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Sonntag, 26. September 2010

Buchmesse in Göteborg, Autoren und Leser

Die schwedische Buchmesse in Göteborg hat nicht die gleiche Funktion wie jene in Frankfurt. Die Besucher strömen zur Messe wegen der rund 3000 Lesungen und Diskussionen, sie wollen ihre Autoren reden hören und einige Worte mit ihnen wechseln können und sie wollen vor allem auch Bücher kaufen. Da es in Schweden keine Preisbindung gibt, werden auf der Buchmesse Bok & Bibliotek Bücher mit Rabatten von bis zu 50% verkauft, was einen gewaltigen Umsatz im Buchmarkt verursacht. Allein nach einem 20-minütigen Seminar von Erica Jong konnte der Verlag innerhalb von 15 Minuten über 400 Hardcover der Autorin verkaufen, die Erica Jong unmittelbar signierte.

Lill Lindfors

Während nahezu alle schwedischen Autoren, die eine Neuerscheinung vorweisen können, während der vier Tage Vorträge halten und mit dem Publikum diskutieren, wird es sich auch kein anderer skandinavischer Autor nehmen lassen mindestens einen Tag auf der Messe zu verbringen und sich unter die Masse mischen. Aber auch jeder bedeutende Schauspieler oder zahlreiche Politiker Schwedens werden präsent sein und damit die Buchmesse zu einem Ereignis machen, das weit über den reinen Buchmarkt hinausgeht und bereits zu einem Event wird.

Anna Jansson

Auch wenn das Leitthema der diesjährigen Göteborger Buchmesse Afrika war, so bedeutet dies nicht, dass der Besucher nur schwedische und afrikanische Autoren zu sehen und zu hören bekam. Auf zahlreichen Bühnen wurden auch humanitäre und politische Themen mit Politikern, Frauenrechtlern und Fachkräften der unterschiedlichsten Bereiche diskutiert und bei Seminaren und Lesungen konnte man Verfassern der ganzen Welt nahe kommen. Umso bedauerlicher ist es, dass die deutschen Buchverlage bisher nicht erkannt haben wie wichtig es in Schweden ist Autoren in den Vordergrund zu setzen und nicht nur das Produkt Buch.

Stefan Sauk

Nahezu im Non-Stop-Verfahren finden sich an den schwedischen Ständen die bedeutendsten Autoren des Landes ein um über ihre persönliche Arbeitsweise zu reden, ein aktuelles Thema zu diskutieren und dabei auch für das jüngste Buch Werbung zu machen. Autoren wie Anna Jansson, Åke Edwardson, Håkan Nesser oder Jan Guillou verkaufen während der Messe grundsätzlich hunderte ihrer Bücher in wenigen Minuten nach ihrer Diskussion, die dem Besucher auch den Menschen hinter den Büchern zeigt und nicht nur ein losgelöstes literarisches Werk.

Jan Guillou

Auch wenn es keine offiziellen Zahlen zum Buchverkauf während der Göteborger Buchmesse gibt, so kann man davon ausgehen, dass während der vier Messetage über 500.000 Bücher verkauft werden, wobei so mancher Besucher der Messe jeden Tag mit drei Tüten oder Taschen die Räume verlässt und es sich bei über der Hälfte der verkauften Bücher um Hardcover handelt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Freitag, 25. September 2009

Bok & Bibliotek, mehr als nur eine Buchmesse in Göteborg

Während in den meisten Buchmessen der Welt vor allem Vertreter eines Verlages Bücher vorstellen und daher ein geistiges Werk in dritter Hand präsentieren geht die Göteborger Buchmesse einen anderen Weg. So sind unter anderem über 500 schwedische Autoren auf der Buchmesse vertreten, die nicht nur Papier sprechen lassen, sondern auch persönlich ihre Werke vorstellen.


Ein Buch, bei dem auch der Autor zum „anfassen“ ist und der sein letztes Werk öffentlich vorstellt verliert die Unpersönlichkeit und kann daher einen Leser auf ganz andere Weise fesseln als ein Werk, das nur über Rezensionen verherrlicht oder zerrissen wird. Bei Bok & Bibliotek erfährt man die Hintergründe eines Buches und erfährt die Motivation des Autors, was einem Buch Leben einhaucht.


Wer zum Beispiel aus dem Munde Rosa Monteros erfährt, dass sie ihr erstes Buch als „Jugendsünde“ betrachtet wird es auf andere Weise angehen als ohne diese Information. Und wer ihre Einstellung zum Schreiben kennt, die sie mit „escribir es tan intensa como amar“ beschreibt, kann die Stärke ihrer Worte erfassen, einer Frau, die sagt, dass sie während der Aktion des Schreibens immer zwischen zwei Welten verkehrt und vom Schreiben von eines „pasión“ spricht.


Und selbst ein Jugendbuch wie De starkare von Ingmar Frimansson versteht man besser wenn man aus ihrem Mund hört, dass sie das Buch gar nicht schreiben wollte sondern der Anlass ein Preisausschreiben einer Zeitung war, sie aber vom Thema so gefangen wurde, dass sie nach Ende der Ausschreibung ihre eigene Version über jugendlicher Einwanderer schreiben musste, die von Zusammenprall zweier Kulturen spricht. Und es wird von Bedeutung, dass ein Haus, an dem sie täglich vorbeiging und in dem Immigranten untergebracht waren abbrannte, wie jenes, das sie in ihrem Buch abbrennen ließ.


Und selbst ein historischer Roman von Jan Guillou bekommt eine andere Form wenn man ihn über Geschichte und sich selbst reden hört. Nachdem man ihm 20 Minuten am Stand der Buchmesse in Göteborg gelauscht hat beginnt man sich eine Meinung über den Autor zu machen und sieht seine Bücher nicht mehr losgelöst von seiner persönlichen Denkweise sondern beginnt sie von seiner Warte aus zu sehen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin