Freitag, 7. August 2009

Ein Soldat ist ein Soldat …, eine Ausstellung im Seefahrtsmuseum in Göteborg

Noch bis zum 23. August kann man im Seefahrtsmuseum Göteborg seine erste Außenhaus-Ausstellung rund um die Uhr betrachten. Die Ausstellung "En soldat är en soldat är en soldat är en soldat" wurde anlässlich des HBT-Festivalen in Göteborg eröffnet und stellt in sechs beleuchteten Kästen eine Grundfrage unserer Gesellschaft: Welche Rechte hat ein Mensch?


Im Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte kann man lesen, dass "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen."


Aber wie frei ist ein Soldat in Wirklichkeit, wie frei ist ein homosexueller Soldat und wie frei war ein Soldat in der Vergangenheit. Kann eine Frau Soldat sein? Wobei sich auch die nächste Frage stellt, nämlich: "Was macht einen Soldaten aus?" Seine Uniform, sein Denken, sein Handeln?


Die Ausstellung im Seefahrtsmuseum Göteborg ist eine Folge von Ausstellungen in Schweden und stellt das stereotype Bild des Soldaten in Frage, wie auch seine männliche Dominanz. Die Ausstellung stellt dem Betrachter auch die Fragen, ob ein Soldat homosexuell sein kann und trotzdem einen guten Soldaten darstellt, aber auch ob Frauen wohl doch eher schlechte Soldaten sind oder die gleiche Rolle einnehmen können wie ein Mann.


Die Ausstellung im Sjöfartsmuséet wurde vom schwedischen Armeemuseum erstellt, wobei sich das Seefahrtsmuseum für diese Ausstellung entschieden hat, weil auch die Berufe auf See mit Uniformen und einer männlichen Dominanz behaftet sind. Es geht also um mehr als nur einen Soldaten in Uniform. Die Ausstellung gibt Denkanstösse über das Denken und Verhalten der Menschen des 21. Jahrhunderts.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 6. August 2009

Die alte Festung Älvsborg in Klippans Kultureservat in Göteborg

Auch wenn man immer wieder sagt, dass Gustav II Adolf Göteborg im Jahre 1619 angelegt hat, so ist diese Aussage doch nur zur Hälfte wahr, denn auch wenn Gustaf II Adolf den heutigen Kern Göteborgs geschaffen hat und der Stadt die Stadtrechte verlieh, so waren große Teile des heutigen Göteborg jedoch schon lange vor Gustav II Adolf besiedelt.


Und auch die Nya Älvsborgs fästning die in den Jahren 1653 bis 1668 errichtet wurde ist nicht die erste Befestigungsanlage, die sich auf dem Grunde des heutigen Göteborg befindet, denn bereits im 14. Jahrhundert hatte die vorhergehende Festung Älvsborg, Gamla Älvsborgs fästning, eine bedeutende Rolle in der Verteidigung der Stadt gegen Dänemark.


Die alte Älvsborgs fästning, genauer genommen seine Ruine, kann heute noch in Klippans Kulturreservat in Göteborg besichtigt werden. Die Reste der alten Burg stammen jedoch nicht mehr von 1366, als die Festung das erste Mal in Dokumenten erwähnt wurde, sondern vom späteren Renaissanceschloss zu dem auch der Kungsladugård und der Slottsskogen in Göteborg gehörten.


Die alte Älvsborgs fästning an der Mündung des Göta älvs schützte über 300 Jahre lang den einzigen Hafen Schwedens, da nur wenige Kilometer im Norden der Mündung die Norweger herrschten und südlich davon das Reich der Dänen begann. Der gewählte Ort war eigentlich auch eine Neugründung der Stadt Älvsborg, da sich das noch ältere und unbefestigte Göteborg im heutigen Stadtsteil Gamlestaden befand.


Da das alte Göteborg und damit auch die Gamla Älvsborgs fästing sowohl 1563 als auch 1612 von den Dänen erobert worden war und nur nach sehr hohen Lösegeldzahlungen an Schweden zurückgegeben wurden, entschieden die Stadtherren des heutigen, von Gustav II Adolf gegründeten Göteborg die alte Festung aufzugeben und die Nya Älvsborgs fästning zu errichten. Noch bevor die neue Festung im Jahre 1668 fertig gestellt war wurde die alte Festung nahezu dem Erdboden gleich gemacht. Ab 1661 wurden zum Weiterbau der Nya Älvsborgs fästning die Steine der alten Festung benutzt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Mittwoch, 5. August 2009

Genom arbete för arbete von Sam Westerholm am Olof Palme Plats in Göteborg

Bis zum 27 August 1986 hieß der Olof Palme Plats in Göteborg noch Järntorget und erst nach dem Tode des schwedischen Sozialpolitikers wurde diesem Teil des Platzes sein neuer Name gegeben. Der Platz sollte durch die Umbenennung daran erinnern, dass die Arbeiterbewegung nicht abgeschlossen wurde, sondern eine kontinuierliche Bewegung ist.


Im gleichen Jahre suchte die Göteborger arbetarkommun und das Folkets hus ein künstlerisches Projekt, das sowohl an Olof Palme erinnern als auch die Bedeutung des Platzes innerhalb der Göteborger Arbeiterbewegung ausdrücken sollte. Schließlich ging der Auftrag an den aus Finnland stammenden Künstler Sam Westerholm.


Sam Westerholm schuf daher im Jahre 1968 auf dem Olof Palme Plats seine erste Monumentalskulptur, die er Genom arbete för arbeite, durch Arbeit für die Arbeit, nannte. Das Werk ist eine Einheit, die die Geschichte der Arbeiterbewegung Göteborgs von 1882 bis zum Tode Olof Palmes aufzeigt.


Das letzte Relief des Werkes, das mit Olof Palme unterzeichnet ist, trägt die Inschrift "Till minne av de som kämpade för bröd rättvisa och frihet - vad de vann, ärvde vi - arvet förpliktigar", also die Aussage "In Erinnerung an all jene, die für Brot, Gerechtigkeit und Freiheit kämpften - was sie gewonnen haben, das haben wir geerbt - Erbe verpflichtet".


Die anderen drei Reliefe beginnen mit der Rede August Palms im Jahre 1882 in Haga, setzen mit dem Brotaufstand von 1917 fort, der nicht nur Arbeiteraufstand war, sondern auch der Beginn einer Frauenbewegung und sie enden mit den gewaltsamen Massenräumungen 1936 in Olskrogen. Sam Westerholm hat mit seinem Werk über 100 Jahre Arbeiterbewegung in Einklang gebracht und zeigt den heutigen Arbeitern Göteborgs, dass sie immer noch für ihre Rechte kämpfen müssen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Dienstag, 4. August 2009

Führungen auf den Spuren der Kriminalromane von Helene Tursten und Åke Edwardson

Zwei der bedeutendsten Verfasser schwedischer Kriminalromane lassen ihre Romanfiguren in Göteborg spielen, lassen sie in der Stadt einkaufen, dort ihren Kaffee trinken und in Gebäuden der Stadt leben. Die Kriminalromane von Helene Tursten und Åke Edwardson zeigen das moderne Göteborg, auch wenn die Handlungen erfunden sind und die Hauptfiguren nie in der beschriebenen Atmosphäre anzutreffen waren.


Im August dieses Jahres haben nun die Besucher Göteborgs erstmals die Möglichkeit den Spuren der Hauptfiguren der Romane, Irene Huss und Erik Winter, zu folgen. Margareta Björklund führt die Teilnehmer der Krimiwanderungen bei Sonne und Regen mit viel Sachverstand durch die Strassen, die die Helden der Romane Feuertanz oder Tanz mit dem Engel ebenfalls durchstreiften.


Margareta vergisst bei ihren Erklärungen der deutschsprachigen Führung auch nicht Details, die einen Kriminalroman erst lebendig machen und führt die Teilnehmer selbst zu einem kleinen Schmuckladen in der Victoriapassage in dem Irene Huss, die Hauptfigur der Romane von Helene Tursten, einen Schmuck kaufte und der im Film zur Kulisse wurde.


Der Krimiwanderer kann auch den Balkon betrachten von dem aus Winter über den Vasaplatsen blickte und auf dem er seine Zigarren rauchte, um dann anschließend auf Kommissar Winters Spuren die Vasagatan entlang zu bummeln oder dem Vasapark einen Besuch abzustatten.


Die Krimiwanderungen, die jeweils am Fremdenverkehrsbüro am Kungsportsplatsen beginnen, enden schließlich am filmischen Hauptkommissariat der Romanfigur Irene Huss in der Tredje Långgatan, gegenüber der Saluhallen Briggen in der Irene Huss und ihre Kollegen im Film immer ihre Pizzas kauften.

Termine und weiterführende Erklärungen in Deutsch bei
Göteborg - Krimiführungen

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 3. August 2009

Fahrzeuge und Transportmöglichkeiten auf Göteborgs Schären

Auf den Schären Göteborgs ist Autoverkehr, außer für Feuerwehr, Krankenversorgung und ähnlichem grundsätzlich verboten. Der Warentransport wie auch jeder Besuch bei einem Verwandten, der vielleicht 10 km entfernt wohnt, ist daher ein gewisses Problem, das die Bewohner der Schären auf ihre Weise gelöst haben.


Die meisten Inseln akzeptieren als Fahrmöglichkeit dreirädrige Mopeds und Golfwagen, die dann sowohl zum Transport von Möbeln benutzt werden, aber mit denen auch die Kinder zum Kindergarten gebracht oder Gäste von der Fähre abgeholt werden.


Die Mehrheit der Inseln vor Göteborg erlauben auch noch Fahrräder als Transportmittel, wobei einige dieser "Drahtesel" sogar noch auch aus den 30er und 40er Jahren stammen und fast ein Jahrhundert unbeschadet überstanden haben. Fußgänger sieht man auf den Schären vor allem während der Sommermonate, denn die Mehrheit der Inselbewohner geht nur mit dem Hund zu Fuß.


Eine der kleineren Inseln der südlichen Schären erlaubt jedoch weder Fahrräder noch irgendeine Art motorisierter Fahrzeuge. Auf Köpstadsö gibt es daher zwangsweise ausschließlich Fußgänger und, für den Warentransport, Schubkarren. Diese Schubkarren gehören zum meist fotografierten Objekt der Insel, wobei sie jedoch nicht für jedermann zur Verfügung stehen, denn jede einzelne Schubkarre am Hafen gehört zu einem bestimmten Haus der Schäreninsel.


Und dann gibt es noch eine Insel, die trotz ihrer historischen Bedeutung, einem kleinen Museum und einem zu besichtigenden Leuchtturm kaum erreichbar ist, vorausgesetzt man besitzt kein eigenes Boot. Vinga, die Insel Evert Taubes und das Symbol der Heimkehr für jeden Seemann bleibt daher für viele Touristen unnahbar. Verkehrsmittel gibt es dort selbstverständlich nicht.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Sonntag, 2. August 2009

Carl Milles und seine Skulpturen in Göteborg

Carl Milles, eigentlich Carl Emil Wilhelm Andersson, wurde 1875 in Lagga geboren und starb 1955 in Lidingö. Carl Milles war vor überall in Europa aktiv und wurde in Paris von den Skulpturen Rodins inspiriert. Während der Weltausstellung in Paris erhielt er für seine Werke eine Silbermedaille und in Paris änderte er auch seinen Familiennamen von Andersson zu Milles, unter dem er weltweiten Ruhm erlangte.


In Göteborg errichtete Milles das Monument, das heute ein Symbol der Stadt ist und zum 300jährigen Museum der Stadt geplant war. Seine Werke findet man jedoch in Göteburg in mehreren Teilen der Stadt und selbst im Kunstmuseum befinden sich mehrere Skulpturen von Milles, unter anderem der Indianerhuvud in Onyx.


Jeder Besucher Göteborgs betrachtet an einem oder anderen Moment den Poseidonbrunnen von Carl Milles am Götaplatsen, am Fuße des Konstmuseum, von dem aus Poseidon, der Wassergott, seinen Blick über die Avenyn schweifen lässt. Weitaus weniger Besucher richten ihre Blicke dabei auch in die Höhe um zwei weitere Werke des Skulpteurs Carl Milles zu betrachten.


Vor dem Kunstmuseum findet man nämlich auch die Tänzer (Danserskorna), die Carl Milles 1915 schuf, 1923 dem Kunstmuseum Göteborgs geschenkt wurden und ihren heutigen Platz im Jahre 1952 fanden. Aber hier steht auch eine Kopie der Skulptur Vingarna (die Flügel), die Carl Milles 1910 fertig gestellt hat und die 1916 nach Göteborg kam.


Zwei weitere bedeutende Skulpturen sind die Najaden, deren Original sich im Botanischen Garten Göteborgs befindet, die Kopie davon im Keillers Park. Und schließlich kann man am Kvilletorget in Lundby noch die Bronzeskulptur Susanna med snäcka, Susanne mit der Muschel, betrachten. Drei Skulpturen, die eine enge Beziehung zu Wasser haben.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 1. August 2009

Hafenfest (hamnfest) auf der Schäreninsel Donsö bei Göteborg

Donsö ist mehr bekannt für seine Natur und die Anzahl der Öltanker, die dort ihren offiziellen Standort haben, auch wenn keiner der Tanker je im kleinen Hafen der Insel anlegen kann. Weniger bekannt ist die Schäreninsel bei Göteborg für sein Hafenfest, das jedes Jahr am ersten Samstag des Monats August stattfindet.


Dieser Samstag steht ganz im Zeichen von Donsö und die Gesamteinnahmen des Festes gehen an den Sportverband der Insel in den südlichen Schären. Auf der "Marknadsgata" bieten Einwohner der Insel teils in ihren Seebuden, teils auf Tischen, die unterschiedlichsten handwerklichen Produkte an und verkaufen Lose bei denen der Gewinn selbst gebackene Kuchen oder von den Fischern gefangene Krabben sind.


Eine Attraktion Donsös ist an diesem Tag der Trödelmarkt, der pünktlich um zwei Uhr geöffnet wird und dem Ansturm der Besucher kaum gewachsen ist. Bettgestelle können hier für 10 Euros erworben werden, ganze Tafelservice für 30 Euros und Bücher gibt es für 50 Cents. Hier findet man zwischen Fernsehgeräten, Lampen, Eierbechern, Kerzenhaltern oder alten Dosen alles, was das Herz begehrt. Alle Artikel werden von Bewohnern der Insel dem Sportverband geschenkt, der dann die Einnahmen vor allem für seine Jugendarbeit einsetzt.


Nachdem größere Artikel kaum mit der Fähre transportiert werden können, befinden sich die Käufer der schwereren und unhandlicheren Artikel in der Regel auf Donsö oder der mit einer Brücke verbundenen Nachbarinsel Styrsö - oder besuchen die Insel an diesem Tag mit einem eigenen Boot. Da auf Donsö Autoverkehr nicht zugelassen ist, wird die Fracht auf eines der inseltypischen Fahrzeuge verfrachtet und auf diese Weise nach Hause transportiert.


Der Abend gehört den Musikgruppen der umliegenden Inseln, die die Besucher bis morgens um ein Uhr unterhalten. Am Nachmittag, wenn eine zweite Bühne für die Abendvorstellung vorbereitet wird, findet auf der ersten Bühne eine besondere Attraktion Donsös statt. Kinder der Insel singen Lieder bekannter Künstler und zeigen was Sechs- bis Zwölfjährige auf einer Bühne leisten können.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin