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Mittwoch, 30. Dezember 2009

Nya Varvet, die Werft ohne Schiffbau in Göteborg

Der Stadtteil Nya Varvet in Göteborg war, wie Klippan, bereits aktiv bevor die heutige Stadt Göteborg entstand. Da Schiffe vor dem 18. Jahrhundert den Göta Älv nur bis Klippan befahren konnten, war es logisch, dass bis zu dieser Zeit auch nur Nya Varvet und Klippan eine Bedeutung für Schifffahrt hatten.


Aber Schifffahrt zu jener Zeit hieß nicht nur, vor allem ab dem 17. Jahrhundert, Handel zu betreiben, sondern auch die Zufahrt des Göta Älv gegen Dänemark und Norwegen zu schützen. Die Aktivität bei Nya Varvet war daher sowohl im 17. als auch im 18. Jahrhundert eine Mischung zwischen Industrie, Verteidigung und Handel.


Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die die militärische Lage beruhigt, Handel, Industrie und Schifffahrt hatten sich dem heutigen Göteborg genähert, die Verteidigung war in die Schären verlagert worden, so dass Nya Varvet keinerlei größere Bedeutung mehr hatte. Da man zu jener Zeit jedoch Gefängnisse und Arbeitslager in Göteborg benötigte, wurden diese daher nach Nya Varvet verlagert.


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Nya Varvet ein Stadtteil Göteborgs, wobei jedoch die beiden Weltkriege seiner Entwicklung Grenzen setzten, denn sehr schnell mussten hier Marineeinrichtungen geschaffen werden. So wurde Nya Varvet Militärgebiet, wo Torpedos, Wasserminen, Kriegsschiffe und selbst Wasserflugzeuge Platz finden mussten.


Erst ab 1985 wurde Nya Varvet wieder ein Gebiet zum Arbeiten und Wohnen. Aber auch wenn heute etwa 80 Firmen hier angesiedelt sind, eine Hochschule, Hotel und Restaurant am Wasser errichtet wurden, so ist auch heute noch die Schifffahrt von gewisser Bedeutung, denn hier liegen die Lotsenboote, die Schlepper, das Fahrzeug des Wetterdienstes SMHI, Forschungsschiffe und hin und wieder ein Eisbrecher. Auf der gegenüberliegenden Seite ist auch der Endpunkt für alle Öltanker, die Göteborg anlaufen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 7. Dezember 2009

Jüdisches Leben in Osteuropa bis zur Befreiung im Emigranternas Hus in Göteborg

Bis zum 15. Januar 2010 findet im Emigranternas Hus in Göteborg eine Ausstellung statt, die das Leben der osteuropäischen Juden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs aufzeigt. Mit dieser Ausstellung wird zum ersten Mal der Holocaust von mehreren Seiten beleuchtet und zeigt nicht nur Deportation und Gewalt.


Die Ausstellung A Century of Jewish Memory im Emigranternas Hus basiert auf der Arbeit Centropas, die 1262 Juden in 15 Ländern interviewten, die alle Zeitzeugen der jüdischen Verfolgungen während der Nazizeit waren und Centropa 22.600 private Fotos zur Verfügung stellten, die alle Aspekte des jüdischen Lebens in Osteuropa bis zur Öffnung der Grenzen im Jahre 1989 dokumentieren.


Nur die Zusammenarbeit der Botschaften in Ungarn, Polen, Tschechien, Slovenien, Slovakien und Österreich machte es möglich, die Ausstellung A Century of Jewish Memory ins Emigranternas Hus nach Göteborg zu bringen, wo den Besuchern eine Art dokumentiertes Fotoalbum vorgestellt wird, eine 100-jährige Geschichte in Wort und Bild.


Die meisten Personen, die man auf den ausgestellten Fotos sehen kann haben den Holocaust nicht überlebt und die Ausstellung im Emigranternas Hus kann daher nur persönliche Erinnerung wiedergeben, anhand von gut dokumentierten Fotos. Der Besucher findet all diese Personen während ihren Ferien, in der Schule oder am Arbeitsplatz und kann sich damit ein Bild machen wie das Leben all dieser Menschen vor den Verfolgungen aussah.


Aber man findet auch die Geschichten jener Juden, die verschleppt und grausam getötet wurden und Berichte von jenen, die mit falschen Pässen überleben konnten, die sie auch von Schweden wie Raoul Wallenberg, der selbst in Ungarn verschwand, erhielten. Die Ausstellung, die in Englisch und Schwedisch geboten wird ist eines der bedeutendsten Gegenwartsdokumente, die jeder Europäer kennen sollte um kommenden Generationen ein ähnliches Schicksal zu ersparen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Bildtafeln: Centropa