel für Vogelliebhaber ist. Auch wenn das Buschwindröschental unabhängig vom Botaniska Trädgården erreichbar ist, kommen die meisten Besucher aus der Gartenanlage.


Das Vitsippsdalen hat seinen Namen nach den Tausenden von Buschwindröschen, die entlang des kleinen Wasserlaufes wachsen, der das ganze Tal durchzieht. Die optimale Zeit die Buschwindröschen zu besuchen ist daher jeweils April bis Mai, wenn die Bäume und Büsche noch kahl sind und einen freien Blick auf das Blumenmeer erlauben. Da in dieser Epoche auch die meisten Vögel ihre Nester bauen oder bereits nisten, wird man bei seiner Wanderung auch ständig von ihrem Gesang begleitet.


Während noch vor Jahren fast ausschließlich Buschwindröschen (Vitsippor) im Tal der Änggården wuchsen, findet man nun jedes Jahr auch mehr Scharbockskraut, das zur gleichen Epoche blüht und sich dann ab Ende Mai vollkommen in den Boden zurückzieht. Da im Vitsippsdalen keinerlei menschliche Eingriffe vorgenommen werden, werden sich die weißen und gelben Blumen irgendwann ganz ausgleichen, zumal sie die gleiche ökologische Nische nutzen.


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das westschwedische Vitsippsdalen als einer der wenigen Reste des ursprünglichen Urwalds betrachtet, was auch Anlass dazu war hier den Botanischen Garten zu schaffen und das umliegende Gebiet zu einem Naturreservat zu erklären, wo man der Natur den Vortritt lässt.


Das Buschwindröschental am Rande des Botanischen Gartens gehört zum Naturschutzgebiet Göteborgs und ist daher eine geschützte Zone in der man der Natur seinen Lauf lässt. Die Wanderwege sollten daher nicht verlassen werden, damit sich dir Natur so natürlich wie möglich entwickeln kann. Die einzigen menschlichen Eingriffe erfolgen nach Hochwasser oder Stürmen, damit die Wanderwege erhalten bleiben.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Sonntag, 2. Mai 2010

Trödelmärkte (Loppis) in Göteborg

Jedes Jahr im Mai beginnt in Göteborg die Zeit der Trödelmärkte und Flohmärkte, was insbesondere damit zusammenhängt, dass Schweden im Frühling draußen in der Sonne sein wollen, dass man auf den Wiesen der Stadt Picknick machen will und dass gerade ein Trödelmarkt nicht nur sehr günstige Fundstücke anbietet, sondern auch mit Musik und Spiel verbunden ist.


Trödelmärkte in Göteborg sind in der Regel Angelegenheiten einzelner Stadtteile. Auch wenn dort jeder Besucher willkommen ist, so treffen sich dort dennoch vor allem die Bewohner des Quartiers. Die Besuche dort dienen daher auch mehr dem geselligen Beisammensein als wirklich der Suche nach einem bestimmten Artikel, den mehr nebenbei findet. Es ist daher auch völlig normal, dass man auf den Trödelmärkten sehr viele Kinder jeden Alters findet.


Mit zu den aktivsten Stadtteilen Göteborgs gehört Majorna, wo man am 30. Mai zum zweiten Mal den vermutlich größten Flohmarkt der Stadt finden wird, der sich vom Stigbergstorget bis nach Mariaplan erstreckt und voriges Jahr fast den Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde geschafft hat. Eine kleine Geschmacksprobe konnte man nun bereits am 2. Mai am Plaskdammen in Majorna finden, wo sich bei Sonnenschein hunderte von Bewohnern des Stadtteils trafen.


Wer sich an diesem sonnigen Sonntag auf den Weg zum Plaskdammen machte, der auf einer Seite von den typischen Göteborger Landshövdingehus bebaut ist, fand rund 50 Trödelstände mit all dem, was man auf einem Trödelmarkt erwartet. Der Besucher konnte daher vor allem zwischen Kleidung, Büchern und Keramikartikeln wählen, oder aber einfach den lokalen Clown-Musikern lauschen, die bei den anwesenden Kindern einen sehr großen Erfolg hatten.


Der erste diesjährige Trödelmarkt in Majorna bot jedoch, wie viele andere Trödelmärkte Göteborgs, nicht nur Trödel, sondern auch Kunsthandwerk und vor allem Schmuck, der zum Teil vor den Augen der Besucher hergestellt wurde, ökologische Produkte, Massage und lokales, selbstgebackenes Kleingebäck.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 1. Mai 2010

Die Walpurgisnacht (Valborgsfesten) in Göteborg

Während in fast ganz Schweden das Walpurgisfeuer mit seinen Gesängen und Tänzen den Höhepunkt des 30. April ausmacht, wobei die Feuer die Hexen vertreiben sollen, sind die Walpurgisfeuer in Westschweden nur an wenigen Stellen zu finden und können nicht mit den gigantischen Osterfeuern dieser Gegend verglichen werden. Das wichtigste Ereignis des Tages ist hier der karnevalistische Umzug der Chalmers-Studenten durch Göteborg.


Dies bedeutet natürlich nicht, dass der Valborgsmässafton in Göteborg nur aus diesem Umzug besteht und auch nicht, dass es sich nur um ein nächtliches Fest handelt. Feierlichkeiten beginnen in der Regel bereits ab 14 Uhr in der Trädgårdsföreningen, wo der Frühling vom Göteborger Studentkåren eingeleitet wird und sowohl die studentische Blaskapelle als auch der Akademische Chor und der Chalmers Manskör (männliche Chor) das Frühjahr mit Musik und Gesang begrüßen.


Um 16 Uhr wird dann der Frühling vom Göteborger Chor Röstrum am Näckrosdammen eingesungen. Bereits zum sechsten Mal konnte der Leiter des Chores, Magnus Ekman, rund 300 Sänger auf den Wiesen am Näckrosdammen vereinen, wo sich gleichzeitig viele Göteborger selbst bei grauem Wetter noch zu ihrem traditionellen Frühjahrspicknick nieder ließen.


Jugendliche treffen sich zum Walpurgisfest an sehr verschiedenen Stellen in der Stadt, wobei dabei auch der kulturelle Treffpunkt Brewhouse im Stadtteil Gårda eine immer wichtigere Rolle einnimmt und, man trifft sich natürlich spätestens ab 20 Uhr im Schlosswald, wo um 21 Uhr das größte Feuer Göteborgs entfacht wird, selbst wenn es, wie 2010, wegen Regen 15 Minuten dauert bis die ersten Flammen in die Luft schlagen.


Die einzig negative Seite der Walpurgisnacht in Westschweden ist die Tatsache, dass eine Unmenge an Alkohol getrunken wird und daher ab Mitternacht Gewalttätigkeiten auftreten und die Nacht der Fahrraddiebstähle beginnt. Um vorzubeugen, dass Jugendliche in Göteborg nicht zuviel Alkohol am Valborgsmässafton trinken, halten bedeutende Polizeistärken ab Nachmittag Ausschau nach Jugendlichen mit Alkohol, um deren kostbares Gut unmittelbar auf die Straße zu gießen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin