Freitag, 11. Dezember 2009

Weihnachtsmarkt am Frölunda Torg in Göteborg

Während die meisten Weihnachtsmärkte Göteborgs sehr zentral liegen und dadurch ein grosses Publikum anziehen, sollte man jedoch den Weihnachtsmarkt am Frölunda Torg nicht ganz vergessen, da gerade der Frölunda Torg so manche Attraktion bietet, die man bei anderen Weihnachtsmärkten etwas vermisst, nämlich weihnachtliche Veranstaltungen.


Auch wenn man am Frölunda Torg nicht die gleiche Anzahl an Ständen findet wie beim Weihnachtsmarkt in Haga oder jenem im Kronhuset, so versuchen die Händler hier dennoch die ganze Breite an Weihnachtsangeboten zu decken, auch wenn auch hier, wie bei allen Weihnachtsmärkten in Göteborg, das Kunsthandwerk etwas dominiert.


Bedeutende Kunsthochschulen wie Valand und die Hochschule für Design und Kunsthandwerk (HDK) hinterlassen nun einmal ihre Spuren. Absolventen suchen häufig eine Nische und schaffen sehr persönliche Werke, die man in so grosser Auswahl nur bei den Göteborger Weihnachtsmärkten findet.


Auch wenn man beim Weihnachtsmarkt am Frölunda Torg einen Teil der üblichen Produkte eines üblichen Weihnachtsmarkts findet und gebrannte Madeln wie andere Süßigkeiten zum Programm gehören, so findet man jedoch auch einen Stand mit den unterschiedlichsten Weihnachtsmännern. Hier findet man Stein-Weihnachtsmänner mit seinem Namen, Schmuseweihnachtsmänner, Weihnachtsmänner für den Christbaum, schwebende Weihnachtsmänner und andere Varianten dieses legendären Geschöpfs.


Der Weihnachtsmarkt in Frölunda Torg gehört jedoch zu den wenigen Weihnachtsmärkten Göteborgs, die auch mehrmals während der Weihnachtswochen zu weihnachtlicher Livemusik einladen (auf dem Foto das Kjerstadius Quartett), wo die Luciakandidatinnen auftreten und andere Attraktionen die Besucher unterhalten. Hier findet man auch einen Stand wo gegen eine geringe Gebühr Weihnachtspakete kunstvoll eingeschlagen werden.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Der Löwe des Göteborger Wappens

Der Löwe ist in der Heraldik eines der häufigsten Wappentiere. Mit seiner königlichen Ausstrahlung drückt er Mut aus und wird gerne als Verteidiger einer Stadt gesehen. Kein Wunder daher, dass auch Göteborg mit seiner Geschichte den Löwen als Wappentier gewählt hat. Nicht zuletzt war der Löwe im 17. Jahrhundert auch das Wappentier des Götalands.


Das Wappen Göteborgs beinhaltet zum einen den Löwen, der sein Schwert dem Feind entgegen hält und ein Verteidigungsschild mit den drei schwedischen Kronen trägt. Und in der Tat war Göteborg über Jahrhunderte hinweg das Verteidigungsschild ganz Schwedens, denn die Mündung des Göta Älvs war der einzige Zugang Schwedens zum Meer und damit den anderen Ländern, ein Zugang, der ständig gegen Dänemark verteidigt werden musste.


Der Löwe des Göteborger Wappens hat jedoch eine Besonderheit, dessen Urprung unbekannt ist. Man nimmt an, dass es sich dabei um einen Irrtum handelte, obwohl dadurch die Bedeutung des Löwens in Zweifel gestellt wird. Um den Angriff und die Verteidigung auszudrücken geht ein heraldischer Löwe immer nach links. Der Göteborger Löwe jedoch geht nach rechts aus dem Wappen, was im Grunde die Flucht ausdrückt.


Natürlich mussten die Göteborger im 15. und 16. Jahrhundert häufiger die Flucht ergreifen als angreifen, aber dies auf einem Stadtwappen auszudrücken wäre doch etwas ungewöhnlich. Heute findet man den „fliehenden Löwen“ auf zahlreichen Kunstwerken Göteborgs, angefangen von der Gustav II Adolf Statue am Gustav Adolf Torg bis zu den künstlerischen Straßenlampen am Brunnsparken oder dem künstlerischen Wappen über dem Eingang des Stadshuset.


Wer durch Göteborg spaziert wird den Göta lejon in allen Formen und nahezu überall entdecken, sehr häufig auch in andere Kunstwerken oder Bauten integriert. Bis der Göteborger Löwe jedoch auch ein einheitliches Bild auf den Schriftstücken der Stadt bekam, mussten rund 400 Jahre seit der Stadtgründung vergehen, denn erst im Jahre 2002 entstand ein einheitliches Logo, das nun auf allen städtischen Dokumenten gleich aussieht.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Die Tuchweberei Remfabrik im Göteborger Stadtteil Gårda

Gårda war während des 20. Jahrhunderts das Fabrikgebiet Göteborgs. Heute findet man dort nur noch einen einzigen Zeugen dieser Zeit, nämlich die Tuchweberei Remfabrik, die sich nach der Schließung im Jahre 1977 zum bedeutendsten Industriemuseums Skandinaviens entwickelte in dessen Räumen die Zeit still stand. Noch heute sehen die Räume und Maschinen aus wie vor 100 Jahren.


Die Göteborger Remfabrik wurde bereits im Jahre 1891 gegründet, wobei das Holzgebäude jedoch schon neun Jahre später bis auf die Grundmauern niederbrannte und dann vom heutigen Ziegelgebäude ersetzt wurde. Bis 1914 arbeitete die Fabrik ausschließlich mit Dampfkraft, wobei der vorbeifließende Mölndalsån zum Transport der notwendigen Kohle diente.


Im Jahre 1914 wurde die Göteborger Remfabrik dann elektrisiert und modernisiert, wodurch auch bedeutendere Webarbeiten möglich wurden wie die Herstellung von Transportbändern für Backmaschinen. Das Fabrikmuseum, das man heute besichtigen kann, entspricht in etwa dem Stand dieser Zeit. Sämtliche Maschinen und Geräte der Remfabrik werden einmal im Monat von früheren Angestellten des Unternehmens und deren Freunde unterhalten.


In der Weberei Remfabrik in Göteborg wurden von Beginn an Riemen hergestellt, die für den Antrieb zahlloser Maschinen des 20. Jahrhunderts nötig waren. Da diese Riemen einem ständigen Verschleiß ausgesetzt waren und häufig ersetzt werden mussten, war der Betrieb bis zu den 50er Jahren eine wahre Goldgrube. Die Weberei in Göteborg verarbeitete vor allem Baumwolle und Kamelhaar.


Das Museum Remfabrik hat mittlerweile auch einige andere alten Industriemaschinen des letzten Jahrhunderts erworben, die im Erdgeschoss ausgestellt werden. Mitglieder des Remfabrik-Vereins bieten während der Öffnungszeiten eigene Webprodukte wie Handtücher, Kissen, Zierbänder und andere handwerkliche Produkte zum Kauf an. Im Dezember findet in der Remfabrik an einem der Samstage ein Weihnachtsmarkt statt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Dienstag, 8. Dezember 2009

Weihnachtsstadt Göteborg mit den Schaufenstern von NK

Am 22. November um 11 Uhr 50 fielen die Vorhänge in den Schaufenstern der Nordiska Kompaniet (NK) in Göteborg um hunderte von wartenden Kindern mit dem Jahresthema Snöriket (Schneereich) zu erfreuen … und zehn Minuten später kam dann auch der Weihnachtsmann auf seiner Pferdekutsche vor dem Haupteingang an bei dem die Kinder wenig später ihre Wunschliste abgeben konnten.


Mit diesem Ereignis, bei dem auch die Schneekönigin und mehrere Tiere des Nordens teilnehmen, (mit Hilfe der Theaterkostüme) wird eine lange Tradition der Nordiska Kompaniet weitergeführt, dem ersten Kaufhaus Schwedens, das weihnachtliche Schaufenster einführte. Jedes Jahr wird in sechs Schaufenstern ein Weihnachtsmärchen aufgebaut auf das Jung und Alt schon Tage davor warten.


Mit dieser Aktion trägt die Nordiska Kompaniet jedes Jahr einen Beitrag, der die Weihnachtsstadt Göteborg um eine weitere Attraktion bereichert. Auf jedem der Schaufenstern wird ein Teil der diesjährigen Weihnachtsgeschichte erzählt, während die Figuren hinter den Scheiben, mechanisch angetrieben, einer Aktion nachgehen und nicht nur simple Staffage zur Geschichte sind.


Das diesjährige Thema Snöriket, Schneereich, wurde in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum erarbeitet, wobei vor allem die Fauna und Flora des hohen Nordens als Anregung dienten. Um diese Tiere und Pflanzen Schwedens kreist auch die Geschichte der Schneekönigin, die vom 1. Oktober bis zum 24. Dezember spielt.


Die sechs Schaufenster der Nordiska Kompaniet haben im Jahre 2009 die Themen „Der Palast der Schneekönigin“, „Das Gebirge“, „Die Küste“, „Der Wald“, „Der Bauernhof“ und „Die Stadt“. Wir folgen der Schneekönigin, die für den winterlichen Schnee und die Eisflächen zuständig ist, bis zu ihrem Treffen mit dem Weihnachtsmann am 24. Dezember, auch wenn die Arbeit der Schneekönigin dann noch einige Zeit weiter geht.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 7. Dezember 2009

Jüdisches Leben in Osteuropa bis zur Befreiung im Emigranternas Hus in Göteborg

Bis zum 15. Januar 2010 findet im Emigranternas Hus in Göteborg eine Ausstellung statt, die das Leben der osteuropäischen Juden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs aufzeigt. Mit dieser Ausstellung wird zum ersten Mal der Holocaust von mehreren Seiten beleuchtet und zeigt nicht nur Deportation und Gewalt.


Die Ausstellung A Century of Jewish Memory im Emigranternas Hus basiert auf der Arbeit Centropas, die 1262 Juden in 15 Ländern interviewten, die alle Zeitzeugen der jüdischen Verfolgungen während der Nazizeit waren und Centropa 22.600 private Fotos zur Verfügung stellten, die alle Aspekte des jüdischen Lebens in Osteuropa bis zur Öffnung der Grenzen im Jahre 1989 dokumentieren.


Nur die Zusammenarbeit der Botschaften in Ungarn, Polen, Tschechien, Slovenien, Slovakien und Österreich machte es möglich, die Ausstellung A Century of Jewish Memory ins Emigranternas Hus nach Göteborg zu bringen, wo den Besuchern eine Art dokumentiertes Fotoalbum vorgestellt wird, eine 100-jährige Geschichte in Wort und Bild.


Die meisten Personen, die man auf den ausgestellten Fotos sehen kann haben den Holocaust nicht überlebt und die Ausstellung im Emigranternas Hus kann daher nur persönliche Erinnerung wiedergeben, anhand von gut dokumentierten Fotos. Der Besucher findet all diese Personen während ihren Ferien, in der Schule oder am Arbeitsplatz und kann sich damit ein Bild machen wie das Leben all dieser Menschen vor den Verfolgungen aussah.


Aber man findet auch die Geschichten jener Juden, die verschleppt und grausam getötet wurden und Berichte von jenen, die mit falschen Pässen überleben konnten, die sie auch von Schweden wie Raoul Wallenberg, der selbst in Ungarn verschwand, erhielten. Die Ausstellung, die in Englisch und Schwedisch geboten wird ist eines der bedeutendsten Gegenwartsdokumente, die jeder Europäer kennen sollte um kommenden Generationen ein ähnliches Schicksal zu ersparen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Bildtafeln: Centropa

Sonntag, 6. Dezember 2009

Pfefferkuchenhäuser in Göteborg, Ausstellung im Gothia Tower

In sehr vielen Ländern gehören Pfefferkuchenhäuser zur weihnachtlichen Tradition. Während die meisten deutschen Pfefferkuchenhäuser als Hexenhäuser mit Hänsel und Gretel bekannt wurden, sind schwedische Pfefferkuchenhäuser oft wahre Kunstwerke. An vielen Orten finden im Dezember auch bekannte Wettbewerbe statt bei denen das schönste Pfefferkuchenhaus prämiert wird.


Während heute viele Schweden ihr Pfefferkuchenhaus bereits vorbereitet kaufen und nur noch für das Zusammenkleben und die Dekoration sorgen müssen, kaufen andere für ihre Kinder nur vorbereiteten Teig, aus dem dann an an einem gemeinsamen Nachmittag ein Pfefferkuchenhaus entsteht. Für Wettbewerbe muss jedoch auch der Teig selbst bereitet werden und die Konstruktion des Gebildes kann mehrere Tage in Anspruch nehmen.


Einige der schönsten und aufwendigsten Pfefferkuchenhäuser Schwedens kann man in Göteborg in der Vorweihnachtszeit in der Hotelhalle des Hotels Gothia Tower bewundern. Zum sechsten mal prämieren hier das Restaurant Incontros und das Hotel Gothia Tower das schönste Pfefferkuchenhaus, wobei jeder, der sich zu dieser Zeit in Göteborg befindet im Atrium des Hotels seine Stimme abgeben kann.


Ein Pfefferkuchenhaus, das auch ein Chance haben will, besteht jedoch nicht nur aus dem Gebäude, sondern integriert es in eine entsprechenden Landschaft mit Bäumen, Tieren und Pfefferkuchenmenschen aus Lebkuchenteig oder Marzipan. Während voriges Jahr die Attraktion eine Berg- und Talbahn war könnte dieses Jahr der Weihnachtsmann auf der Toilette eine gewisse Chance haben das Rennen zu machen.


Aber die Ausstellung, die bis zum 7. Januar besteht, hat nicht nur das Ziel die Feskekôrka, eine Windmühle, ein Märchenschloss und andere Gebilde aus Pfefferkuchen zu zeigen, sondern dient auch einem guten Zweck, denn neben der Ausstellung findet man den Sack des Weihnachtsmannes, der bis zum 14. Dezember mit Spenden gefüllt wird, die dann Kinder von Frauenhäusern und Kinderheimen in Göteborg zu Weihnachten erfreuen werden.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 5. Dezember 2009

Weihnachtsmarkt in der alten Remfabrik in Göteborg

Einmal in der Vorweihnachtszeit findet in Göteborg ein besonderer Weihnachtsmarkt statt. Für nur einige Stunden öffnet dann die alte Remfabrik (Riemenfabrik) und bietet inmitten alter Maschinen Heimarbeitern die Möglichkeit in drei Räumen einen Weihnachtsmarkt zu veranstalten, der sich von anderen Weihnachtsmärkten der Stadt in vielen Punkten unterscheidet.


Neben Maschinen aus dem 19. Jahrhundert findet man an den Ständen gestrickte Mützen, Handschuhe oder Pullis, aber auch handwerklich gewebte Handtücher und Bänder höchster Qualität die noch im vorigen Jahrhundert überall ihren Platz hatten. Heute gibt es immer weniger Personen, die diese Arbeiten noch verrichten können und noch weniger Orte wo sie diese Produkte verkaufen können.


An anderen Ständen des Weihnachtsmarkts in der Remfabrik findet man handgegossene Kerzen, drahtgeflochtene Dekorationsgegenstände, Bücher, die über den Stadtteil Gårda geschrieben wurden, dem früheren Fabrikgebiet Göteborgs, und selbst gemachten Schmuck, wie man ihn heute kaum noch findet.


Während des Weihnachtsmarkts kann man einigen der künstlerischen Heimarbeitern auch über die Schulter sehen, die den Besuchern gerne erklären wie ein Haarband, ein Schmuckstück oder ein anderer Gegenstand des Weihnachtsmarktes hergestellt wird. Beim Weihnachtsmarkt in der Remfabrik wird man weniger als Besucher behandelt als vielmehr als Mitglied einer Gemeinschaft, die alte handwerkliche Fertigkeiten noch zu schätzen weiß und nicht sterben lassen will.


Wer bei der Besichtigung des Weihnachtsmarkts in der Remfabrik in Gårda Hunger verspürt, findet hier auch selbst gebackene Lussekatter, Pfefferkuchen und Hefezopf mit Glögg, Kaffee, Tee oder Saft. Und für den kleineren Hunger kann man an einigen der Ständen auch frisch gebackene Weihnachtsplätzchen oder andere Süßigkeiten zu sehr günstigen Preisen erwerben.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin