Samstag, 25. Dezember 2010

Kalle Anka und Julgröt in Schweden

Weihnachten ist in Schweden von zahlreichen modernen und alten Traditionen umgeben, die man erleben muss um sie zu verstehen. Hinzu kommt, dass viele Traditionen heute in den verschiedensten Regionen des Landes abgewandelt werden und selbst jede Familie noch Variationen unterbringt. Einige Traditionen reichen jedoch weit in die vorchristliche Zeit Schwedens zurück und werden heute nur der Gegenwart angepasst.


Eine dieser Traditionen ist das Essen von Reisbrei (Risgrynsgröt) am Heiligen Abend, der auch als Weihnachtsbrei und Wichtelbrei bekannt ist. In manchen Regionen isst man ihn bereits zum Frühstück, an anderen erst nach dem traditionellen Weihnachtsessen. Zu dieser Weihnachtsbrei (Julgröt), der nur wenig mit dem deutschen Reisbrei zu tun hat, gehören mehreren Riten, zum Beispiel dass man im Tomtegröt (Wichtelgröt) eine geschälte Mandel versteckt. Der Finder der Mandel wird sich im nächsten Jahr verheiraten. Wird der Brei am Heiligen Abend aufgegessen, so bringt dies im nächsten Jahr Unglück und vergisst man dem Hauswichtel am Abend eine kleine Schale mit Julgröt vor die Tür zu stellen, so wird er Haus und Grundstück im folgenden Jahr nicht sonderlich bewachen.


Das typische Weihnachtsessen Schwedens weicht ebenfalls in ganz Schweden etwas voneinander ab, schließt aber immer gewisse Gerichte ein, die Schweden auf der ganzen Welt zubereiten oder importieren. Es handelt sich dabei nicht nur um den Weihnachtsschinken, der viele Besucher Schwedens imponiert, sondern es gehören auch eingelegter Hering und die kleine Prinskorv (Prinzenwurst) hinzu, die nachweislich bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Schweden vorkam und deren Namen seit 2002 in Schweden geschützt ist. Die Salate, Sülzen, Leberpastete, Lutfisk (Laugenfisch) oder Strömming (saurer Strömling) sind dann bereits wahlfrei, haben aber alle eine bestimmte Funktion und Tradition in Schweden.


Eine Tradition, die Schweden mit der Verbreitung des Fernsehens erreichte, ist die Sendung Kalle Anka (Donald Duck) am Nachmittag des Heiligen Abends. Diese Sendung wird seit dem Jahr 1960 jedes Jahr zur gleichen Zeit gesendet, wobei der Inhalt nur in wenigen Details ändert. Diese Sendung gehört zu den meist gesehenen Sendungen des Schwedischen Fernsehens und versammelt jedes Jahr über drei Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen. Nur Kinder unter zehn Jahren zeigen weniger und weniger Interesse an den klassischen Zeichentrickfilmen Disneys.


Auch der Weihnachtsmann mit seinen Geschenken kam erst Ende des 19. Jahrhunderts nach Schweden und versuchte damit den Weihnachtsbock zu verdrängen, was nur teilweise gelang, da der schwedische Weihnachtsbock nicht nur in zahlreichen Märchen Schwedens vorkommt, sondern auch vielschichtige Traditionen im ganzen Land mit sich bringt, die auch heute noch weiterleben. Erst die Novelle „Lille Viggs äventyr på julafton“, das Viktor Rydberg 1871 veröffentlichte, brachte den heutigen Weihnachtsmann in die schwedischen Häuser, aber bereits das Wort Julklapp (Weihnachtsgeschenk) geht noch auf den Weihnachtsbock zurück.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Kommentare:

  1. Für mich gehört neben Schinken, Laugenfisch, Lachs, Aal und Heringen auch der Grünkohl zum Weihnachtstisch.

    Ich bereite den Kohl als "långkok", im "skinkspad" gekocht, zu. Weiss leider nicht wie das auf deutsch heisst.

    Grünkohl-långkok und Zubereitung des Laugenfischs habe ich von meiner Grossmutter gelernt.

    Ich bin zwar in Deutschland aufgewachsen, habe aber fast jedes Weihnachten in Schweden bei meinen Grosseltern verbracht.

    Die Verwandten meines Vaters waren während des Krieges gestorben, also hatte ich nur die Familie meiner Mutter, die auf Hisingen in Göteborg aufgewachsen war.


    Einmal im Monat schreibe ich eine Kolumne in der "Mölndals-Posten". Die gibt es leider nicht online, aber hier ist meine letzte vor Weihnachten:

    http://chschickhardt.blogspot.com/search/label/MinaKr%C3%B6nikor

    Unter anderem rufe ich dort die Menschen auf, doch endlich die Ente (Donald Duck) in den Ofen zu legen.

    Wünsche Dir ein Frohes Neues Jahr, Gott Nytt År!

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  2. Ich werde bei Gelegenheit einen gesamten Artikel über das Weihnachtsessen schreiben (bei goteborg-online.com), wo auch Grünkohl und Äggost mit eingehen, denn eigentlich gehört ja eine Menge mehr zu Weihnachten als ich hier im Blog schreibe, wie Du sicher auch weisst.

    Dann kommen natürlich noch die Regionen dazu, denn meine Verwandtschaft in Umeå kann z.B. ohne Strömming kein Weihnachten feiern, worauf ich jedoch verzichten kann.

    Ich schreibe zwar auf Deutsch, lebe und arbeite aber ausschliesslich in schwedischem Milieu. Weihnachten habe ich mit Familie auf Donsö verbracht.

    Kalle Anka wird vermutlich nicht so schnell gebraten, da ja wieder 3,3 Millionen Zuschauer gerechnet wurden. Ich habe selbst so etwa 10 Minuten gesehen, wobei ich nicht weiss zum wievielten Mal, aber etwa die Hälfte meiner Verwandtschaft kann sich von der Ente nicht lösen. Nur die Kleinen interessieren sich nicht dafür.

    Ich wünsche Dir auch God Fortsättning och Gott Nytt År!

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