Samstag, 7. November 2009

Der Hammarkulle Karneval im Röhsska Museum in Göteborg

Der erste Hammarkulle Karneval fand bereits 1974 statt und wurde im Laufe der Jahre eine der bedeutendsten Attraktionen Göteborgs. Seit 1979 nehmen auch die lateinamerikanischen Vereinigungen an diesem Karneval teil, was nicht nur die Umzug erweiterte, sondern mit den farbenprächtigen Kostüme auch den Hammarkulle Karneval der heutigen Tage prägt.



Mittlerweile ist der Hammarkulle Karneval, zumindest teilweise, auch Teil der Sommerattraktionen in anderen Stadtteilen Göteborgs und am 24. Oktober zog er schließlich in das Röhsska Museum in Göteborg ein. Im Röhsska wird natürlich auch ein besonderer Wert auf die künstlerischen Kostüme, den Schmuck und das Kunsthandwerk, die Teile des Karnevals sind, gelegt.


Während der gesamten Ausstellung im Röhsska Museum, die noch bis zum 22. November dauert finden regelmäßig Veranstaltungen statt, die den Besuchern einzelne Kulturen, deren Tänze und deren Kostüme näher bringt. Während der Veranstaltungen finden Seminare und Vorträge statt, die alte und neue Volkstrachten gegenüberstellen und deren Symbolik erklären.


Wer sich für die „fremden“ Kulturen, die den Hammarkulle Karneval ausmachen, interessiert kann sich im Röhsska Museum auch mit den traditionellen Tänzen dieser Kulturen vertraut machen, egal, ob es sich um den bolivianischem Tinku oder Caparoles, kurdische Tänze oder den mehr bekannten Samba handelt.


In Vorträgen werden auch Kultur und Tradition aus den fernen Ländern erklärt, was sicher auch ein bedeutender Beitrag zur Völkerverständigung in Göteborg ist. Aber das Röhsska Museum in Göteborg denkt auch an Kinder, denn Workshops für verschiedene Altersgruppen zeigen den Kindern wie man seine eigenen Karnevalstrachten und Masken selbst herstellen kann.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Freitag, 6. November 2009

Röda Sten in Göteborg - und seine Umgebung

Röda Sten ist in Göteborg ein Begriff für Kunst und junge Kultur mit Ausstellungen, Konzerten und zahlreichen anderen Aktivitäten für ein junges Publikum. Das zentrale Gebäude am Platz, das wie der Platz, nach dem roten Stein (Röda Sten) am Flussufer benannt ist, stammt aus den 40er Jahren und ist weit entfernt von einer architektonischen Schönheit, da hier früher eine Wärmezentrale für die damalig Industrie des Gebietes war und eine rein funktionelle Bestimmung hatte.


Das Kulturzentrum Röda Sten ist heute von wahrer Kunst wie Pseudokunst und skurrilen Gebilden umgeben. Nicht nur bedeutende Künstler haben hier Skulpturen wie Beting oder Havskatt hinterlassen, sondern auch Spontankunst wird rund um das Zentrum konstruiert, wobei auch Holz, Draht und ähnliche Materialien dafür zu Hilfe genommen werden.


Am und um das Kulturzentrum üben sich auch regelmäßig Graffitikünstler, aber auch Vandalen, die mit ihrem Geschmiere Kunstwerke und Gebäude verunzieren. Von der imitierten Bootsbrücke am Göta Älv aus kann man noch, auf der anderen Seite des Göta Älv, die alte Anlegestelle der Flussfähre entdecken, die heute verlassen unter der Götaälvbron verrottet.


Von hier aus kann man jedoch auch die Ausflugsboote zu den Schären wie die Boote der Stena Line und die Kreuzfahrtschiffe nach Göteborg oder die Frachtschiffe vom und zum Vänern beobachten. Im Hintergrund sieht man Eriksberg mit seinem Bockkran und dem Norra Älvstranden mit seinen zahlreichen Kunstwerken entlang des Flusses.


Ein Blick zur Stadt zeigt die alten Gebäude des Carnegie Zuckerraffinerie, die die Ruine der alten Älvsborgfestung auf der Anhöhe hinter dem Gebäude versteckt und, entlang des Flusses entdeckt man Klippan mit seinem Bootsmuseum und dem legendären Sjömagasinet, einem Fischrestaurant der oberen Kategorie.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 5. November 2009

Kunst am Gustav Adolfs Torg in Göteborg

Der Gustav Adolf Torg in Göteborg ist weniger für seine Kunstwerke als für seine Gebäude bekannt, denn rund um den Platz befinden sich die bedeutendsten Gebäude der Stadtverwaltung. Hier wird gearbeitet, repräsentiert, hier finden zahlreiche wichtige Demonstrationen statt und hier ist eines der Zentren des jährlichen Göteborger Kulturfestivals.


Aber bereits die Gebäude um den Gustav Adolf Torg bilden einen architektonischen Schatz, denn Teile des Rathauses stammen noch von 1673, der Anbau von 1936 entfachte fast einen Aufruhr, das Wenngrenska huset wurde 1759 erbaut, das daneben liegende Stadshuset im Jahre 1703 und Teile des Börshuset gehen noch zurück auf das Jahr 1690 und erhielt 1849 sein heutiges Aussehen.


Es lohnt sich jedoch auch die öffentlichen Kunstwerke des Gustav Adolf Torg zu suchen, denn der First des Rathauses trägt das Relief Gerechtigkeit und Weisheit von Bengt Erland Fogelberg und im Atrium des Gebäudes findet man das Sitzende Mädchen von Gerhard Henning. Und auch der neuere Anbau verfügt über vier Reliefe, die die Antiken Winde in moderner Form zeigen.


Während das Stadshuset nur das künstlerische Wappen der Stadt Göteborg trägt, ein Werk des Künstlers Ivar Lindecrantz, ist das nächste Gebäude, das Börshuset, fast schon eine Sammlung an Kunstwerken, auch wenn man in der Regel nur die Fassade mit den sechs Skulpturen, die den Aufstieg und den Reichtum Göteborgs symbolisieren, betrachten kann.


Und selbst wenn man dann noch die Statue des Stadtgründers Gustav II Adolf mit dem Stadtwappen zu seinen Füßen eingehend betrachtet hat, bleiben noch sechs weitere Kunstwerke des Künstlers Bror Chronander, die die Flaggenmasten zieren und die Geschichte der Stadt skizzieren. Nur wenige Stellen Göteborgs bieten so viele Kunstwerke auf kleinstem Raume wie der Gustav Adolf Torg.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Mittwoch, 4. November 2009

Das Televerket am Kaserntorget in Göteborg

Als im Jahre 1909 der Grundstein für das Televerket in Göteborg gesetzt wurde, war allen klar, dass hier ein Meilenstein für die Zukunft geschaffen wurde. Dies war auch der Grund, warum dieses Bauwerk in Jugendstil an einer zentralen Stelle errichtet werden sollte, am Kaserntorget, und dass es mit seiner Ausschmückung eine neue Ära einleiten sollte.


Die Architekten Hans und Björner Hedlund ließen das Televerket mit roh bearbeitetem Granit und Ziegel errichten. Der 16 x 44 Meter große Telefonistenraum gilt heute als einer der best bewahrten Jugendstilräume Schwedens und wurde mittlerweile, wie auch das Gebäude, geschützt.


Die Fassade wurde auf den Seiten zur Kungsgatan und dem Kaserntorget mit Reliefen verziert, die der schwedische Künstler Carl Eldh realisierte. Eldh der in Paris Skulptur studierte, spezialisierte sich in Ornamentskulptur wie man sie am Televerket sehen kann und die daher typisch für seine Arbeiten sind. Er gilt als der bedeutendste Künstler der schwedischen Arbeiterbewegung.


Auch die Treppen zum Eingang des Televerkes wurden mit bedeutenden Kunstwerken versehen. Die deutlich sichtbaren Eisbären stammen von Carl Fagerberg, dessen Tierskulpturen in ganz Schweden bekannt wurden und zahlreiche seiner Schüler inspirierte.


Als das Televerket, das auf einer früheren Kaserne aufgebaut wurde, im Jahre 1990 renoviert und restauriert wurde, wurden alle Elemente, die ursprünglich vorhanden waren wieder in ihren Originalzustand zurückversetzt. Die Glasfenster und Wandmalereien am Eingang lassen noch den Prunk ahnen, der einst von diesem Gebäude aus ging.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Dienstag, 3. November 2009

Die Kungsportsbron in Göteborg

Die Kungsportsbron erhielt ihren Namen nach dem alten Stadttor Kungsport, die die Befestigungsanlagen und das Land mit der von Gustav II. Adolf gegründeten Stadt Göteborg innerhalb des Wallgrabens verband. Diese erste Brücke war eine Zugbrücke, die bei Gefahr oder Angriff hochgezogen wurde und die Stadt durch den Vallgraven geschützt wurde.


Aber auch nachdem die Stadtmauern abgerissen waren, die Befestigungen außerhalb des Vallgravens sich zu Wiesen verwandelten und das Stadttor verschwand, benötigte man weiterhin eine Brücke an dieser Stelle. Im Jahre 1810 entstand auf diese Weise die Gamlestanbro, die jedoch nach Entstehung des Stora Teatern in Teaterbron umbenannt wurde.


Auch diese Brücke aus Stein überlebte das Jahrhundert nicht und schon 1898 begann man die heute sichtbar Brücke zu errichten. Eugen Thorburn, der Architekt, wählte für den Bau einen zu jener Zeit modernen italienischen Renaissancestil und benutzte für den Bau den bekannten Granit aus dem nahen Bohuslän. Bereits 1901 konnte dann die neue Brücke von König Oscar II. geöffnet werden.


Die heutige Kungsportsbron ist 45 Meter lang und 23 Meter breit. Sie wurde bereits beim Bau mit 12 Straßenlampen in Kandelaberform geschmückt in denen 40 Leuchter die Brücke bei Nacht erleuchten. Die detailreiche Arbeit mit Motiven aus der sagenumwobenen Meereswelt wurde von Göteborgs Mekaniska Verkstad, den späteren Götaverken ausgeführt.


Zu Fuße der Brücke liegen die Paddan-Boote, mit denen man Göteborg vom Wasser aus entdecken kann. An der Stelle wo man heute zu den Booten gelangt war ursprünglich die erste offizielle Wasserstelle Göteborgs, die per Wasserleitung mit der Kallebäcks källa verbunden war, die seit ihrer Einweihung durch Gustav III. im Jahre 1787 eigentlich Gustafs källa heißt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Originalstich: Stadsmuseum Göteborg

Montag, 2. November 2009

Das Stora Teatern oder Storan in Göteborg

Auch wenn es in Göteborg bereits im Jahre 1816 ein Stora Teatern gab, das noch an der Södra Hamngatan lag, so begann das Theater- und Opernleben des heutigen Göteborgs erst mit dem Bau des heute als Storan bekannten Gebäudes. Treibende Kraft für den Bau des Großen Theaters am Kungsparken war seit 1850 die Göteborgs Handels- och Sjöfarts Tidning.


Schon 1855 wurde eine Aktiengesellschaft gegründet, die sich Nya Theateraktiebolaget nannte und ein Grundstück am Kungsparken erwerben konnte. Es dauerte dann weitere 4 Jahre bis auch ein Gebäude auf dem Grundstück errichtet war, das noch den Namen Nya Theatern trug und mit dem Stück "Konung Carl den Tionde Gustaf" eingeweiht wurde.


Aber auch das Neue Theater hatte nicht den erwarteten Publikumserfolg und tauschte in den folgenden Jahren auch den Besitzer. Unter Wilhelm Åhman begann sich nach einem besonderen Ereignis das Blatt zu wenden. Im November 1872 präsentierte sich August Strindberg bei Åhman, der auch sofort eine kleinere Rolle erhielt. Und 1875 konnte sich das Theater zum ersten Mal ein festes Ensemble leisten.


1880 wurde dann das Nya Theatern das Storan oder Stora Teatern von Göteborg, wo nicht nur Theater gespielt wurde, sondern auch Opern, Operetten und Musicals ihren Platz fanden. Erst im Jahre 1994 änderte sich schließlich, mit dem Bau der Göteborger Oper, das Programm des Stora Teatern, das nun nur noch eine Filiale des Göteborger Stadttheaters war.


Nach dem Jahrhundertwechsel wurde das Storan letztendlich an SAMI (Svenska Artisters och Musikers Interesseorganisation) langfristig vermietet, die das Gebäude modernen Künstler und ihren Konzerten und ein Restaurant öffnete sowie Räume des Gebäudes für Konferenzen vermietet. Das Storan steht seit 1973 unter Denkmalschutz.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Sonntag, 1. November 2009

De fyra vindarna, die vier Winde, am Rathaus in Göteborg

Der schwedische Künstler Erik Grate hinterließ an einem der Gebäude des Gustav Adolf Torg vier Reliefe, die oft unbeachtet bleiben, obwohl die vier Abbildungen sowohl auf die Antike, als auch auf die Seelage Göteborgs und die Entwicklung der Stadt anspielen. Die vier Reliefe de fyra vindarna symbolisieren nämlich die alten Windgötter Griechenlands in surrealistischer Darstellungsweise.


Der erste der Götter ist Boreas, der in der griechischen Mythologie der Nordwind war und soviel wie kalter Regen bedeutet. Er wurde in der Antike oft als alter, geflügelter Mann dargestellt, dessen langer Bart ein Eiszapfen war. Boreas war einer der Schutzgötter Athens mit einem eigenen Tempel.


Zephyros, der aus den Bergen kam, repräsentierte den Westwind, der den Frühling ins Land brachte und dessen Hauch allein schon Frauen und Tiere schwängerte. Zephyros stellte gerne Stuten nach, zeigte homosexuelle Züge und wechselte mehrmals seine Ehefrauen.


Notos war der antike Südwind und wird in der griechischen Mythologie als sehr sanft beschrieben. Man konnte sich jedoch nicht immer auf seine Züge verlassen, da er auch schwere Stürme mit sich bringen und eine dichte Wolkendecke über dem Lande ausbreiten konnte oder alles in einen weißen Nebel zu hüllen vermochte.


Und als letzter Gott galt Euros, der der antike Ostwind war und damit den Herbst darstellte. Euros war für sanften Regen verantwortlich und er brachte die Schiffe mit einer sanften Brise zurück in den Hafen Athens.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin