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Mittwoch, 4. Mai 2011

Das Stadttheater Göteborg präsentiert den Spielplan 2011/2012

Anna Takanen, die künstlerische Leiterin des Stadttheaters Göteborg, präsentierte heute, im Beisein der Regisseure und zahlreicher Schauspieler, den Spielplan für die kommende Saison und überrascht mit der Auswahl der Stücke das Publikum, da sie eine völlig neue Form von Theater bietet, des den Zuschauer nicht zum Konsumenten eines Stücks macht, sondern ihm sehr viel Stoff zum Denken gibt.

Anna Takanen, Künstlerische Leitung des Stadttheaters

So bietet der Regisseur Stefan Metz ab 17. Februar 2012 eine Weltpremiere, die das vermutlich älteste Thema der Welt behandelt, die Bibel. In einer Vorstellung von fünf Stunden behandelt er das alte und neue Testament, das er gekonnt in die Gegenwart stellt, denn schon Noahs Arche wird von Papierlosen gefüllt. Mit der Handschrift des Autors Niklas Rådström wird die Bibel im Göteborger Theater so aktuell wie nie zuvor.

Carin Mannheimer, Autorin und Regie von "I sista minuten"

Auch Tanz und Musik spielen in der kommenden Saison eine wichtige Rolle, die das Göteborger Theater zu neuen Möglichkeiten des Ausdrucks bringen, denn gerade Musik, Gesang und Choreografie können Gefühle in ihrem Innersten treffen, wobei während der kommenden Saison sowohl Tomas von Brömssens Klarinette eine Rolle spielt als auch die Musik und der Gesang von Oskar Humlebo (MotoBoy).

Antigone, Parapanda Theatre Lab, Tanzania und Stadttheater

Moralische Vorstellungen und Veränderungen der Gesellschaft werden ausgedrückt durch Stücke, in denen Homosexualität von den verschiedensten Warten betrachtet werden oder „geheilt“ werden sollen, oder wo Frauen zu Tätern und Opfern gleichzeitig werden, wo Frauen sich moralisch selbst vergewaltigen um in die heutige Gesellschaft zu passen.

Same same but different, Moomsteatern Malmö und Stadttheater

Zwei sehr interessante Vorstellungen entstanden auch in Zusammenarbeit mit anderen Theatern, so dem Parapanda Theatre Lab aus Tanzania. Antigone wird von der gemischten Gruppe nicht nur zweisprachig gespielt (Schwedisch und Suaheli), sondern auch in beiden Ländern aufgeführt. Aber auch die Zusammenarbeit mit dem Malmöer Moomsteatern fordert den Zuschauer heraus, wenn behinderte Schauspieler mit den Göteborger Schauspielern gemeinsam auf der Bühne stehen und die Frage gestellt wird, was in unserer Gesellschaft als „normal“ betrachtet wird.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 6. Mai 2010

Stadttheater Göteborg, Saison 2010-2011

Anna Takanen, die künstlerische Leiterin und Vizedirektorin des Göteborger Stadttheaters stellte heute das Theaterprogramm für die Saison 2010/2011, die am 27. August beginnt, vor. Zehn Premieren stehen für diese Spielsaison auf dem Programm, wovon bei sieben Stücken Frauen die Regie haben und eine davon (Profeten i Västra Götaland) von Anna Takanen selbst in Szene gesetzt wird.

Anna Takanen

Unter den Stücken der nächsten Saison findet man drei Klassiker, die in sehr moderner Version auf die Bühne Göteborgs übertragen werden. „Der eingebildete Kranke“ von Molière wird in eine Gegenwart gesteckt, wo die Angst vor Bazillen und Krämpfen den Menschen zum abhängigen Pillenschlucker machen. Oder „Peer Gynt“, der von Stefan Metz in Szene gesetzt wird und die Welt auf eine sehr persönliche Weise entdeckt. Und schließlich „Die Vögel“, die den Menschen in eine selbst geschaffene Schrecksituation versetzen aus der es letztendlich keinen Ausweg mehr gibt.

Der eingebildete Kranke - Regie: Åsa Kalmér

Eine Reise in den Krieg unternimmt man mit den beiden Stücken „Babel“ nach Elfriede Jelinek, wo die amerikanische Invasion im Irak den Ausgangspunkt bildet und ein Wortgefecht über Krieg, Politik, Sex und Gott dominiert, und „Stenen“ (der Stein), der 1934 in Dresden seinen Anfang nimmt, als ein junges Paar das Haus eines Juden kauft und mit dem Fall der Berliner Mauer endet.

Lisa Lindgren in "Jag vill inte dö, jag vill bara inte leva ..."

Als moderne Problemstücke kann man „Klaras resa“ (Klaras Reise) sehen, die Jenny Andreasson, in Form eines Dramas, die Reise einer jungen Frau in die Psychose schildert und „Jag vill inte dö, jag vill bara inte leva ...“ (Ich will nicht sterben, ich will nur nicht mehr leben), ein Debutantenstück, das den Kampf mit der Manodepression zeigt, einen Kampf, den man nicht gewinnen. „Sista Dansen“ (der letzte Tanz) lässt den Besucher des Stadttheaters schliesslich am letzten Kampf im Leben eines Menschen teil haben, dem Kampf um einen Platz im Heim.

Per Sandberg als Peer Gynt

Bleiben schließlich noch zwei Stücke, die, in Theaterumgebung, den besten Einblick in die Denkweise und das Leben Schwedens bieten. Bei „Stjärnan“ (der Stern) von Sisela Lindblom stellt sich die Autorin-Regisseurin die Frage, wer im Schloss isst, während alle anderen zusehen, was sich weniger auf die kommende Hochzeit Victorias bezieht, sondern auf eine sehr beliebte TV-Serie und „Profeten i Västra Götaland“ (Der Profet im Västra Götaland), einer Komödie um Arbeitslosigkeit, Krise und Glück. Ein früherer Kleinunternehmer versucht nach einem Herzinfarkt anderen zu helfen, ohne jedoch die Grenze der Hilfe abzustecken.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 3. Oktober 2009

Das Göteborger Stadttheater wurde 75 Jahre

1934 öffnete das heutige Stadttheater am Götaplatsen seine Türen. Noch heute sind zahlreiche mechanische Einrichtungen der damaligen Zeit in Betrieb und noch heute kann das Theater bei einigen Inszenierungen von einigen alten Kulissen und Kleidungen profitieren, die mit großer Sorgfalt aufbewahrt wurden.


Zum 75. Jahrestags des Stadttheaters, das natürlich bereits seine Vorgänger im Lorensbergsteater und im Storan hat, wurden die Göteborger und ihre Besucher einmal eingeladen auch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen um den Theaterbetrieb in seiner Einheit erkunden zu können.


Einige Stunden lang konnten die zahlreichen Theaterbesucher einige der 41 Berufsgruppen, die für einen Theaterbetrieb nötig sind aus nächster Nähe bei ihrer Arbeit verfolgen. Für viele war es eine Überraschung, dass Kleider nicht nur genäht werden müssen, sondern dass es auch Fachkräfte gibt, die Kleider alt und zerschlissen aussehen lassen ohne dass sie jeden Abend ihre Form verlieren.


In der Foajébaren konnte der Besucher Lesungen einiger der Schauspieler Göteborgs folgen, kleine Gerichte kosten oder sich sogar einen Schauspieler für einen kurzen persönlichen Plausch leihen. Kinder wurden von den Maskenbildnern des Stadttheaters kunstvoll geschminkt und das Backatheater bot musikalische Einlagen.


Zahlreiche Teilnehmer der Besichtigungstouren waren langjährige Besucher des Stadttheaters, die nun zum ersten Mal sehen konnten wie eine Kulisse entsteht, welche Methoden man anwendet um mit Übertreibung aus 10 Meter Entfernung normal auszusehen und warum man im Theater jemandem eine Vase am Kopf zertrümmern kann ohne dass der Schauspieler zu Boden geht. Aber auch die technischen Möglichkeiten des Neuen Studios konnten mit den Technikern eingehend diskutiert werden.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 27. Juli 2009

Der Poseidonbrunnen am Götaplatsen im zentralen Göteborg

Poseidon, der über den gleichnamigen Springbrunnen am Götaplatsen in Göteborg thront hat einen Blick über die Paradestrasse der Stadt, die Kungsprotsavenyn. In seiner nächsten Nähe befinden sich auch einige der kulturell wichtigsten Gebäude der Stadt, so das Kunstmuseum, die Kunsthalle, das Stadttheater oder das Konzerthaus.


Bevor jedoch Poseidon seinen Platz einnehmen konnte kam erst einmal der Brunnen an seine Stelle. Eigentlich sollte dieser Brunnen zum 300jährigen Jubiläum Göteborgs fertig werden, aber die Administration war langsam, so dass zum Jubiläum im Jahre 1923 nur ein provisorischer Brunnen in Holz zu sehen war und der vorgesehene Brunnen noch nicht am Horizont sichtbar war.


Erst im Jahre 1927 konnte der heute noch sichtbare Brunnen eingeweiht werden, der jedoch schon an sich eine Sehenswürdigkeit ist, da er von zahlreichen mystischen Seelebewesen umgeben ist, die in gewisser Weise Göteborg aus dem Meer entsteigen lassen.


Der Meeresgott Poseidon, der über diese Fabelwesen des Meeres wacht, wurde erst im Jahre 1931 enthüllt. Carl Milles, sein Schöpfer hat mit dieser nackten Figur jedoch etwas viel von den Göteborgern erwartet, die erst einmal geschockt von Poseidon waren und ihn gerne wieder vom Brunnen genommen hätten, denn eine klassische Figur war gewünscht, jedoch nicht so deutlich nackt.


Heute ist Poseidon vom Götaplatsen nicht mehr wegzudenken und er wurde ein Symbol Göteborgs. Aber Poseidon blieb nicht allein mit seinen Untergebenen am Brunnenrand. Milles gab ihm sechs weitere kleiner Figuren mit auf den Weg, die alle, wie schon Poseidon selbst, aus dem Meere kommen und die Nähe der Stadt zum Meer deutlich machen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin