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Donnerstag, 23. September 2010

Eröffnung der Buchmesse Bok & Bibliotek in Göteborg

Nachdem das Thema der diesjährigen Göteborger Buchmesse Bok & Bibliotek der Literatur Afrikas gewidmet ist, war es auch eine Selbstverständlichkeit, dass die Messe diese Aussage bereits bei der offiziellen Eröffnung als Leitlinie betrachtete und einige der afrikanischen Gäste bei den Festlichkeiten eine wichtige Rolle spielen.

Dobet Gnahoré

Obwohl die Eröffnung in einem Nebenbau des Messegebäudes statt fand, war der Raum bis zum letzten Platz gefüllt als die Sängerin und Musikerin Dobet Gnahoré aus der Elfenbeinküste vor dem Publikum sang und ihren Gesang mit afrikanischen Instrumenten begleitete. Selbst wenn nur eine Minderheit des Publikums die Texte verstehen konnte, so waren dennoch alle Zuschauer von der Kraft und der melodiösen Stärke dieser Sängerin beeindruckt.

Lena Adelsohn Liljeroth

Nach der Einleitungsrede von Anna Falck, der Geschäftsführerin von Bok & Bibliotek, einleitenden Worten der schwedischen Kultusministerin Lena Adelsohn Liljeroth und der Hervorhebung der Entwicklung der afrikanischen literarischen Kultur von Carin Norberg, der Leiterin des Nordischen Afrikainstitutes wurde der nigerianischen Schriftstellerin Sefi Atta während der Eröffnung der Buchmesse der afrikanische Buchpreis Noma Award verliehen, eine der höchsten afrikanischen Auszeichnungen für Schriftsteller.

Sefi Atta

Nach dem Ergebnis der schwedischen Wahlen bei denen es der extrem rechten Partei des Landes gelang in den Reichstag zu kommen, war es nicht verwunderlich, dass bei mehreren Reden zur Eröffnung der Buchmesse 2010 auch einige Worte zu Vorurteilen, die man in der Literatur bereits überwunden hat, zur Sprache kamen. Sefi Atta stellte bei Ihrer Rede die Rolle von Internet für afrikanische Literaten hervorhob, das es ermöglichte, die afrikanische Literatur zu verbreiten und zu befreien.


Sefi Atta, die heute in den USA lebt, eröffnete dann auch offiziell die Buchmesse, indem sie das Logo der Buchmesse Bok & Bibliotek wie eine Geburtstagstorte entflammte. Auch wenn dieser Gedanke von der Idee her positiv war, so kann man die in Feuer gesetzten Worte Buch und Bibliothek jedoch auch anders interpretieren, was gerade beim Thema Afrika nicht unbedingt positiv zu bewerten ist.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Sonntag, 27. September 2009

Höhepunkte und Tiefen der Buchmesse in Göteborg

Die Göteborger Buchmesse 2009 war erneut ein Erfolg, auch wenn es scheint, dass viele Länder die Bedeutung dieser Messe bis heute nicht erkannt haben und damit auch einen bedeutenden Zugang zu schwedischer Literatur und schwedischer Kultur verpassen. So mancher Verlag, der hofft auf der Frankfurter Buchmesse sein skandinavisches Glück zu finden hat leider 80% des literarischen Geschehens in Schweden verpasst, nur weil er Göteborg meiden wollte.


Die Buchmesse Bok & Bibliotek in Göteborg ließ auch Frauen zur Rede kommen, die das Buch als Waffe benutzen und politische Missstände dieser Welt aufzeigen. So sprach Parvin Ardalan, die bedeutendste Frauenrechtlerin Irans nicht nur über die letzten Wahlen im Iran, sondern vor allem über die Rolle der Frau im Iran und ihre Rechte. Sie wurde von der Frauenzeitschrift Bang eingeladen, die zur Messe das Heft Fria ord herausgab.


Lydia Cacho aus Mexiko sprach während der Göteborger Buchmesse über ihre Erlebnisse mit Kinderprostitution und der Verknüpfung von Polizei, Politik und Prostitution in Mexiko. Seit sie einen Pedophilenring des Landes auffliegen ließ steht sie unter ständigen Morddrohungen und muss um ihr Leben fürchten, während jene, die für Menschen-Trafficking verantwortlich sind in Luxus leben.


Etwas Besonderes bot sich auch einer anderen Schicht von Frauen. Verfasser von Kochbüchern und Fernsehköche hatten auf der Messe eine komplette Küche eingerichtet in der non-stop bekannte Persönlichkeiten am Herd standen um in life ihre Künste vorzuführen. Diese Veranstaltungen waren im Schnitt ebenso gut von Frauen besucht wie jene, die politische Missstände aufzeigten. Nirgends blieb ein Stuhl leer.

Aber es gab natürlich auch einige Minuspunkte, da, zum Beispiel der Baskische Autor Bernardo Atxaga nur wenige seiner Gedichte selbst lesen konnte und das Gespräch mit ihm nur in englisch ablief, was jedoch verständlich ist wenn man einen Literaturkritiker und Übersetzer die Veranstaltung bestreiten lässt. Besucher, die Bernardo Atxaga hören wollten verließen den Raum teilweise bereits nach 15 Minuten schwedischer Übersetzungen, die von Lasse Söderberg vorgetragen wurden.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 26. September 2009

Finnland bei Bok & Bibliotek 2009, der Buchmesse in Göteborg

In Schweden leben rund 400.000 Bürger mit finnischem Hintergrund. Und auch die Geschichte Schwedens und Finnlands war während der letzten Jahrhunderte eng miteinander verknüpft. Aber auch heute sind noch viele Bereiche des Lebens, vor allem im Norden Schwedens, nur in Zusammenarbeit mit Finnland zu lösen. Kein Wunder also, dass Finnland auch eine bedeutende Rolle bei der 25. Göteborger Buchmesse Bok & Bibliotek einnimmt.


Vor genau 200 Jahren wurden Finnland und Schweden unabhängige Länder. Kein Wunder daher, dass während dieser Buchmesse nun auch zahlreiche Publikation aus Finnland und Schweden zu Schwedisch-Finnischen Themen zu finden sind und zahlreiche runde Tische ebenfalls das Verhältnis und die Entwicklung dieser beider Länder mit so unterschiedlichen Sprachen beleuchten und diskutieren.


Allein am Stand Finnlands finden bis Sonntag 47 runde Tische über historische, politische und gegenwärtige Themen zu Finnland statt. Mehrere Gespräche betreffen die Rolle der Frau in der Entwicklung Finnlands, wobei die Historikerin Anu Lahtinen der Universität in Turku mit ihrem Thema Frauen und ihr Einfluss vor 500 Jahren am weitesten in der Zeit zurückgreift und mit klaren Worten darstellt welche Möglichkeiten die Frauen Finnlands in der Vergangenheit auf Politik und Wirtschaft hatten.


Eine Ausstellung zum schwedischen Tourismus in Finnland in den Vorkriegs- und vor allem den Nachkriegsjahren begleitet Buchpräsentationen und Gespräche zum schwedisch-finnischen Thema. Plakate aus den 50er und 60er Jahren, einige davon vom weltweit bekannten Göteborger Plakatmaler Walter Bjorne, bieten ein deutliches Bild wie von schwedischer Seite aus der Tourismus nach Finnland beworben wurde, was also Finnland für Schweden interessant machte, Vorurteile eingeschlossen.


Einer der parallel veranstalteten runde Tisch mit dem Thema Schweden und Finnland – ein Paar, das sich anstrengt vereinte Literaten, Kritiker und bedeutende Journalisten wie Mark Levengood, Miika Nousiainen, Merete Mazzarella, Jörn Donner und Janina Orlov, die als Finnlandschweden ihr Verhältnis zu Schweden und Finnland diskutierten, so das Problem in Finnland Schwedisch zu sprechen und in Schweden dann Schwedisch für Einwanderer absolvieren zu müssen, obwohl sie nie etwas anderes als Schwedisch sprachen.


Aber auch Sprache und Sprachunterricht von Gestern und Heute ist eine Thema der Göteborger Buchmesse. Am Finnischen Stand nahmen, unter anderem, zwei bedeutende schwedische Politiker an der Diskussion Finnisch in Schweden und Schwedisch in Finnland teil. Maria Wetterstrand, die Sprecherin der schwedischen Grünen, die mit einem finnischen Politiker verheiratet ist spricht z.B. über die Bedeutung der Doppelsprachigkeit von Kindern (auch der eigenen). Beim Gespräch über Sprache kommen natürlich auch sehr kritische Themen zur Sprache, so dass in Finnland auf Grund einer europäischen Verordnung immer weniger Schüler Schwedisch lernen oder dass finnische Einwanderer in Schweden mit ihren Kindern nur Schwedisch reden sollten obwohl sie der Sprache gar nicht mächtig waren.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Freitag, 25. September 2009

Bok & Bibliotek, mehr als nur eine Buchmesse in Göteborg

Während in den meisten Buchmessen der Welt vor allem Vertreter eines Verlages Bücher vorstellen und daher ein geistiges Werk in dritter Hand präsentieren geht die Göteborger Buchmesse einen anderen Weg. So sind unter anderem über 500 schwedische Autoren auf der Buchmesse vertreten, die nicht nur Papier sprechen lassen, sondern auch persönlich ihre Werke vorstellen.


Ein Buch, bei dem auch der Autor zum „anfassen“ ist und der sein letztes Werk öffentlich vorstellt verliert die Unpersönlichkeit und kann daher einen Leser auf ganz andere Weise fesseln als ein Werk, das nur über Rezensionen verherrlicht oder zerrissen wird. Bei Bok & Bibliotek erfährt man die Hintergründe eines Buches und erfährt die Motivation des Autors, was einem Buch Leben einhaucht.


Wer zum Beispiel aus dem Munde Rosa Monteros erfährt, dass sie ihr erstes Buch als „Jugendsünde“ betrachtet wird es auf andere Weise angehen als ohne diese Information. Und wer ihre Einstellung zum Schreiben kennt, die sie mit „escribir es tan intensa como amar“ beschreibt, kann die Stärke ihrer Worte erfassen, einer Frau, die sagt, dass sie während der Aktion des Schreibens immer zwischen zwei Welten verkehrt und vom Schreiben von eines „pasión“ spricht.


Und selbst ein Jugendbuch wie De starkare von Ingmar Frimansson versteht man besser wenn man aus ihrem Mund hört, dass sie das Buch gar nicht schreiben wollte sondern der Anlass ein Preisausschreiben einer Zeitung war, sie aber vom Thema so gefangen wurde, dass sie nach Ende der Ausschreibung ihre eigene Version über jugendlicher Einwanderer schreiben musste, die von Zusammenprall zweier Kulturen spricht. Und es wird von Bedeutung, dass ein Haus, an dem sie täglich vorbeiging und in dem Immigranten untergebracht waren abbrannte, wie jenes, das sie in ihrem Buch abbrennen ließ.


Und selbst ein historischer Roman von Jan Guillou bekommt eine andere Form wenn man ihn über Geschichte und sich selbst reden hört. Nachdem man ihm 20 Minuten am Stand der Buchmesse in Göteborg gelauscht hat beginnt man sich eine Meinung über den Autor zu machen und sieht seine Bücher nicht mehr losgelöst von seiner persönlichen Denkweise sondern beginnt sie von seiner Warte aus zu sehen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 24. September 2009

Bokmässan, die skandinavische Buchmesse in Göteborg

Zum 25. Mal veranstaltet Bok & Bibliotek die Göteborger Buchmesse in der Svenska Mässan Göteborg. Bereits im letzten Jahr konnte die größte Skandinavische Buchmesse während der vier Messetage über 100.000 Besucher zählen. Alles spricht dafür, dass die diesjährige Buchmesse diese Zahl noch übertreffen wird.


Die Veranstalter der Göteborger Buchmesse, Anna und Bertil Falck, präsentieren dieses Jahr nicht weniger als 2300 Programmpunkte und damit mit Sicherheit jedem Buch- und Literaturinteressenten mehr als nur ein Ereignis. Auch wenn Bücher im Vordergrund einer Buchmesse stehen, so kann man jedoch nicht die 442 runden Tische vergessen und die hunderte von Autoren, die an einem oder anderem Moment präsent sind.


Der Schwerpunkt der 25. Göteborger Buchmesse ist Spanien und spanischsprachige Literatur. Nicht nur, dass die spanische Autorin Rosa Montero die Messe mit eröffnen wird, denn während der Buchmesse kann man einige der bedeutendsten Autoren aus Spanien und den spanischsprachigen Ländern persönlich auf dem Messegelände antreffen. Autoren wie Isabel Allende, Guillermo Arriaga, Javiér Marías oder Nuria Amat nehmen selbstverständlich an der diesjährigen Messe teil.


Es ist jedoch kein Zufall, dass gerade dieses Jahr Spanien in den Vordergrund dringt, denn die spanische Sprache und seine Kultur dringen jedes Jahr mehr nach Skandinavien vor. Spanisch wird heute, aus den verschiedensten Gründen, von weitaus mehr Schülern in Schweden gewählt als Deutsch oder Französisch, die früher bei der Sprachwahl in Führung lagen. Spanische Literatur wurde daher ein Bedürfnis für den skandinavischen Markt.


Aber auch wenn spanische und südamerikanische Literatur das Thema der Bokmässan, der Göteborger Buchmesse, ist, so darf nicht vergessen werden, dass auch eine fast unendliche Liste an schwedischen Autoren während der vier Messetage anwesend sein werden und an Diskussionen und runden Tischen teilnehmen. Es gilt als selbstverständlich, dass Autoren wie Kajsa Ingemarsson, Anna Jansson, Inger Frimansson oder Jonas Gardell die Göteborger Buchmesse nicht versäumen wollen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin