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Mittwoch, 9. November 2011

Stadtteil River City in Göteborg

Bereits im Juni des Jahres trafen sich rund 80 Architekten von zehn unterschiedlichen Architekturbüros aus der ganzen Welt in Göteborg um über haltbares Bauen in Göteborg zu diskutieren. In Form von Workshops sollten die Architekten Ideen entwickeln wie die Stadt am Fluss ein neues Bild erhalten kann, jener Teil der Stadt, der heute überwiegend aus Industrie und Lagerhallen besteht und sich rechts und links des Göta Älv befindet, bzw. auch in den Fluss hineinragt.


Wieder zurück an ihren Schreibtischen haben denn die zehn Architekturbüros ihre Visionen von Göteborg am Fluss, der River City, ausgearbeitet um sie nun in Form einer Ausstellung in der Göteborger Stadtbibliothek den Bürgern der Stadt vorzustellen. Die Stadtverwaltung nutzt diese Ausstellung auch dazu, die Bewohner Göteborgs mit in den zukünftigen Prozess einzubinden und hofft von den Besuchern der Ausstellung weitere Anregungen zu erhalten.

Der Freihafenpark der Gruppe SLA/HLA, Dänemark

Wer sich die zehn visionären Projekte in der Stadtbibliothek genauer betrachtet und die betroffenen Gebiete, nämlich den südlichen Älvstrand, den Freihafen, Gullbergsvass, Ringön, Backa und Lindholmen kennt, erkennt sehr schnell, dass sich einige der Architekturbüros wenig um entstehende Kosten gekümmert haben, sondern einen Mittelmeertraum mitten nach Göteborg transportiert haben, andere dagegen außer dem äußeren Aspekt auch an Menschen, Lehmboden und Schifffahrt auf dem Göta Älv gedacht haben.

Handelszentrum River City der Gruppe Happold

Am interessantesten schienen alle zehn Architekturbüros den Freihafen zu sehen, wobei sich hier auch die größten Unterschiede der visionären River City entdecken lassen, denn zwischen einer grünen Parkanlage mit Zoo, Wassersporteinrichtungen, dem Bau von umweltfreundlichen Häusern auf Pfeilern bis zu einer Hochhauskonstruktion findet man hier jede Variante. Eines der Büros hat selbst daran gedacht, dass man hier zusätzlich die Stena-Fähren anlegen lassen kann, um damit das südliche Flussufer zugänglich zu machen.


Einig scheinen sich die Architekturbüros auch in dem Punkt gewesen zu sein, dass die Ufer des Göta Älv für die Bewohner und ihr Freizeitleben offen sein müssen, auch wenn dabei bei manchen die beiden Werften, das Kai der Fähren nach Dänemark und die Industrieanlagen aus den Projekten verschwinden mussten, was aus einer Hafenstadt mehr eine Freizeit-Stadt machen soll bei der die Arbeitsmöglichkeiten in andere Städte Schwedens verlagert werden müssen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Sonntag, 18. April 2010

Kirchen und Kirchenkunst in Göteborg entdecken

Wer für seinen Urlaub plant die rund 70 kirchlichen Gebäude Göteborgs zu besuchen, steht vermutlich oft vor verschlossenen Türen, da selbst die Angaben der Svenska Kyrkan in ihrem jährlichen Prospekt nicht in allen Einzelheiten zutreffen. Selbst die Website der einzelnen Versammlungen hilft oft nicht weiter, falls die entsprechende Kirche im Verzeichnis überhaupt mit entsprechenden Angaben zu finden ist.

Örgryte gamla kyrka

Unter den acht mittelalterlichen Kirchen, die mittlerweile alle restauriert sind und sowohl von architektonischem Interesse sind als auch über eine einzigartige Ausstattung verfügen, ist keine regelmäßig zu besuchen. Wer des Schwedischen nicht mächtig ist, um mit einem Verantwortlichen der Versammlung einen Termin zu vereinbaren, muss in der Regel auf sein Glück rechnen und hoffen, dass in der Kirche eine Beerdigung oder ein Gottesdienst stattfindet, was jedoch nur schwer einzuplanen ist. Weder die Örgryte Gamla Kyrka noch die Lundby Gamla Kyrka sind zu anderen Zeiten geöffnet.

Hagakyrkan

Da sich unter den Kirchen des 18. und 19. Jahrhundert einige der touristisch aktiven Kirchen befinden, kann etwa die Hälfte unter ihnen zu gewissen Stunden besucht werden, allen voran die Domkyrkan, die Tyska Kyrkan, die Haga Kyrkan und die Oscar Fredriks Kyrkan. Die anderen Kirchen dieser Epoche öffnen nur sehr wenige Stunden für Besucher, so dass ein Besuch rechtzeitig eingeplant werden muss.

Die Kirchen des 20. Jahrhunderts verfügen oft über sehr künstlerische Arbeiten, sind jedoch, außer der Vasakyrkan, ebenfalls nur jeweils während weniger Stunden pro Woche geöffnet, meist am gleichen Tag und zur gleichen Zeit. Eine Ausnahme hier ist noch die Masthuggskyrkan, die im Juli und August täglich öffnet und dabei gleichzeitig zu Ausstellungen einlädt. Die zahlreichen Freikirchen in Göteborg, die alle aus dem 20. und 21. Jahrhundert kommen, bieten in der Regel keine künstlerischen Ausstattungen.

Vasakyrkan

Dass ein Kirchenbesuch selbst für Gläubige mittlerweile ein Problem wird, liegt in Göteborg vor allem an zwei Problemen. Jede Kirche muss während der Öffnungszeiten überwacht werden, da Diebstähle und Sachbeschädigungen in den letzten Jahren überhand nahmen, was wiederum zum zweiten Problem führt. Die Svenska Kyrkan ist finanziell nicht in der Lage 200 Personen zu bezahlen, die nötig wären, um ihre Kirchen überwachen zu können.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Dienstag, 16. März 2010

Ornamente und Friese an Göteborgs Bauten

Alle Patrizierhäuser Göteborgs zwischen Ende dem 18. Jahrhundert und Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in neoklassischem Stil erbaut, was sich sowohl auf die innere als auch die äußere Gestaltung der Gebäude auswirkte. Nie zuvor und nie danach wurden an Gebäuden so viele Friese und Ornamente angebracht als zu jener Zeit. Dies macht es in Göteborg auch relativ einfach alte und neue Bauten auseinanderzuhalten.


In sehr vielen Fällen geben die Friese und Ornamente bereits eine Auskunft über den Bauherrn und seine Aktivität, da die meisten Patrizierhäuser jener Zeit gleichzeitig als Wohnhaus, als Bürohaus und zu Repräsentationszwecken benutzt wurden. Nahezu jedes der Gebäude, deren Besitzer mit der Schifffahrt zu tun hatte, zeigte dies sehr deutlich an der Wahl der Dekorationen. Hier findet man Poseidon, Schiffsschrauben, Anker und andere Symbole der Seefahrt.


Da zahlreiche Architekten Göteborgs jener Zeit auch eine Kunstausbildung hatten, eine Studienrichtung, die es heute noch gibt, entstanden die sehr viele Friese jener Zeit nach Zeichnung und Anleitung des Architekten. Oft konnten gewöhnliche Handwerker dann die Ornamente gestalten. Diese Fähigkeit kann man am ausgeprägtesten in der Göteborger Vasagatan entdecken, wo Malerei, Fries, rein künstlerisches Schaffen und Keramik zu finden sind.


Zu den häufigsten Ornamenten der Bauwerke Göteborgs gehört der Löwe, das Wappentier der Stadt, das an den Gebäuden in jeder Form abgebildet wird. Allerdings muss man hier einen Unterschied zwischen privaten Bauten und städtischen Bauten unterscheiden, denn die offiziellen Gebäude ziehen die Abbildung des Wappenlöwen, oft in Reliefform, vor, während private Bauten mehr den Löwen des Tierreichs als Ornament verwenden.


Relativ selten finden man jedoch auch eine Plakette eines des Hausbesitzers, wie beim Sahlgrenska Huset, an dem man in den Ornamenten, die die Plakette umgeben auch mehrere Buchstabenkombinationen findet, die nicht vom Architekten kommen und darauf schließen lässt, dass die Arbeiten hier von Künstlern jener Zeit ausgeführt wurden. Diese Kennzeichnung ist in Göteborg sehr selten zu finden, wodurch sehr viele Künstler jener Zeit völlig unbekannt blieben.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Mittwoch, 17. Februar 2010

Gebäudeschmuck und Architektur in Göteborg

In nur wenigen Städten wurde während der letzten zwei Jahrhunderte soviel Wert auf Gemäudeschmuck gelegt wie in Göteborg. Zum einen mag es sicher daran liegen, dass sehr viele Architekten Göteborgs gleichzeitig eine künstlerische Ausbildung hatten, zum anderen liegt es sicher auch daran, dass einige erste Beispiele an Gebäudeschmuck andere Architekten und Bauherren dazu anregten ihren Gebäuden ebenfalls eine Persönlichkeit zu geben.


Auch wenn der Gebäudeschmuck in der Regel aus Granit oder Marmor gefertigt wurde, so findet man dennoch auch andere Materialien, vor allem aber eine sehr unterschiedliche Ausdrucksweise der einzelnen Künstler. Bisweilen bleibt dem heutigen Betrachter auch der Ursprung eines Werkes unklar, wie die beiden Figuren, die an Romulus und Remus erinnern, die an der Avenyn 13 dabei sind Rom aufzubauen. Möglicherweise war dies auch das Symbol des Architekten.


Weitaus deutlicher sind dabei Symbole die sich am Gebäude der Södra Hamngatan 23 in Göteborg befinden, da das Gebäude ursprünglich für die Köpmansbank errichtet wurde. Die Darstellung Amerikas, Asiens und Afrikas zeigen die weitreichende Verknüpfung im Handel und des Bankenwesens, zumal die Kunden der Göteborger Banken zu jener Zeit vor allem Reedereien und Kaufleute waren, die internationalen Handel betrieben und förderten.


Ähnliches gilt auch für den Gebäudeschmuck der ehemaligen Transatlantics Reederei am Packhusplatsen, denn die Darstellung von Poseidon, der ein Schiff ruhig über die Meere trägt, ist wie geschaffen um die Arbeit einer Reederei auszudrücken, zumal Poseidon auch als Symbol Göteborgs gilt. Da Poseidon hier erst angebracht wurde nachdem das Haus bereits stand kann man hier davon ausgehen, dass die Reederei selbst den Künstler beauftragte und der Architekt nur die vier Figuren über dem Haupteingang direkt in Auftrag gab.


Aber auch in jüngerer Zeit werden in Göteborg Gebäude mit künstlerischen Arbeiten aufgewertet, so auch mehrere Gebäude am Sannegårdshamnen. Um mehrere Eingänge wurden symbolische Steinritzungen des Bohuslän angebracht, die den Aspekt bekamen in Elfenbein geschnitzt zu sein. Während einige der Darstellung verschiedenen historischen Steinritzungen entnommen sind, präsentieren andere wiederum Fische oder andere Wassertiere, die die Nähe der Häuser zum Wasser aufzeigen sollen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin