Posts mit dem Label Emigranternas Hus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Emigranternas Hus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 14. Juli 2010

An Bord der M/S Gripsholm in Göteborg

Bis zum 16. August 2010 kann man im Emigranternas Hus in Göteborg die Ausstellung „Ombord på M/S Gripsholm 1942 - 1946“ sehen, die von einem Zeitzeugen zusammengestellt wurde, der in den Kriegsjahren auf dem von Amerika gemieteten Schiff beschäftigt war. Rune Dahlstrand gehörte zu jenen, die bereits von Göteborg aus mit in See stachen, als das Boot seinen Dienst für das Rote Kreuz aufnahm.


Die M/S Gripsholm war im Jahre 1925 für die Göteborger Reederei Svenska Amerika Linien gebaut worden und war weltweit das erste mit Diesel betriebene Passagierschiff auf dem Atlantik. Während des zweiten Weltkriegs wurde die M/S Gripsholm dann von Amerika gechartert um Verletzte und Kriegsgefangene auszutauschen. Dies war nur mit einem Schiff möglich, das unter einer neutralen Flagge fuhr wie die M/S Gripsholm.


Rune Dahlstrand war auf allen Reisen, die während des Krieges durchgeführt wurden, an Bord des Schiffes und konnte daher die Geschichte des Schiffes in diesen Jahren nicht nur sehr gut erklären, sondern auch bei der Auswahl des Bild- und Textmaterial zur Ausstellung „An Bord der M/S Gripsholm 1942 - 1946 sachkundig helfen und damit einen Beitrag zur friedlichen Kriegsgeschichte des Zweiten Weltkriegs leisten.


Die M/S Gripsholm transportierte zwischen den Jahren 1942 und 1946 vor allem Kriegsgefangene. Insgesamt wurden während der wenigen Jahre 27.700 Personen auf dem Schiff transportiert. Nur eine einzige dieser Austauschreisen ging nach Schweden, so dass die Gripsholm während der vier Jahre nur einmal im Göteborger Hafen anlegte.


Die Ausstellung im Emigranternas Hus besteht vor allem aus Zeitungsartikeln jener Zeit und lässt damit die Betroffenen nicht nur sprechen, sondern zeigt diese Menschen auch in Bildern, Bilder, die oft für sich sprechen und eigentlich keine Kommentare brauchen. Der Betrachter der Ausstellung entdeckt hier, dass nicht nur verfolgte Gruppen während des Krieges leiden mussten, sondern auch viele, die sich diesen Krieg nicht gewünscht hatten und manches Mal im falschen Moment an der falschen Stelle waren.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 7. Dezember 2009

Jüdisches Leben in Osteuropa bis zur Befreiung im Emigranternas Hus in Göteborg

Bis zum 15. Januar 2010 findet im Emigranternas Hus in Göteborg eine Ausstellung statt, die das Leben der osteuropäischen Juden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs aufzeigt. Mit dieser Ausstellung wird zum ersten Mal der Holocaust von mehreren Seiten beleuchtet und zeigt nicht nur Deportation und Gewalt.


Die Ausstellung A Century of Jewish Memory im Emigranternas Hus basiert auf der Arbeit Centropas, die 1262 Juden in 15 Ländern interviewten, die alle Zeitzeugen der jüdischen Verfolgungen während der Nazizeit waren und Centropa 22.600 private Fotos zur Verfügung stellten, die alle Aspekte des jüdischen Lebens in Osteuropa bis zur Öffnung der Grenzen im Jahre 1989 dokumentieren.


Nur die Zusammenarbeit der Botschaften in Ungarn, Polen, Tschechien, Slovenien, Slovakien und Österreich machte es möglich, die Ausstellung A Century of Jewish Memory ins Emigranternas Hus nach Göteborg zu bringen, wo den Besuchern eine Art dokumentiertes Fotoalbum vorgestellt wird, eine 100-jährige Geschichte in Wort und Bild.


Die meisten Personen, die man auf den ausgestellten Fotos sehen kann haben den Holocaust nicht überlebt und die Ausstellung im Emigranternas Hus kann daher nur persönliche Erinnerung wiedergeben, anhand von gut dokumentierten Fotos. Der Besucher findet all diese Personen während ihren Ferien, in der Schule oder am Arbeitsplatz und kann sich damit ein Bild machen wie das Leben all dieser Menschen vor den Verfolgungen aussah.


Aber man findet auch die Geschichten jener Juden, die verschleppt und grausam getötet wurden und Berichte von jenen, die mit falschen Pässen überleben konnten, die sie auch von Schweden wie Raoul Wallenberg, der selbst in Ungarn verschwand, erhielten. Die Ausstellung, die in Englisch und Schwedisch geboten wird ist eines der bedeutendsten Gegenwartsdokumente, die jeder Europäer kennen sollte um kommenden Generationen ein ähnliches Schicksal zu ersparen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Bildtafeln: Centropa

Freitag, 4. Dezember 2009

Der Packhusplatsen am Stora Tullhuset in Göteborg

Obwohl der Packhusplatsen am Stora Tullhuset in Göteborg erst ab 1860 entstand, so nimmt dieser Platz heute dennoch eine bedeutende Rolle am Södra Älvstranden ein. Der Packhusplatsen erstreckt sich vom Stora Hamnkanalen bis zum Gebäude der Göteborger Oper und gehört damit zu einem der größten Plätze der Stadt.


Am Packhusplatsen befinden sich einige der bedeutendsten Gebäude Göteborgs der jüngeren Geschichte. Hier findet man das Stora Tullhuset in dem heute das Casino Cosmopol und das Museum Emigranternas Hus eingerichtet sind, aber hier stehen auch die Gebäude der früheren Reedereien Broström (heute Hovrätten) und Transatlantic oder das frühere Lagergebäude Kajskjul 8, das sich eine Ruf als Restaurant und anspruchsvoller Kabarettorganisator machte.


Das bekannteste Gebäude des Packhusplatsen ist wohl das 1864 errichtete Stora Tullhuset, das alle Amerika-Auswanderer als letztes betraten bevor sie die Reise über den Atlantik antraten. Die Geschichte der schwedischen und finnischen Auswanderer des 19. Jahrhunderts wird heute im Emigranternas Hus, das sich in einem Teil des Gebäudes befindet, in Wort und Bild erzählt.


Am Packhusplatsen findet man jedoch auch das maritime Erlebniszentrum Maritiman mit seinen 12 Booten, die den ganzen Sommer über besichtigt werden können. Besucher können ein U-Boot von innen sehen, Kriegsschiffe genauer unter die Lupe nehmen oder auf einem Frachtschiff eine Ausstellung zur Geschichte der Seefahrt in Göteborg besuchen.


Aber auch der Packhusplatsen vor den Schiffen erlaubt es das ganze Jahr über Gegenstände der Seefahrt zu entdecken. Hier findet man eine alte Seemine, eine Kanone, eine Taucherglocke, Anker, eine Schiffsschraube und zahlreiche andere Gegenstände, die die Geschichte der Göteborger Schifffahrt dokumentieren. Die Ausstellungsstücke werden der Allgemeinheit vom Schiffsmuseum Maritiman zur Verfügung gestellt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 30. November 2009

Die Befreiung Polens im Emigranternas Hus in Göteborg

Zur 20-jährigen Befreiung Polens veranstaltet das Emigranternas Hus in Göteborg ab dem 30. November die Ausstellung Solidaritets Decennium, die von Jörgen Linder (Stadt Göteborg), Ewa Debska (Polnische Botschaft) und Tor Johanson (Zeitzeuge) am vergangenen Freitag eingeweiht wurde.


Die Ausstellung skizziert an Hand von zahlreichen Fotos und Zeitdokumenten die Befreiung Polens von den 70er Jahren bis zum Mauerfall in Berlin im Jahre 1989, der geschichtlich in engem Zusammenhang mit der Geschichte Polens und der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarność steht, insbesondere was das Verhalten des Kreml zur Ost-West-Politik betraf.


Auch wenn der Beginn der polnischen Befreiungsbewegung nicht wirklich datiert werden kann, da in Polen zu jener Zeit jede aktive Gesellschaftskritik und Arbeiterbewegung verfolgt wurde, kann man davon ausgehen, dass der 29. April 1978 mit der in Danzig gegründeten freien Gewerkschaft, der sich Lech Walesa anschloss, eine sehr wichtige Rolle in der Befreiung Polens spielte. Ebenso wie die Veröffentlichung der Charta der Arbeiterrechte 1979 in der Untergrundzeitschrift Robotnik.


Dem Besucher der Ausstellung Solidaritets Decennium im Emigranternas Hus in Göteborg wird jedoch auch die blutige Geschichte der Befreiung dargestellt, denn im Gegensatz zu anderen Ostländern ging die Befreiung nicht gewaltlos über die Bühne. Der Gründung von Solidarność folgen Streiks, die Regierungsübernahme durch Militärs, ein Attentat auf den Papst und russische Truppenübungen an der polnischen Grenze.


Erst am 31. August 1988 gelang es, über die Vermittlung von polnischen Intellektuellen und der katholischen Kirche, ein Treffen zwischen dem damaligen polnischen Innenminister Czeslaw Kiszcak und Lech Walesa zu organisieren, das der Beginn der Freiheit Polens wurde.


Die Ausstellung im Emigranternas Hus kann dem Besucher sehr viele Fragen zur neueren Geschichte Polens beantworten, vorausgesetzt, dass er des Englischen mächtig ist, denn sämtliche Texte stehen nur in dieser Sprache zur Verfügung. Eine Übersetzung der Texte an Hand einer vor Ort zu konsultierenden Dokumentation würde sicher eine größere Schicht an Interessenten anziehen. Um auch jüngeren Besuchern diese wichtige geschichtliche Epoche näher zu bringen reichen Stelltafeln sicher auch nicht aus und eine parallele zeitnahe Präsentation könnte die vorhandenen Information einer bedeutenden Schicht öffnen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Dokumente: KARTA Center Collection