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Freitag, 25. Juni 2010

Mittsommer feiern in Göteborg

Mittsommer oder Midsommar, wie es in Schweden heißt, ist das größte Fest des Jahres, wobei vor allem der Midsommarafton, also der Freitag, der dem 24. Juni am nächsten kommt, als der vielleicht bedeutendste Tag des Jahres bezeichnet werden kann, an dem in Göteborg selbst ein Besucher der Stadt nichts anderes tun kann, als an einer der Feiern teilzunehmen, da fast alle Museen geschlossen bleiben, Restaurants und Geschäfte zum Teil gar nicht, zum anderen Teil nur bis Mittag öffnen und die Stadt wie ausgestorben ist.


Auch wenn die Abende am diesem Tag fast ausschließlich unter Freunden oder in der Familie gefeiert werden, und bisweilen mit erhöhtem Alkoholkonsum verbunden sind und man auf fast allen Tellern Schwedens etwa das gleiche Midsommaressen findet, so lohnt es sich, am Nachmittag des Midsommaraftons an einem der zahlreichen öffentlichen Festen teilzunehmen, die an mehreren Stellen Göteborgs angeboten werden.


Wer in Göteborg auf die Midsommarfeuer wartet, warten jedoch vergebens, denn im Raume Göteborgs entzündet man ein Osterfeuer und begrenzt sich zu Mittsommer darauf die Mittsommerstange zu schmücken und zu errichten, Blumenkränze mit den Mittsommerblumen zu flechten und singend um die mit Birkenreisig und Blumen geschmückte Stange zu tanzen.


Wer in Göteborg als Besucher selbst aktiv an den Vorbereitungen zum Mittsommerfest teilnehmen will, sollte jedoch Midsommar weder auf den Schären feiern, noch in den Schlosswald fahren, sondern die Trädgårdsföreningen Göteborgs, den Gartenverein, ab etwa 11 Uhr besuchen. Hier kann jeder Besucher der Grünanlage seinen eigenen Blumenkranz binden und, gemeinsam mit allen anderen, seinen Beitrag beim Schmücken der Midsommarstången leisten.


Wenn gegen zwölf Uhr jedes Mädchen seinen Blumenkranz hat, so wird von den Besuchern der Trädgårdsföreningen die Mittsommerstange geschmückt und errichtet. Bevor dann eine Volkstanzgruppe den Besuchern einen Blick in die Vergangenheit Schwedens liefert, kann jeder noch am Reigentanz um die Stange teilnehmen und die klassischen Sommerlieder singen, die den Sommer in Göteborg endgültig willkommen heißen.

Copyright Text: Herbert Kårlin - Fotos: Irene Kårlin

Mittwoch, 19. Mai 2010

Die Knollenwiese im Botanischen Garten in Göteborg

Zur Ausstellung „Göteborgs Lustgärten“ im Jahre 2008 schuf der Botanische Garten in Göteborg unmittelbar hinter dem Haupteingang eine Wiese, die seit dieser Zeit als Knollenwiese bekannt ist und ihre Vielfalt, in witterungsmäßig normalen Jahren, von Februar bis Ende Mai zeigt. Anschließend tritt die Wiese in eine Ruhephase und darf bis mindestens Midsommar nicht betreten werden, damit die Knollen für das kommende Jahr Kraft tanken können.


Wer die Knollenwiese in all seiner Pracht sehen will, und nicht nur eine Grasfläche zum Ausruhen, muss daher zeitig im Jahr den Botanischen Garten besuchen, denn ab Februar blühen auf der Wiese, bunt gemischt, Schneeglöckchen, Knotenblumen und Winterlinge, die ersten Frühlingsboten jeden Jahres.


Noch bevor diese erste Blütenpracht verschwindet, erscheinen auf der Knollenwiese bereits die nächsten Blumen. Diesmal sind es verschiedene Krokusse, Frühlingslichtblumen, Winteriris, Zwerg-Schwertlinlien und sibirische Blausterne, wodurch die Wiese sehr viel an Farbenpracht gewinnt.


Während die ersten Blüten dann bereits verschwunden sind erscheinen auf der Knollenwiese bereits neue Knollenblumen. Nun ist es Zeit für Sternhyazinthen, kleine Traubenhyazinthen, verschiedene Narzissen, Wildtulpen und Schachblumen, bevor die Wiese dann bis Midsommar in eine Ruhephase übergeht in der die Fläche weder betreten werden darf, noch das Gras gemäht wird.


Erst wenn sich nach Midsommar das letzte Grün der Pflanzen in ein schmutziges Gelb verwandelt hat und die Blätter absterben, wird die Knollenwiese gemäht und kann anschließend für Picknicks genutzt werden um dann im nächsten Februar zu neuem Leben zu erwachen. Wer sich nach dem Besuch dieser Knollenwiese für weitere Knollen- und Zwiebelblumen interessiert, kann anschließend die Knollen- und Zwiebelsammlung am Gewächshaus des Botanischen Gartens besuchen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 22. Juni 2009

Midsommarblumen in Brauchtum und Tradition

Während das Midsommarfest mittlerweile in fast ganz Schweden am Freitag gefeiert wird, so findet ein anderer Teil des Brauchtums in vielen Teilen des Landes nach wie vor zum Tag der Sonnenwende am 21. Juni statt. Um was sollte es sonst dabei gehen als um Blumen, die in Schweden immer und überall eine große Rolle spielen.


Blumen dienen zur Sommersonnenwende dem Schmücken der Majstange, zum Binden der Blumenkränze aber auch um die Wohnung zu schmücken. In der Zeit zu Midsommar findet man in fast jeder Wohnung mehrere selbstgepflückte Blumensträuße.


Nach alter Tradition werden zu Midsommar nur Wildblumen für jede Art von Blumendekoration verwendet, auch wenn sich hin und wieder auch eine Rose oder gezüchtete Kornblumen ihren Platz finden, vor allem wenn es das Wetter nicht erlaubt genügend wilde Blumen zu finden.


Die Nacht zum 21. Juni bietet den schwedischen Mädchen jedoch auch noch die Möglichkeit zu erfahren wer ihr Zukünftiger sein wird. Um dies zu erfahren, müssen sie nur sieben verschiedene Blumen unter ihr Kissen legen und dann wird ihnen der Traum die Zukunft entschlüsseln.


Was sind nun aber diese Midsommarblumen? Im Grunde jede Blume, die zu dieser Jahreszeit auf den schwedischen Wiesen blüht. Allen voran natürlich Butterblumen, Margariten, roter Klee, Kornblumen, Glockenblumen, Hornklee, echtes Labkraut, Schafgarbe und Vergissmeinnicht.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 20. Juni 2009

Midsommar auf Donsö, den Schären Göteborgs

Auch wenn Midsommar überall in Schweden gefeiert wird, so kommt der Brauch jedoch aus dem Dalsland, das Göteborg weitaus näher liegt als Stockholm. Bis heute findet daher auch die echte Midsommarfeier nur im Dalsland statt: Mit den meisten Tänzern, der höchsten Midsommarstange und den farbenprächtigsten Trachten, die nicht in Verbindung mit einem Volkstanzverein getragen werden.

Privates Midsommarfest auf Donsö

Wie fast überall in Schweden wurde das Midsommarfest auch in Göteborg mittlerweile großteils von kommerziellen Organisatoren übernommen und nur wenige Besucher der Stadt finden einen der zahlreichen Orte, wo man kostenlos und im Lokalkolorit an einer der Feiern teilnehmen nehmen kann. Zu diesen Orten gehört auch die Insel Donsö auf den südlichen Schären.


In Donsö begann die Festlichkeit um 15 Uhr, was so manchem Teilnehmer die Möglichkeit bot bereits sich bereits 5 Stunden früher auf der Nachbarinsel Styrsö auf Gesang und Tanz einzustimmen. Midsommar ist ein Fest für Jung und Alt an dem die Sommersonnenwende, also die kürzeste Nacht des Jahres gefeiert wird.


Midsommar bedeutet auch in Donsö Majstång, Blumenkränze und für viele Sommer- und Urlaubsbeginn. Auch wenn die Majstång ursprünglich aus Deutschland kommt, so kommt das Wort "maj" jedoch nicht vom Monat Mai, sondern von "maja", was soviel bedeutet wie "mit Laub schmücken". Laub bedeutet in Schweden in der Regel Birkenlaub, wobei Birkenreisig auch die klassische Basis für den Blumenkranz darstellt.


In Donsö nimmt etwa die Hälfte der Bewohner am Fest teil, wobei wiederum die Hälfte davon auch um die Majstång zu alten lekvisor (Spielweisen) tanzt. Es geht nicht nur darum im Reigen um die Midsommarstange zu tanzen, sondern die Worte auch bildlich auszudrücken. Der Tanz ist daher eine Mischung zwischen Schauspiel und Tanz.


Auch wenn jeder Besucher am Tanz teilnehmen kann, so ist es dennoch sinnvoll die Worte zu verstehen um wirklich eins zu werden mit der lokalen Bevölkerung. In Schweden lernt jedes Kind bereits im Kindergarten die Lieder und Bewegungen, was auch dazu führt, dass viele Kinder zweimal um eine Majstång tanzen. Einen Tag vorher im Kindergarten oder der Schule, und dann noch einmal am Tag der Midsommarfeier.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Freitag, 19. Juni 2009

Midsommar in Schweden: Essen, trinken, feiern und tanzen

Gutes Essen ist für Schweden fast schon Alltag, wobei das Hauptessen, middag, nicht am Mittag stattfindet, sondern am Abend. Im Laufe des Jahres gibt es auch einige Tage, an denen das Essen fast schon "vorgeschrieben" ist und man schon im Voraus weiß, was der Gastgeber auf den Tisch stellen wird. Einer dieser Tage ist Midsommar (Sommersonnenwende).


Es gibt wohl keinen Schweden, der nicht das typische Midsommaressen kennt, auch wenn er selbst so manchmal kleine Neuerungen einführt, vor allem wenn er sill, also den schwedischen eingelegten Hering, nicht mag.


Was zum typischen Midsommaressen gehört kann man in Schweden auf über 600.000 Internetseiten nachlesen: Sill, Färskpotatis, Jordgubbar, Aquavit, Öl, Dill und Gräslök (eingelegter Hering, Frühkartoffeln, Erdbeeren, Aquavit, Bier, Dill und Schnittlauch). Aber die Aufzählung sagt natürlich nicht sehr viel, denn je nach Größe der Gruppe findet man Sill in Senfsosse, Sill in Knoblauchsosse, Skärgårdssill, Matjes etc. Kartoffelsalat, Lachs und so manch andere zusätzliche Leckerei.


Dill und Schnittlauch gehören in die unterschiedlichen Soßen, Sahne oder saure Sahne, die zum Fisch gereicht werden und den Geschmack zu verfeinern. Frühkartoffeln müssen ausgereift sein, fest und ohne jede Schadstelle. Gekauft werden sie lose und meist ungewaschen.


Erdbeeren sind als Nachspeise gedacht und werden einfach frisch gegessen oder zu einer Erdbeertorte verarbeitet. Wobei Erdbeeren, wie auch Frühkartoffeln, egal zu welchem Preis zu Midsommar gekauft werden. Dieses Jahr waren die Kartoffeln sehr preisgünstig (ab 9 Öhre pro Kilo, der Durchschnitt lag bei 5 skr!), was man bei schwedischen Erdbeeren nicht sagen konnte, denn, wie üblich, gingen die Preise zu Midsommar gewaltig in die Höhe und 100 Kronen für das Kilo waren noch ein guter Preis. Nur Erdbeeren aus Polen, Belgien, Deutschland oder Spanien waren etwas billiger.


Bier (oder auch ein nichtalkoholische Getränke) trinkt man beim Essen gegen den Durst, der sich bei Sill mit Sicherheit bemerkbar macht. Den Aquavit trinkt man nach dem Essen und er dient vor allem der Verdauung, da Hering sehr lange im Magen liegen kann. Da Aquavit auf Kümmel basiert, regt er die Verdauung an und sorgt dafür, dass man nicht die ganze Nacht über Hering riecht und spürt. Ja, ja, warum dann überhaupt Hering essen? Weil er schmeckt und zur Tradition gehört.


Ein einziges Mal versuchten meine Frau und ich in Deutschland Midsommar zu feiern, aber wir hatten zum einen nicht damit gerechnet wie anders Geschmäcker sein können und waren auch selbst mit der Ware, die uns zur Verfügung stand, nicht zufrieden, denn deutscher eingelegter Hering hat nichts mit schwedischem zu tun. Frühkartoffeln bekamen wir gar nicht erst, der deutsche Aquavit schmeckte nach zuviel Kümmel und nur die Erdbeeren konnten alle zufrieden stellen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin