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Freitag, 11. November 2011

Der Hasselbladpreisträger Walid Raad

Vom 12. November 2011 bis zum 15. Januar 2012 findet man im Ausstellungsraum des Hasselblad Centers in Göteborg eine Ausstellung mit einigen der wichtigsten Werken des diesjährigen Preisträgers des Hasselbladpreises 2011, der dieses Jahr an den libanesischen Künstler Walid Raad vergeben wurde. Walid Raad, der heute in Beirut und in New York wohnt, gilt als der bedeutendste Gegenwartskünstler des Nahen Ostens.

I might die before I get a rifle (Hannah Mrad)

Walid Raad, dessen Werke aus Fotografien, Videos und textlichen Anmerkungen bestehen, gleichen mehr einer Performance als einer Fotoausstellung. Der Inhalt hingegen ist Geschichte und Zeitgeschichte aus einer Welt, die im letzten Jahrhundert vom Krieg geprägt war und nun eine Art Auferstehung erlebt, die die vergangenen Erlebnisse ausradieren soll. Walid Raad bringt den Besuchern des Hasselblad Centers diese selbst erlebte Geschichte ab 1987 näher, ergänzt von einem „Notizbuch“ von Dr. Fadl Fakhouri aus den Jahren 1958/59.

Let's be honest, the weather helped (Walid Raad)

Die Ausstellung Walid Raad besteht aus neun verschiedenen Teilen, wobei ein Teil davon Projekte des Künstlers für die Atlas Group sind, die insbesondere den libanesischen Krieg zwischen 1975 und 1990 dokumentieren. Die Mehrheit der Fotos scheinen auf den ersten Blick friedlich, oder die Ruhe vor und nach dem Sturm zu sein, denn Walid Raad versuchte das Leben zwischen den Bomben einzufangen, die einzige Zeit, in der er sich mit der Kamera frei bewegen konnte.

We decided to let them say, "we are convinced," twice (Walid Raad)

Während Walid Raad sich bei der Serie „We decided to let them say, 'we are convinced,' twice“ sich frei zwischen israelischen Panzern bewegt, die auf den Vormarsch oder den Rückzug warten, fotografiert der Künstler bei „Let's be honest, the weather helped“ die Einschüsse in Häusern, Bäumen und Fahrzeugen. Allerdings hat er dabei jeden Einschuss mit einem bunten runden Aufkleber versehen und, wie er selbst sagt, die Farbe gewählt, mit der die Munition markiert ist, damit man sie dem herstellenden Land zuschreiben kann.

Missing Lebanese wars (Dr. Fadl Fakhouri)

Im Hasselblad Center findet man auch die Serie „Sweet Talk“, die Walid Raad im Jahre 1987 begann und weiterhin in AHassrbeit ist, eine Geschichte um Beirut, seine Bauten und seine Bewohner. Da Walid Raad teilweise die gleichen Orte im Abstand von mehreren Jahren fotografierte, kann man an der ausgestellten Serie die Entwicklung der Stadt entdecken, wie vom Krieg zerstörte Gebäude in neuem Glanz entstehen und wie eine zerstörte Stadt sich zu einer Metropole entwickelt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 17. September 2011

Der Cartoonist und Künstler Jan Lööf in Göteborg

Vom 17. September 2011 bis zum 22. Januar 2012 findet man im Göteborger Kunstmuseum eine Ausstellung besonderer Art, die viele nicht in einem Kunstmuseum suchen, denn für viele Kunstliebhaber ist ein Zeichner von Cartoons, Karikaturen und Bilderbüchern mehr ein Handwerker als ein Künstler. Göteborgs Konstmuseum wagt daher einen Schritt in die Zukunft und gibt Jan Lööf den Platz, der er als Künstler auch verdient, nämlich einen Raum einer Kunstausstellung.


Die Ausstellung „Jan Lööf - bildmakaren“, bei der man auch die zahlreichen Bücher, die der Künstler illustriert hat, betrachten und lesen kann und einen alten Film in Ruhe ansehen darf, der noch in einer Epoche gedreht wurde als die Filme noch keine Farben hatten, ist weniger eine historische Darstellung seiner Werke, sondern eine Sammlung, die die Vielfalt seines Könnens in den Vordergrund setzt.


Jan Lööf hat mit seinen Werken Felix (1967 - 1973) und „Ville“ (1975 - 1976) über drei Jahrzehnte hinweg zahlreiche schwedischen Zeichner inspiriert, und die Illustration von Büchern zu einer Kunst erhoben. Seine Kinderbücher findet man noch heute in nahezu allen Ländern, da Jan Lööf mit seinen skurrilen Figuren eine zeitlose Fantasie wachsen lässt, die Kinder in das Reich der Erzählung führt in der sie die Wirklichkeit vergessen.


Den Hauptteil der Ausstellung „Jan Lööf - bildmakaren“ machen die Originalzeichnungen aus seinen verschiedenen Werken aus, die man hier zum ersten Mal aus aller Nähe betrachten kann. Viele seiner in Schweden allgemein bekannten Figuren sind jedoch auch als Modelle ausgestellt, die den Übergang von der gezeichneten zweidimensionalen Welt in eine dreidimensionale Welt ermöglichen in der gesamten aufgebauten Szene zu erfühlen sind.


Die Ausstellung von Jan Lööf, der heute überwiegend in Griechenland lebt, und der eine Hauptrolle in der Kinderserie Tårtan spielte, wird von einem Rahmenprogramm begleitet bei dem Jan Lööfs Welt dem Publikum auf das Anschaulichste näher gebracht wird. Einer der Hauptpunkte wird die dreistündige Marathonvorführung der Serie Tårtan während der Göteborger Kulturnacht am 14. Oktober. Die Ausstellung wird von einem reichhaltigen Ausstellungskatalog begleitet, der im Kunstmuseum erworben werden kann.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Mittwoch, 7. September 2011

Die Älvsnabben im Seefahrtmuseum in Göteborg

Während einer Projektarbeit der Kunsthochschule Valand in Göteborg entstand eine muldimediale Ausstellung im Göteborger Seefahrtmuseum, die vom 7. September 2011 bis zum 8. Januar 2012 besucht werden kann. Die teilnehmenden Künstler gaben der Ausstellung den Titel „Älvsnabben - Drömmen om ett annat Göteborg“, also „Älvsnabben - Der Traum von einem anderen Göteborg“, einer Reise zwischen Wirklichkeit und Traum, eine Reise zwischen zwei oder auch mehreren Göteborg.


Im Grunde sind die Fähren Älvsnabben, die das Festland Göteborg mit der Insel Göteborg verbinden und nahezu im Zigzag vom südlichen Älvstrand zum nördlichen Älvstrand und zurück fahren, nichts anderes als ein tägliches Fortbewegungsmittel für all jene, die auf der „anderen“ Seite des Göta Älv arbeiten, studieren oder auch zur Schule gehen. Nur im Sommer gesellen sich zu dieser Schicht dann auch immer wieder Touristen, die einen „anderen“ Blick über Göteborg gewinnen wollen.


Die Älvsnabben sind eine Art Ruhepol mitten in der Stadt auf denen man in eine neue Zeitzone eintritt, denn man ist nicht mehr in der Stadt und kann seinen Blick auf einige hundert Jahre Geschichte fallen lassen, je nachdem wohin man seinen Blick schweifen lässt und wie viel man von der Stadt weiß. Schließt man dann die Augen, so verschmelzen das Göteborg der Könige mit jenem der Arbeiter und die Geräusche des Wassers und der Boote lassen das nahe Meer ahnen.


Die Valand-Studenten haben für die Realisierung ihres Projekts immer wieder die Älvsnabben benutzt, mit Zeichenpapier, Fotoapparat und um Laute und Töne aufzuzeichnen. Sie haben jede Ecke der Boote erforscht um anschließend im Sjöfartmuseet in Göteborg ihre persönlichen Älvsnabben in Wort, Ton und Bild darzustellen. Ohne seinen Fuß auf eines der Boote zu setzen kann man im Museum in etwa einer Stunde von einem „anderen Göteborg“ träumen.


Es ist nicht wichtig in welcher Reihenfolge man die Werke der Ausstellung Älvsnabben betrachtet, man muss sich nur Zeit nehmen zu lauschen, zu beobachten, zu lesen und seine Augen immer wieder zum Göta Älv schweifen lassen, wobei der Besucher der Ausstellung besonders den sechs Lautsprechern lauschen sollte, die alle eine Haltestelle der Älvsnabben repräsentieren, und einen Flussspaziergang durch Göteborg ermöglichen, eine Reise von Lilla Bommen bis nach Klippan.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Sonntag, 4. September 2011

Antichambre im Hasselblad Center in Göteborg

Zwischen dem 3. September und dem 30. Oktober findet man in den Ausstellungsräumen des Hasselblad Center in Göteborg die Ausstellung „Antichambre“ der jungen schwedischen Fotografin Marie Andersson, die im Jahre 2008 ein Stipendium der Hasselblad-Stiftung erhielt und in Malmö lebt und arbeitet. „Antichambre“ ist die erste größere Präsentation der Werke von Marie Andersson.


„Antichambre“, das Wartezimmer, besteht aus etwa 30 Werken der Fotografin. Die Bilder entstanden zwischen den Jahren 2003 und 2011 und zeigen dadurch die fotografische Reise von Marie Andersson, die sehr deutlich zu sehen ist, da sie immer wieder zu ihrem Lieblingsmotiv zurückgreift, der Kamera als Teil einer architektonischen Struktur und damit dem Betrachter immer wieder vor Augen hält, dass er vor einer Fotografie steht und nicht der Realität.


Marie Andersson lädt mit ihren Fotos im Hasselblad Center den Betrachter in eine verborgene Welt ein, die sich gleichzeitig in der Gegenwart und der Vergangenheit befindet und mit ihrer Vielschichtigkeit immer noch ein weiteres Detail versteckt. Von einer nahezu mathematischen Struktur gelangt man schließlich in einen Spiegelraum, der einem Labyrinth gleicht und mehr versteckt als preis gibt.


Die Vergänglichkeit einer fotografischen Zeitaufnahme drückt Marie Andersson mit ihrer Installation „Verket Sal 4, plan 5“ am deutlichsten aus, bei der man mit moderner Technik in das 17. Jahrhundert zurückversetzt wird. Die beiden Bilder, die auf eine schwarze Leinwand projiziert werden, verblassen durch den Lichteinfluss täglich mehr, bis sie zum Ausstellungsende ganz verblasst sind und nur noch die Erinnerung bleibt.


Marie Andersson nimmt die Kamera nicht nur als Handwerkszeug, sondern auch als Motiv und schafft damit nahezu surrealistische Bilder, die man aus der Nähe und der Ferne gleichzeitig betrachten muss, um damit sein eigenes Bild zu schaffen, in dem die zahlreichen Details an ihren Platz gerückt werden. Der Fotografin ist es mit „Antichambre“ gelungen eine fotografische Poesie zu schaffen, die man nicht nur betrachten muss, sondern die es zu entdecken heißt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Dienstag, 31. Mai 2011

Junge Nordische Fotografie im Hasselbladzentrum in Göteborg

Seit dem Jahre 2006 lädt das Hasselbladzentrum in Göteborg im Sommer zur Ausstellung Junge Nordische Fotografie ein, die dieses Jahr vom 28. Mai bis zum 21. August in den Ausstellungsräumen der Stiftung zu besuchen ist. Neun junge Fotografen, die von der Jury wegen ihrer Themenwahl und ihrer Realisation als die besten Gegenwartsfotografen Skandinaviens betrachtet werden, dürfen während der Sommermonate eine Auswahl ihrer Werke ausstellen.

Nur wenige Stunden vor der Vernissage

Erstaunlich und ein Ereignis besonderer Art ist dieses Jahr, dass sämtliche Fotografen, die ausgestellt werden, Absolventen der Göteborger Hochschule für Fotografie sind, die mittlerweile europaweit als eine der besten Ausbildungsstellen für Fotografen gilt. Kein Wunder daher auch, dass alle ausgewählten Fotografen bereits andere Ausstellungen vorweisen können.

"Bonding" von Casia Bromberg

Ebensowenig erstaunlich ist, dass kaum einer der ausgestellten Fotografen auch in Göteborg geboren wurde und ausschließlich in Göteborg studiert hat, auch wenn die Themen der Ausstellung Ny Nordisk Fotografi 2011 überwiegend typisch schwedisch sind und sehr verschiedene Aspekte des Landes darstellen, gesehen mit den Augen eines Fotografen.

Teil der Installation "Time Fragility" von Joachim Fleinert

Allerdings bedeutet es für zwei der Fotografen, die von einer vierköpfigen Jury ausgewählt wurden weitaus mehr als nur an einer der bedeutendsten skandinavischen Fotoausstellungen teilzunehmen. Zur Eröffnung der Ausstellung erhalten zwei unter ihnen je ein Stipendium, das ihnen die Welt der professionellen Fotografie öffnet.

David Molander vor der Fotoserie "A modern Adventure" (Johannes Samuelsson)

David Molander, der 2010 sein Masterexamen in Göteborg ablegte, erhielt für seine Videoinstallation „Through Bridges“ ein Stipendium für einen fünfmonatigen Aufenthalt im Künstlerzentrum Location One in New York und Joachim Fleinert, der im vorigen Jahr sein Bachelor-Examen ablegte, erhält für seine Foto-Installation „Time Fragility“ ein Stipendium für seine Masterausbildung in London.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 14. Mai 2011

Idris Khan in der Göteborger Kunsthalle

Die große Sommerausstellung der Göteborger Kunsthalle ist dieses Jahr einem Künstler besonderer Art gewidmet. Vom 13. Mai bis zum 21. August findet man in den Räumen Werke des englischen Künstlers Idris Khan, der mittlerweile Zugang zu den größten Galerien und Ausstellungen der ganzen Welt hat, obwohl er erst im Jahr 2004 sein MA im Royal College of Art mit Auszeichnung bestanden hat.


Idris Khan arbeitet überwiegend mit digitaler Fotografie und Video, wobei seine Werke sich nicht nur in der Größe von den meisten anderen Werken unterscheiden, sondern auch dadurch, dass er durch Überlagerung vorhandener Werke neu Werke schafft, die dem Betrachter einen neuen Zugang zu den Originalwerken bieten.


Mit der Ausstellung „Kontrapunktisk rörelse“ bietet die Göteborger Konsthall als erste schwedische Einrichtung die Meisterwerke des Künstlers, die er seit 2004 geschaffen hat, einem breiteren Publikum vor. Um die Werke und die vorgestellten Arbeiten von Idris Khan zu verstehen, bietet die Kunsthalle im Green Room einen kurzen Film über den Künstler und seine Werke an, die selbst dem Neuling in Kunstfragen den Zugang zu den Werken ermöglichen.


Besonders hervorzuheben sind bei „Contrary Motion“ (Kontrapunktist rörelse) das musikalische Videowerk „Goldbergvariationen“ und das Bild „Caravaggio“. In den Goldbergvariationen filmte Idris Khan immer wieder die gleiche Sequenz, die gleiche Tonfolge, die gleiche Melodie. Indem er die verschiedenen Aufnahmen überlagerte, kann man feststellen, dass die Musik zwar immer im gleichen Moment beginnt, aber dann immer unterschiedliche Wege nimmt, denn bereits die Bruchteile von Sekunden oder eine veränderte Fingerstellung ändern ein Gesamtwerk.


Bei der fotografischen Collage „Caravaggio“ hingegen nimmt Idris Khan die verschiedensten Gemälde des Künstlers und vereint sie zu einem einzigen Werk. Wer nun das neu geschaffene Werk betrachtet, entdeckt, im Gegensatz zur Ansammlung einer Serie an Gemälden von Caravaggio, den gesamten Charakter und die Besessenheit des Künstler des 17. Jahrhunderts in einem einzigen Werk gefangen, wodurch der Betrachter eine neue Einstellung zu Caravaggio findet.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Sonntag, 13. Februar 2011

„Dom Andra“ im Weltkulturmuseum in Göteborg

Vom 13. Februar bis zum Jahresende hat das Weltkulturmuseum in Göteborg im Erdgeschoss eine Ausstellung installiert, die sich im Laufe des Jahres permanent weiterentwickelt und, im Gegensatz zu üblichen Ausstellungen, mehr das Zuhören betrifft als das Betrachten. Die Idee zur Ausstellung „Dom Andra“ (Die Anderen) kam vom Netzwerk des Världkulturmuseets und gehört daher zu jenen Projekten, bei denen jeder mitwirken kann.


„Dom Andra“ findet in einem symbolischen Straßenbahnwagen statt, in dem man sich einen Kopfhörer aufsetzt um den Erzählungen von acht fiktiven Personen zu lauschen, den Anderen. Es geht ums Alltagsleben, den Gedanken zum Leben und um Erzählungen, die die Gedanken weniger Minuten wiedergeben. Jede Erzählung will den Zuhörer in eine neue Gedankenwelt versetzen.


Die Erzählungen der acht Personen werden mit Erzählungen der Besucher, die direkt im Weltkulturmuseum eine eigene Geschichte aufsprechen können, gemischt, wodurch man immer mehr Andere mit ihren Gedanken entdeckt und sich die Frage stellt, wer eigentlich der Andere ist, ob sich die unbekannte Person nicht an den Zuhörer als den Anderen richtet.


Die Idee der Ausstellung „Dom Andra“ ist, den Besuchern Toleranz näher zu bringen und ihnen die Frage nach Verständnis und „anders sein“ zu stellen. Die Erzählungen sollen dabei helfen Vorurteile abzubauen und dazu führen, dass wir uns als Zuhörer klar darüber werden, dass nicht nur „Dom Andra“, die Anderen sind, sondern auch wir für viele der Andere sind.


Im Laufe des Jahres wirken auch mehrere anerkannte Göteborger Street Artists mit, die für die Kulisse der fiktiven Straßenbahn sorgen. Die erste Künstlerin war Hanna Eliasson, die mehr bekannt ist unter dem Namen „Lupo Manero“ oder „Lupo Lupo“. Zur Eröffnung spielten jungen moderne Musiker, unter anderem die Künstlerin „the naima train“, die ihre Werke vor dem Publikum stückweise entstehen lässt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 12. Februar 2011

PLAY im Röhsska Museum in Göteborg

Vom 12. Februar bis zum 20 März findet man eine besondere Ausstellung im Röhsska Museum in Göteborg, die sich vor allem an Kinder wendet, aber den Eltern dennoch Denkanstöße geben kann. Die interaktive Ausstellung PLAY bietet Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, einen Platz, wo sie neues, kreatives Spielen lernen und damit aus den stereotypen Formen der Spielzeugwelt ausbrechen können.


Die Ausstellung PLAY zeigt Arbeiten der Designausbildung Child Culture Design, die zwölf Stundenten der Hochschule für Design und Kunsthandwerk schufen, einem Studiengang, der bisher nur in Göteborg existiert und nicht nur das ideale Design für Spielzeug im Auge hat, sondern vor allem Spielzeug schafft, das die Kreativität eines Kindes fördert.


Die interaktive Ausstellung PLAY unterscheidet sich in noch einem wichtigen Punkt von üblichen Spielzeug-Design-Ausstellungen, denn die jungen Künstler kommen aus der ganzen Welt und vereinen dadurch das Spielzeug-Verständnis zwischen Schweden, Deutschland, den USA, aber auch China, dem Iran oder Südkorea, was bedeutet, dass die ausgestellten Werke sich jenseits eines religiösen oder kulturellen Verständnisses ansiedeln.


Wer die Kinder zwischen zwei und fünf Jahren im Ausstellungsraum von einer Entdeckung zur nächsten streifen sieht, entdeckt, dass Kinder erst einmal grundsätzlich offen für alles Neue sind und testen, auch wenn sie dann nach einigen Minuten ihr Lieblingswerk unter der Spiegelgiraffe, Wolkengebilden oder großformatigen Puzzles finden, aber auch dies hilft dabei sein eigenes Kind besser zu verstehen.



Aber auch Erwachsene finden einige Anregungen bei der Ausstellung, abseits von den Werken selbst. PLAY wird ergänzt von kleinen Kärtchen auf denen 54 zur Ausstellung angepasste Artikel zum Recht der Kinder der UN-Konvention abgedruckt sind. Diese Artikel erklären auch Eltern in welchen Situation sie ein Kind Kind sein lassen sollen, ohne mit ihren Kommentaren und Einflüssen die Entwicklung eines Kindes einzuschränken.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Freitag, 11. Februar 2011

Martin Gustavsson im Kunstmuseum in Göteborg

Zwischen dem 12. Februar und dem 8. Mai 2011 kann der Besucher des Göteborger Kunstmuseums die Ausstellung „In No Particular Order“ des Göteborger Künstlers Martin Gustavsson entdecken, eines Künstlers, der im Jahre 2007 mit seiner Ausstellung „Wrath of God“ seinen Durchbruch hatte, mit Bildern zum Alten Testament, die mit einer dramatisch erotischen Darstellung zum Nachdenken anregten und Kritiker herausforderten.


Bei der Ausstellung „In No Particular Order“ im Göteborger Kunstmuseum findet der Betrachter die gleiche Stärke in allen 120 ausgestellten Bildern, die jedoch nicht in einer vorgegebenen Reihenfolge dicht an dicht an der Wand hängen, sondern ihren Platz willkürlich fanden. Sie wurden weder nach Motiven, nach Farben oder der Entstehung geordnet.


Martin Gustavsson will mit dieser Art der Präsentation den Betrachter dazu einladen seine eigene Geschichte in der Zusammenstellung zu finden, oder aber auch mehrere Geschichte, je nachdem an welchem der Bilder man seine Reise beginnt. Und tatsächlich erzählt die Bilderwand, die zum Teil nur durch das Außenfenster des Museums zu sehen ist, tausende von verschiedenen Geschichten.


Martin Gustavsson greift bei seinen Motiven auch dieses Mal wieder zu Körperteilen, Blumenfragmenten und nahezu abstrakten Darstellungen, denen man sich nähern muss wenn man auch die versteckten Details sehen will und tiefer in eine Geschichte eindringen will. Einige der Bilder verbergen so viele Geheimnisse, dass es unmöglich scheint das gesamte Bild zu lesen.


Martin Gustavsson wurde 1964 in Göteborg geboren und studierte dann sowohl in Stockholm als auch in London Kunst. Er hat seit den 90er Jahren sein Atelier in London, wobei „In No Particular Order“ seine erste größere Separatausstellung in Schweden ist.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Dienstag, 7. Dezember 2010

Pfefferkuchenhäuser in Göteborg und ganz Schweden

Zum siebten Mal organisiert das Hotel Gothia Towers in Göteborg in der Eingangshalle des Hotels nun bereits eine Ausstellung von Pfefferkuchenhäusern. Ideenreichtum und Originalität entscheiden, wer den ersten Preis bei diesem Wettbewerb gewinnt. Jeder, der sich im Dezember in Göteborg aufhält kann mit seiner Stimme das Ergebnis beeinflussen, da die Ausstellung öffentlich ist.


Lebkuchenhäuser findet man im Dezember jedoch nicht nur in den Gothia Towers in Göteborg, sondern in allen Konditoreien und vor allem auch auf den zahlreichen Weihnachtsmärkten der Stadt, da in vielen Familien Schwedens Weihnachten auch ein Synonyme für ein Pfefferkuchenhaus und natürlich auch für Pfefferkuchen (pepparkakor) ist.


Während man die Geschichte der Pfefferkuchen in der Geschichte sehr weit zurückverfolgen kann, so ist dies für die Pfefferkuchenhäuser weitaus schwieriger. Vermutlich kamen sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Deutschland aus nach Schweden, wo sie dann jedoch weniger mit Hänsel und Gretel in Verbindung gebracht wurden, sondern bis heute fast schon als Kunstwerke betrachtet werden.


Pfefferkuchenhäuser entwickelten sich in den 200 Jahren in Schweden fast zu einem Kultobjekt, wobei diese essbaren Gebäude heute alles zwischen einem lappländischen Zelt, einem Lusthaus und einem Schloss mit Nebengebäuden darstellen können. In jedem größeren Ort finden Wettbewerbe und Ausstellungen mit Lebkuchenhäusern statt und selbst im Architekturmuseum in Stockholm findet man seit 20 Jahren zu Weihnachten rund 100 sehr eindrucksvolle Pfefferkuchenhäuser, die Architekten und Bäcker bauen.


Auch im Familienkreis bauen viele ihre Lebkuchenhäuser, wenn auch in einfacherer Form, bei denen die Kinder sich dann vor allem an der Verzierung beteiligen dürfen, denn was ist schon ein Pfefferkuchenhaus, das nicht von Süßigkeiten überdeckt ist? Da nicht jeder Schwede Zeit hat auch den Teig selbst zu machen, findet man im Handel sowohl fertigen Teig als auch bereits vorgefertigte Lebkuchenhäuser, die nur noch mit Zuckermasse zusammengeklebt werden müssen und eine süße Dekoration verlangen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Dienstag, 30. November 2010

När jag blir stor am Gustav Adolf Torg in Göteborg

Im Dezember findet man auf dem Gustav Adolf Torg eine Ausstellung besonderer Art. Die Herausgeber der Göteborger Zeitschrift Faktum, die von den Obdachlosen der Stadt verkauft wird, präsentieren im Freien die großformatigen Bilder von zwölf Personen, die in Göteborg auf der Straße leben und für den Jahreskalender der Zeitschrift fotografiert wurden.


Obdachlos sein ist meist keine freie Wahl, der man von Kindheit an folgt, sondern die Folge mehrere Geschehnisse und der Mangel eines sozialen, funktionsfähigen Netzes. Heute Obdachlose hatten als Kinder und Jugendliche Träume wie jeder andere im gleichen Alter und wussten welchen Beruf sie ergreifen wollen, auch wenn sich diese Träume dann nie verwirklicht haben.

Agneta, 54, wollte Reitlehrerin werden

Die Ausstellung „När jag blir stur“ (Wenn ich erwachsen bin) zeigt zwölf Arbeitslose Göteborgs in der Kleidung ihrer Wunschberufe und bietet daher Porträts des Kontrastes, die in der selben Umgebung in der die Obdachlosen leben, nämlich im Freien, gezeigt werden. När jag blir stor soll mit dieser Aktion auf einen Missstand in der heutigen Gesellschaft hinweisen, aber auch gleichzeitig eine Werbung für den Kalender 2011 von Faktum sein.

Morgan, 50+, wollte Bauer werden

Die Fotos für den Kalender wurden von Patrik Andersson geschossen, einem Porträt- und Modefotografen mit Sitz in New York, der im Allgemeinen nur die High Society ablichtet. Als Meister in seinem Bereich ist es ihm gelungen die zwölf Obdachlosen aus ihrem täglichen Leben in das erträumte Wunschleben zu versetzen, was dem Betrachter der Bilder sicher zum Nachdenken anregt.

Thomas, 53, wollte König werden

Der Kalender kann in Göteborg von jedem Faktum-Verkäufer, die man über die ganze Stadt verteilt findet, für 150 Kronen erworben werden, wobei jeder der Verkäufer 50% der Summe erhält, die ihm dabei helfen soll zurück in die Gesellschaft zu finden, selbst wenn dies nach 20 Jahren auf der Straße ein sehr großer Schritt ist.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin (Originalfotos: Patrik Andersson)

Sonntag, 28. November 2010

Gunnar Didoff Ausstellung in Floras Rike in Göteborg

Vom 28. November 2010 bis zum 16. Januar 2011 kann man in der Galerie Floras Rike im Botanischen Garten in Göteborg die Ausstellung „Från Kosterhavets klippor och tallar till oliver och cypresser“ von Gunnar Didoff betrachten, eine Ausstellung in der der Künstler seine Zeichnungen vom Bohuslän und dem Mittelmeerraum zeigt.


Gunnar Didoff präsentiert in Floras Rike seine etwas weniger bekannten Zeichnungen, die er zum Großteil im Bohuslän schuf. Seine Hauptmotive dort waren die vom Wind gebeutelten Bäume und die für das Bohuslän typische Klippenlandschaft, wobei man beim Betrachten der Zeichnungen die wilde Natur mit den regelmäßigen Stürmen dort nahezu fühlen kann.


Sechs Zeichnungen in der Galerie Floras Rike spiegeln dann die Liebe des Zeichners und Malers für das Mittelmeer. Der Betrachter entdeckt die Natur Süditaliens, Griechenland und die Türkei. Gunnar Didoff hat auch in Italien noch mit Bäumen gearbeitet, um dann jedoch, ab Rom, auf Ruinen und andere für den Süden typische Gebäude umzusteigen.


Bei seiner Ausstellung „Von den Klippen und Tannen am Kostermeer zu Oliven und Zypressen“ greift Gunnar Didoff, der vor allem für seine Ölgemälde bekannt ist, zu einer heute seltenen Technik, die nur Schwarz, Grautöne, Sepia und Weiß zulässt. Auch wenn diese Zeichentechnik teilweise aussagekräftiger ist als viele Farben, so spricht sie dennoch nur ein Publikum an, das sich vor allem von graphischen Stilen überzeugen lässt.


Gunnar Didoff wurde 1922 bei Borås geboren und lebt in Göteborg. Er besuchte zwischen 1942 und 1954 mehrere Kunstschulen, darunter das Konstfack in Stockholm und Malereischule Gerlesborg in Göteborg. Außer als freischaffender Künstler war Gunnar Didoff auch mehrere Jahre lang Kroki-Lehrer in Göteborg. Sein Leitmotiv bei all seinen Werken war „Es gibt kein Leben ohne Bewegung“.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Sonntag, 31. Oktober 2010

Sophie Calle im Hasselblad Center in Göteborg

Gleichzeitig mit der Verleihung des Hasselblad-Preises an Sophie Calle präsentiert das Hasselblad Center in Göteborg die Ausstellung „True Stories“ der französischen Fotografin, die sich selbst weniger als Fotografin sondern die Fotografie als eine der Möglichkeiten sich auszudrücken sieht. Eine Besonderheit der aktuellen Ausstellung ist daher auch, dass jedes Foto von einem erklärenden Text begleitet ist und „True Stories“ mehr als eine erzählende Installation als als Fotoausstellung zu sehen ist.


Sophie Calles Ausstellung im Hasselblad Center, die bis zum 13. Februar 2011 besucht werden kann, ist eine Art Selbstbiographie, eine Erzählung, bei der man der Künstlerin ab dem Alter von zwei Jahren folgen kann. Natürlich hat Sophie Calle das erste Foto der Serie nicht selbst geschossen, aber für sie ist es nicht wichtig jedes Foto auch selbst zu machen, sondern Geschichten zu verfolgen und zu erzählen.


Wenn man den Fotos chronologisch folgt und die einzelnen Texte liest, so bekommt man als Betrachter das Gefühl Sophie Calle zu entdecken und zu kennen, denn sie gibt eine Unzahl an Geheimnissen preis, die nur sie kennen kann. Und doch bleibt die Frage nach Erzählung, Traum und Wirklichkeit vorhanden, wobei man letztendlich feststellen muss keinen wirklichen Zugang zur Person Sophie Calle gefunden zu haben.


Mit ihrer künstlerischen Offenheit überrascht die Künstlerin Sophie Calle den Betrachter ihrer Werke in verschiedener Hinsicht. So wirft ihr Foto „Young Girl's Dream“, das zwei Vanilleeiskugeln mit einer Banane darstellt, mehr Fragen auf als es Antworten gibt. Allein dieses Foto erzählt mehrere Geschichten, die sicher für irgend jemanden Wahrheit sind. Auch für Sophie Calle?


Die Fotos zu „True Stories“ entstanden ab 1988, wobei die gesamte Ausstellung im Hasselblad Center aus 30 großformatigen Fotografien mit entsprechenden Erklärungen besteht, zu der weitere dreizehn frühe Werke von Sophie Calle kommen. Das Thema der gesamten Ausstellung kreist um Erinnerungen, Phantasie und Liebesbeziehungen von Sophie Calle.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin