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Montag, 28. Juni 2010

Göteborg im 18. Jahrhundert

Am 2. Juni 2010 öffnete das Stadsmuseum Göteborg die permanente Ausstellung „Göteborg im 18. Jahrhundert“, die sich in mehrere Teilbereiche aufteilt und die Kulturgeschichte eines Jahrhunderts beschreibt. Mit etwa 400 Ausstellungsstücken der Sammlung des Stadtmuseums wird der Besucher in eine Zeit zurückgeführt, in der Göteborg sowohl eine der bedeutendsten Militärstädte Schwedens war als auch die vermutlich bedeutendste Handelsstadt des Landes.


Die Ausstellung im Stadsmuseum zeigt weniger das Leben des gewöhnlichen Bürgers, sondern das Leben und die Umgebung jener, die der Stadt ihre Größe gaben und mit neuen Ideen die vorhergehende Gesellschaftsform zu Grabe trugen. Es handelt sich hierbei weniger um große Denker und Wissenschaftler, sondern vor allem um reiche Einwanderer, die neue Ideen nach Schweden brachten.


Allein schon das Gebäude, in dem das heutige Stadtmuseum untergebracht ist, ist ein Zeichen des 18. Jahrhunderts, da es von den Ostindien Kompanie als Lager und Auktionshaus ab 1747 erbaut wurde. Es ist daher auch selbstverständlich, dass man unter den Ausstellungsgegenständen auch Tee, Seide und Porzellan findet, das Schiffe wie die Ostindienfararen Götheborg einst aus Asien mitbrachten.


Während die militärische Geschichte Göteborgs des 18. Jahrhunderts sich vor allem auf die Beschreibung der Befestigung Göteborgs erstreckt, wobei auch die Holzkiste ausgestellt wird, wo einst der Schlüssel der Stadt unter permanenter Bewachung untergebracht wurde, wird die industrielle Geschichte jener Epoche an mehrere Beispielen sehr deutlich dargestellt, unter anderem an Hand des Carnegie Imperiums, das in jenem Jahrhundert Bier in Klippan braute und dort auch eine Zuckerraffinerie unterhielt.


Wer durch die vier Räume wandert in der das Göteborg des 18. Jahrhunderts dargestellt wird, findet natürlich auch Kleidung, Schuhe, Einrichtungsgegenstände oder auch Globen, die die Aufgliederung der Erde aus der Warte jener Zeit zeigen. Mehrmals ergänzen dokumentarische Filme die ausgestellten Gegenstände, so dass der Besucher auch die Verbindung zur Gegenwart verstehen lernt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 16. November 2009

Stenpiren, das Steinpier bei Skeppsbron in Göteborg

Das Stenpiren oder Steinpier, das Skeppsbron am Stora Hamnkanalen abschließt war die erste Kaianlage Göteborgs. Zu Beginn handelte es sich jedoch nur um keine so stabile Anlage wie heute, sondern um eine einfaches Holzpier, das im Laufe der Zeit immer mehr ausgebaut wurde um der wachsenden Schifffahrt auf dem Göta Älv Platz zu schaffen.


In den Jahren 1844/1845 wurde dann das Stenpiren im heutigen Stil erbaut, das jedoch etwas weiter in den Göta Älv hinausragte als das heutige. Hier legten in den folgenden Jahren sämtliche Boote an, die die Göteborger Schären anliefen, aber auch die Passagierboote nach Marstrand, Uddevalla, Lysekil oder Oslo, was schließlich zu einer Überlastung des Piers führte und neue Hafenanalagen an anderen Stellen der Stadt erforderte.


Gegenüber des Piers findet man auch heute noch das frühere Zollgebäude und den Wasserweg zum Stora Hamnkanalen öffnete schon immer eine Drehbrücke, die den Fischern den Zugang erst zum Fischmarkt am Lilla Torget und dann zum Gustav Adolf Torg bot. Hier kamen jedoch auch die Waren für die Ostindische Kompanie an oder verließen Göteborg zu den bedeutendsten Handelsplätzen Europas.


Das Delawaremonument auf dem Stenpiren erinnert an die zahlreichen schwedischen und finnischen Auswanderer, die dieses Pier als letzte Erinnerung an Göteborg haben. Auch wenn das Neuschweden in Amerika keinen langen Bestand hatte, so blieben die Aussiedler, denen das Monument gewidmet ist dennoch im fernen Lande.


Und selbst während des zweiten Weltkrieges hatte das Stenpiren noch seine Bedeutung, denn hier verließen zahlreiche Hilfsschiffe Göteborg in friedlicher Mission, was dennoch für viele Seeleute die letzte Fahrt bedeutete. An all diese Seefahrer richtet sich das Erinnerungsdenkmal Krigsseglare auf dem Pier. In den nächsten Jahren wird das Stenpiren nun seine nächste Verwandlung vornehmen, wenn ganz Skeppsbron eine neue Bedeutung bekommen wird. Vielleicht werden dann die letzten Erinnerung an die Vergangenheit des Stenpiren, wie auch die letzten dort liegenden Ausflugsboote, von hier verschwinden um dem Pier andere Wege zu weisen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Originalstich: Stadsmuseum Göteborg

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Das Ostindiska huset, heutiges Stadtmuseum in Göteborgs

Als die Ostindische Kompanie im Jahre 1746 ihre Privilegien für weitere 20 Jahre verlängert bekam, entschieden sich die Direktoren des Unternehmens ein eigenes, zentrales Gebäude zu errichten, das sowohl als Bürohaus, Lagerhalle und Auktionsgebäude dienen sollte. Sie entschieden sich, auf den bei einem Großbrand abgebrannten Gebäuden an der Norra Hamngatan ein Bauwerk in der Größe eines ganzen Quartiers zu errichten.


Nach dem Untergang der Ostinidenkompanie zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das gesamte Gebäude1807 schließlich versteigert und von Niklas Björnberg erworben. Bereits im Dezember 1861 richtete sich das neu gegründete Göteborger Museum in den Räumen des Ostindiska huset ein. In den Jahren 1894 bis 1896 wurden nochmals größere Umbauten und Renovierungsarbeiten ausgeführt, die jedoch die Fassade kaum berührten.


Das Ostindiska huset sollte nach den Plänen des Architekten Bengt Wilhelm Carlberg in vielen Zügen dem Schloss in Stockholm ähneln, was die ursprünglichen Pläne beweisen. Da jedoch die übergeordnete Behörde in Stockholm ein Geschäftshaus nach Schlossmuster als unangebracht erachteten, musste Carlberg die Pläne ändern, was dem Gebäude in großen Linien das heutige Aussahen gab.


Nach den vorgeschriebenen Änderungen entstand daher ein klassisches Gebäude mit französischem Einfluss, was man an der der Stora hamnkanalen zugewandten Fassade deutlich erkennen kann. Vom Innenhof der damaligen Zeit ist heute leider nichts mehr vorhanden.


Nach dem Untergang der Ostindiska kompaniet in Göteborg richtete sich im Jahre 1930 zuerst das Naturhistorische Museum in den Räumen ein, bevor 1961 das Göteborg Museum gegründet wurde. 1863 richtete sich die Slöjdföreningen (heute HDK) in den Gebäuden ein und 1865 der Vorgänger der Kunsthochschule Valand (Rit- och Målarskola). Seit 1993 beherbergt das Ostindiska huset nun das Stadsmuseum Göteborg.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 10. Oktober 2009

Norra Hamngatan Nummer 4 am Stora hamnkanalen in Göteborg

Als Göteborg von Gustav II Adolf gegründet wurde lagen auf der Nordseite des Stora hamnkanalen mit Sicherheit keine Häuser, da dieser Teil der heutigen Stadt ausschließlich Befestigungszwecken und der Verteidigung diente. Und dennoch ist das heute sichtbare Haus nicht mehr das erste Gebäude, das an diesem Platz stand.


Das erste Mal, dass das Haus Nummer 4 in der Norra Hamngatan erwähnt wird war 1720, als der Kommandant Christen Gathenhielm es bewohnte. Da es sich damals um ein einfaches Wohnhaus handelte ist über jene Zeit kaum etwas überliefert. 1784 erwarb bereits Anna Björnberg das Gebäude, das dann längere Zeit in der Familie blieb.


1815 wurde das Haus von Niklas Björnberg erweitert, der von 1806 bis 1813 Direktor der Ostindien Kompanie war. Björnberg war zu jener Zeit einer der reichsten Männer Göteborgs, der sein Vermögen vor allem durch Schnapsbrennerei erwarb, was ihm wenige Jahre zuvor, während der Hungerjahre Göteborgs, erhebliche Probleme einbrachte und das Volk seinen Schnapsvorrat ins Wasser goss.


Vermutlich brannte sein Haus, das entgegen der königlichen Vorschriften in Holz erbaut war, bei einem der zahlreichen Grossbrände dieser Zeit nieder, so dass Max Malm, ein reicher Großhändler Göteborgs, 1882 hier ein Gebäude in Neurenaissance errichten konnte, das er innen und außen bis zum Kitsch dekorieren ließ. Die unteren beiden Etagen dienten als Büro, während die oberen beiden Wohnfläche waren.


Wie man auf einem alten Stich feststellen kann war das Gebäude ursprünglich das höchste in der Häuserreihe. Max Malm bewohnte das Haus jedoch nur bis 1893. Nach dieser Zeit wechselten die Besitzer mehrmals und das Gebäude diente für Mietwohnungen. Verwitterungen machten jedoch im Jahre 1983 bedeutende Renovierungsarbeiten nötig, was den Charakter des Hauses, außer der Fassade, veränderte und ihm auch die Dominanz über die Nachbarhäuser nahm. Seit 1987 ist das Gebäude unter Denkmalschutz.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin (Stich: Göteborgs Stadsmuseum)