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Mittwoch, 17. Februar 2010

Gebäudeschmuck und Architektur in Göteborg

In nur wenigen Städten wurde während der letzten zwei Jahrhunderte soviel Wert auf Gemäudeschmuck gelegt wie in Göteborg. Zum einen mag es sicher daran liegen, dass sehr viele Architekten Göteborgs gleichzeitig eine künstlerische Ausbildung hatten, zum anderen liegt es sicher auch daran, dass einige erste Beispiele an Gebäudeschmuck andere Architekten und Bauherren dazu anregten ihren Gebäuden ebenfalls eine Persönlichkeit zu geben.


Auch wenn der Gebäudeschmuck in der Regel aus Granit oder Marmor gefertigt wurde, so findet man dennoch auch andere Materialien, vor allem aber eine sehr unterschiedliche Ausdrucksweise der einzelnen Künstler. Bisweilen bleibt dem heutigen Betrachter auch der Ursprung eines Werkes unklar, wie die beiden Figuren, die an Romulus und Remus erinnern, die an der Avenyn 13 dabei sind Rom aufzubauen. Möglicherweise war dies auch das Symbol des Architekten.


Weitaus deutlicher sind dabei Symbole die sich am Gebäude der Södra Hamngatan 23 in Göteborg befinden, da das Gebäude ursprünglich für die Köpmansbank errichtet wurde. Die Darstellung Amerikas, Asiens und Afrikas zeigen die weitreichende Verknüpfung im Handel und des Bankenwesens, zumal die Kunden der Göteborger Banken zu jener Zeit vor allem Reedereien und Kaufleute waren, die internationalen Handel betrieben und förderten.


Ähnliches gilt auch für den Gebäudeschmuck der ehemaligen Transatlantics Reederei am Packhusplatsen, denn die Darstellung von Poseidon, der ein Schiff ruhig über die Meere trägt, ist wie geschaffen um die Arbeit einer Reederei auszudrücken, zumal Poseidon auch als Symbol Göteborgs gilt. Da Poseidon hier erst angebracht wurde nachdem das Haus bereits stand kann man hier davon ausgehen, dass die Reederei selbst den Künstler beauftragte und der Architekt nur die vier Figuren über dem Haupteingang direkt in Auftrag gab.


Aber auch in jüngerer Zeit werden in Göteborg Gebäude mit künstlerischen Arbeiten aufgewertet, so auch mehrere Gebäude am Sannegårdshamnen. Um mehrere Eingänge wurden symbolische Steinritzungen des Bohuslän angebracht, die den Aspekt bekamen in Elfenbein geschnitzt zu sein. Während einige der Darstellung verschiedenen historischen Steinritzungen entnommen sind, präsentieren andere wiederum Fische oder andere Wassertiere, die die Nähe der Häuser zum Wasser aufzeigen sollen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Mittwoch, 3. Februar 2010

Das Stenpiren am Stora Hamnkanalen in Göteborg

Ursprünglich legten Boote mit Waren und Fisch direkt an den Kais des Stora Hamnkanalen in Göteborg an. Als jedoch die Schiffe größer wurden und tiefer im Wasser lagen, wurde es notwendig, diesen Schiffen einen neuen Anlegeplatz möglichst Nahe der Einfahrt zum Stora Hamnkanalen zu bieten. Am geeignetsten fand man dafür die Stelle, wo man heute das Stenpiren findet, das den Abschluss zu Skeppsbron bildet.


Bevor man jedoch in den Jahren 1844/1845 das Stenpiren (Steinpier) erbaute, begnügte man sich mit einer Anlegestelle aus Holz, von der aus vor allem die Boote zu den Schären gingen, die heute ihren Hafen in Saltholmen haben. Aber auch Handelsschiffe und andere Fahrzeuge legten hier, im Zentrum der Stadt, inom Vallgraven, an.


Schon bald zeigte sich, dass das Stenpiren nicht für die zahlreichen Auswandererschiffe nach Amerika und die wachsende Handelsflotte Göteborgs ausreichte und es wurden sowohl bei Skeppsbron als auch beim Packhusplatsen Kaianlagen mit einer Eisenbahnlinie errichtet. Folge davon war auch, dass sich die bedeutendsten Reedereien jener Zeit am südlichen Älvstranden nieder ließen.


Als die Götaverken, die 1989 ihre Aktivitäten als Schiffsbauwerft einstellten, im Jahre 1973 einen größeren Wendeplatz für ihre Trockendocks brauchten, störte das Stenpiren und es wurde um 42 Meter verkürzt. Heute legen an diesem Kai nur noch einige Ausflugsboote, vor allem zu Schärenrundfahrten, an und hin und wieder ein gemieteter Segler für eine Reisegruppe.


Während früher das Stenpiren ständig eine rege Aktivität zeigte und ständig Boote beladen und entladen wurden, wird das Pier heute nur noch von zwei Monumenten dominiert, zum einen vom Delawaremonument von Carl Milles, das an die Gründung Neuschwedens erinnert und das Krigsseglarnas minnesmärke von Lars Kleen, das in Erinnerung an die toten Seeleute des Zweiten Weltkriegs erbaut wurde.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Postkarte: Stadsmuseum Göteborg

Montag, 4. Januar 2010

Das Transatlantics Huset am Packhusplatsen in Göteborg

Das Transatlantics Hus am Packhusplatsen in Göteborg ist noch ein Zeuge der frühere internationalen Schifffahrt Göteborgs. Hier befand sich das Büro der Transatlantic Gesellschaft , die von 1904 bis 1964 als eine der bedeutendsten Reedereien der Stadt tätig war und bereits Anfang des 20. Jahrhunderts einen Linienverkehr von Schweden nach Amerika betrieb.


Bevor jedoch im Jahre 1944 das Gebäude der Transatlantics AB fertig gestellt wurde befand sich an diesem Platz bereits eines der attraktivsten Gebäude des Packhusplatsen, nämlich das Postamt, das vom Gustav Adolf Torg, wo sich das erste Postamt Göteborgs befand, hierher verlagert wurde. Das Postamt war deutlich an seinen drei Türmen zu erkennen und wurde auf zahlreichen alten Postkarten abgebildet.


Das Transatlantics Gebäude sollte schon im Aussehen seine Bestimmung ausstrahlen und mit Modernität überzeugen bei dem an nichts gespart wurde. Auch wenn das Gebäude von der heutigen Warte nicht sehr ansprechend wirkt, so muss man dennoch beachten, dass die gesamte Fassade mit geschliffenem Granit verkleidet wurde und die Architektur des Gebäudes den Beginn der 40er Jahre ausdrückt.


Einen besonderen Stempel verleihen dem Transatlantics Gebäude in Göteborg auch die Arbeiten des Künstlers Fritz Bange, der auf der Hauptseite vier überdimensionale Reliefe in Stein schlug, die die internationale Tätigkeit der Reederei ausdrücken. Auf der Breitseite, in Richtung des ehemaligen Hotels Hembygden, schuf er ebenfalls zwei Reliefe, darunter eine Abbildung Poseidons.


Heute findet man im Transatlantics Hus keine Reederei mehr und nur noch der Schriftzug auf dem Gebäude erinnert an die Glanzzeit der Göteborger Schifffahrt. Die Transatlantics AB wurde mehrmals zersplittert und verkauft, bis dann deren Nachfolger im Jahre 1992 sämtliche Aktivitäten einstellten.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Originalpostkarten: Stadsmuseum Göteborg

Montag, 28. Dezember 2009

Hotel Hembygden am Packhusplatsen in Göteborg

Als ab 1850, unter John West Wilson, eine regelmäßige Linie zwischen Göteborg und Amerika entstand begann die große Auswanderungswelle bei der über eine Million Schweden das Land verließen, eine Geschichte, die heute im Museum Emigranternas Hus am Packhusplatsen ausführlich erzählt wird.


Diese Auswanderungswelle änderte das Bild Göteborgs auf und an den Straßen, die vom Bahnhof zum Alten Zollhaus und dem Stenpiren führte. Da alle Papiere erst in Göteborg ausgestellt wurden, musste jeder Auswanderer bis zu vier Wochen in der Stadt verbringen und auch irgendwo wohnen.


Da die wenigen Hotels der Stadt dem Ansturm nicht gewachsen waren, nutzten viele Göteborger diese Not aus um sich zu bereichern. Es ist bekannt, dass in einigen Wohnungen der Sillgatan, wie die Postgatan früher hieß, bis zu 100 Personen, gegen Bezahlung, untergebracht wurden. Erst als ein Gesetz geschaffen wurde, das diesem Wesen ein Ende bereitete, konnte sich die Situation für die vielen Emigranten normalisieren.


Eine besondere Bedeutung bekam zu jener Zeit das Hotel Hembygden am Packhusplatsen. Auch wenn das Gebäude mehrmals renoviert und modernisiert wurde entspricht es noch heute fast dem Bau des 19. Jahrhunderts. Selbst der Eingang weist noch auf seine ruhmvolle Vergangenheit hin. Nachdem auch die Agenten, die für die Auswanderer zuständig waren, vor allem in der Sillgatan ihren Sitz hatten war das Hotel Hembygden fast 50 Jahre lang die meist gesuchte Unterkunft.


Der gesamte Straßenzug am Packhusplatsen entspricht noch jenem den die Amerika-Auswanderer sahen, mit einer einzigen Ausnahme, denn des heutige Transatlantics-Gebäude war zu jener Zeit noch die Hauptpost Göteborgs und das „Haus mit den Türmchen“ musste Mitte des 20. Jahrhunderts dem heutigen Gebäude weichen. Heute ist das frühere Hotel Hembygden ein ganz normales Miethaus der Stadt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Postkarte: Stadsmuseum Göteborg

Sonntag, 20. Dezember 2009

Fremde Länder am Flaggenmast am Packhusplatsen in Göteborg

Der Weg von der Postgatan zum Packhusplatsen war für über eine Million schwedischer Auswanderer der Schritt in ein neues Leben. Aber der Packhusplatsen grenzt auch an den Stenpiren und den Stora Hamnkanalen und war damit für die Ostindiefararen der Weg in ferne Länder, der Zugang zum Meer. Aber auch das Gebäude neben dem Flaggmast, das Transatlantichuset, war Mitte letzten Jahrhunderts der Standort der bedeutendsten Handelsflotte Göteborgs.


Man kann daher behaupten, dass der Packhusplatsen in seiner früheren Form sowohl den Reichtum und Erzählungen aus fernen Ländern nach Göteborg brachte als auch Wohlstand all denen, die das Land hier verließen um ihr Glück in Amerika zu machen.


Kein Wunder daher, dass Arvid Bryth bei seinem Kunstwerk Fremde Länder am Packhusplatsen viele dieser Erzählungen und Träume auf seine Art und Weise in einem Bronzeguss sammelte. Das Besondere an seinem Kunstwerk sind jedoch nicht nur die einzelnen Reliefe, sondern die Art ihrer Darstellung.


Sämtliche Szenen, inklusive der vier Skulpturen, die das Geschehen dominieren, zeigen das Leben des Alltagsbürgers, der mit seinen Arbeit zu etwas kommt und erinnert daher an die Arbeiterbewegung Göteborgs. Die Arbeiten sind sehr unterschiedlich, wobei Männer und Frauen gleichermaßen am Lohnerwerb beteiligt sind.


Der Betrachter des Fahnenmastes kann mit dem Künstler eine Reise um die ganze Welt antreten. Er kann Argentinien oder China ebenso besuchen wie Mexiko, Kanada oder Afrika. Arvid Bryth hat bei jeder seiner Darstellung auf Details geachtet, die es dem Betrachter vereinfachen das dargestellte Land zu erraten.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Freitag, 4. Dezember 2009

Der Packhusplatsen am Stora Tullhuset in Göteborg

Obwohl der Packhusplatsen am Stora Tullhuset in Göteborg erst ab 1860 entstand, so nimmt dieser Platz heute dennoch eine bedeutende Rolle am Södra Älvstranden ein. Der Packhusplatsen erstreckt sich vom Stora Hamnkanalen bis zum Gebäude der Göteborger Oper und gehört damit zu einem der größten Plätze der Stadt.


Am Packhusplatsen befinden sich einige der bedeutendsten Gebäude Göteborgs der jüngeren Geschichte. Hier findet man das Stora Tullhuset in dem heute das Casino Cosmopol und das Museum Emigranternas Hus eingerichtet sind, aber hier stehen auch die Gebäude der früheren Reedereien Broström (heute Hovrätten) und Transatlantic oder das frühere Lagergebäude Kajskjul 8, das sich eine Ruf als Restaurant und anspruchsvoller Kabarettorganisator machte.


Das bekannteste Gebäude des Packhusplatsen ist wohl das 1864 errichtete Stora Tullhuset, das alle Amerika-Auswanderer als letztes betraten bevor sie die Reise über den Atlantik antraten. Die Geschichte der schwedischen und finnischen Auswanderer des 19. Jahrhunderts wird heute im Emigranternas Hus, das sich in einem Teil des Gebäudes befindet, in Wort und Bild erzählt.


Am Packhusplatsen findet man jedoch auch das maritime Erlebniszentrum Maritiman mit seinen 12 Booten, die den ganzen Sommer über besichtigt werden können. Besucher können ein U-Boot von innen sehen, Kriegsschiffe genauer unter die Lupe nehmen oder auf einem Frachtschiff eine Ausstellung zur Geschichte der Seefahrt in Göteborg besuchen.


Aber auch der Packhusplatsen vor den Schiffen erlaubt es das ganze Jahr über Gegenstände der Seefahrt zu entdecken. Hier findet man eine alte Seemine, eine Kanone, eine Taucherglocke, Anker, eine Schiffsschraube und zahlreiche andere Gegenstände, die die Geschichte der Göteborger Schifffahrt dokumentieren. Die Ausstellungsstücke werden der Allgemeinheit vom Schiffsmuseum Maritiman zur Verfügung gestellt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin