Dienstag, 18. Mai 2010

Das Gullbergskajen in Göteborg

Wer den Göta Älv auf der Seite von Lilla Bommen weiter stromaufwärts entlang geht, kommt, nach der Götaälvbron, an den Gullbergskajen, der in Göteborg mehr unter Drömmarnas Kaj (das Kai der Träumer) und als Döda Skeppens Kaj (das Kai der toten Schiffe) bekannt ist als unter seinem wahren Namen. Wer hier an einem Sonnentag entlang spaziert wird die beiden Namen sehr schnell verstehen.


Während der erste Teil des Kais, außer einem gesunkenen Boot, auch noch ein Hotel aufweist und andere Schiffe als Wohnungen, Cafés oder Restaurants dienen, ist der zweite Teil des etwa 600 Meter langen Kais mehr ein Museum, an dem zahlreiche kleinere und größere Boote liegen, die, falls sie nicht bereits mehr unter als über Wasser liegen, repariert werden.


Genau genommen wird dieser Teil des Kais von einem gemeinnützigen Verein (Fartygsföreningen Gullbergskajen Göteborg) verwaltet, der das Ziel hat kulturhistorische Fahrzeuge in Stand zu halten und zu reparieren. Die Ziele der Mitglieder sind sehr unterschiedlich, wobei manche davon träumen mit ihrem Boot irgendwann nach Indien aufbrechen zu können, andere nur ein Museumsstück erhalten wollen.


Was auch immer die Ziele der Mitglieder des Vereins sind, so gehört zu jedem Aufenthalt in Göteborg auch ein Besuch des Gullbergskajen, einem Ort, der bereits sehr häufig in schwedischen Filmen zu sehen waren und über den seit den 70er Jahren jede Art von Gerüchte kreisen und dem Drömmarnas Kaj eine gewisse Mystik verleihen.


Am Gullbergskajen herrscht fast das ganze Jahr über eine rege Aktivität, wobei jedoch auch jedes Jahr das eine oder andere Boot auf dem Grund des Göta Älv landet. Auf der trockenen Seite des Kais findet man ein weiteres Museum mit Bootsteilen, Motoren und entdeckt, dass sich Liebhaber alter Boote auch für andere Antiquitäten interessieren, so für alten Autos oder Motorrädern.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 17. Mai 2010

Aktivitäten im und am Rosenlundskanal in Göteborg

Der Rosenlundskanalen ist ein Teil des Göteborger Kanalsystems und ist Teil des ursprünglichen Vallgravens. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Rosenlundskanal eine der wichtigsten Hafenanlagen Göteborgs, vor allem für Fischkutter. Die Kaianlage ging über etwa 1200 Meter, wobei die beiden Seiten des Kanals permanent von reger Aktivität zeugten.


Heute ist die Feskekôrka, die Fischkirche, der bedeutendste Anziehungspunk des Rosenlundskanalen. Abends zieht noch das schwimmende Restaurant, der nur wenige Meter entfernt verankert liegt, Besucher an, aber der Ruf der parallelen Rosenlundsgatan als Straßenstrich Göteborgs lässt Besucher abends selten den Esperantoplatsen verlassen an dem das bekannte Språkcafét der Stadt liegt und ein Treffpunkt verschiedener Kulturen ist.


Auch wenn heute keine größeren Boote mehr in den Rosenlundskanal vordringen können, so gewinnt der Kanal dennoch zweimal im Jahr eine gewisse Bedeutung. Zu Christi Himmelfahrt treffen sich vor allem hier die Angler der Stadt zum jährlichen Vallgravsmete um ihr Glück zu versuchen. Während die gefangenen Fische vor einigen Jahren noch als ungenießbar galten, kann man sie heute bereits getrost in der Küche zubereiten und essen.


Ein etwas minderes Ereignis am Fiskekajen vor der Feskekôrka ist dann die Zeit des Nollning, wenn die neuen Studenten der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg ihre „Studentenprüfungen“ ablegen müssen, während gleichzeitig die Besucher Göteborgs mit den Paddan-Booten den Rosenlundskanal entlang fahren.


Das letzte große Ereignis des Jahres am Rosenlundskanalen ist der Ruderwettkampf nach englischem Stil bei dem die Teilnehmer der verschiedenen Universitäten und Hochschulen um den Titel kämpfen. Dieser Tag ist gleichzeitig ein großes Fest am Fiskekajen und ist der einzige Tag des Jahres, an dem der Platz wieder so animiert ist als zu jener Zeit, als hier die öffentlichen Fischmärkte statt fanden.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin - Erstes Bild: Stadsmuseum Göteborg

Freitag, 14. Mai 2010

Das systematische Feld im Botanischen Garten in Göteborg

Während man ursprünglich die Pflanzen nach Linnés Idee ordnete, was bedeutet, dass das Aussehen einer Pflanze in der Vordergrund gesetzt wurde, begann man Ende des 19. Jahrhunderts von dieser Einteilungsmethode zu einer neuen überzugehen, die die Evolution der Pflanzen in den Vordergrund stellt. Dieser Idee folgt auch der Botanische Garten in Göteborg, selbst wenn die Büste Linnés das systematische Feld dominiert.

Helleborus Orientalis (Große Weihnachtsrose)

Der Aufbau des systematischen Garten des Botaniska Trädgården in Göteborg folgt einem Diagramm, das Gertrud Dahlgren zwischen den Jahren 1970 und 1980 erstellte. In einzelnen Gruppierungen entdeckt man in diesem Teil des Gartens jeweils Pflanzen des gleichen Geschlechts im Hinblick auf ihre Evolution. Zur Erklärung findet man am Rande des systematischen Feldes eingehende Erklärungen.


Polygala chamaebuxus (Buchs-Kreuzblume)

Wenn man alle Blumen dieses Teiles des Botanischen Gartens sehen will, so muss man ab Anfang April im Abstand von jeweils drei Wochen den Botaniska Trägården besuchen, denn bereits im Mai findet man von den zeitigsten Blumen nur noch die grünen Blätter, über die die Pflanzen neue Kraft für die nächste Blüte bekommen.

Trillium grandiflorum (Großblütiges Dreiblatt)

Ein Teil der Pflanzen des systematischen Feldes kann man natürlich auch an anderen Stellen des Botanischen Gartens finden, denn Krokusse, Schachblumen, Sauerklee, Schafgarbe oder Buxbaum kommen überall in Schweden selbst in freier Natur vor und dienen an dieser Stelle der Anlage mehr der Erklärung der Systematik als außergewöhnliche Blüten zu zeigen.

Uvularia grandiflora (Hänge-Goldglocke)

Das systematische Feld bietet jedoch ab Mai auch Blumen, die man in Schweden nur selten zu Augen bekommt und hier unter den „üblicheren“ Pflanzen Schwedens innerhalb einer Familie entdeckt werden können. Besonders interessant sind hier die Buchs-Kreuzblume, das Großblütige Dreiblatt oder auch die Hänge-Goldglocke.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 13. Mai 2010

Vögel in den Parks Göteborgs

Selbst wenn die Parks und Grünanlagen in Göteborg ein sehr reiches Vogelleben haben, wo Finken, Meisen, Rotkehlchen, Kleiber und andere Kleinvögel Schutz in den Kronen der Laubbäume suchen, so sind sie jedoch nur selten sichtbar wenn sich viele Menschen in der Umgebung aufhalten. Diese Vogelwelt entdeckt man oft nur am frühen Morgen, wenn man zusätzlich mit etwas Geduld gewappnet ist.


In Teichnähe und den Grünflächen entlang der Kanäle Göteborgs teilen sich meist Möwen und einige Entenarten die Reviere, die wenig Angst vor Menschen zeigen und oft auch auf Futter warten, das viele Besucher der Parks, vor allem um die Mittagszeit, mit ihnen teilen. Da diese Wasservögel keine Feinde in Parks und den Anlagen haben, breiten sie sich in Göteborg immer weiter aus.


Einer der am wenigsten ängstlichen Vögel Göteborgs ist die Wacholderdrossel, die sich in Göteborg selbst in der kleinsten Grünfläche ansiedelt und vor den Augen der Parkbesucher auf Nahrungssuche geht. Viele von ihnen lassen Menschen bis auf ein bis zwei Meter nahe kommen bevor sie mit einigen schnellen Schritten den Abstand wieder vergrößern.


Der häufigste Vogel aller Parkanlagen Göteborgs ist die Amsel, die jedoch bei weitem nicht das gleiche Vertrauen zu Menschen hat wie die Wacholderdrossel. Wer sich ruhig verhält kann doch sehr häufig die Pärchen entdecken, wobei bei Amseln die Geschlechter leicht zu erkennen sind und im Frühling auch die Farbänderungen des helleren Weibchens sehr gut zu beobachten sind.


In den größeren Parks wie dem Schlosswald oder dem Botanischen Garten sind drei weitere Vögel ständig auf der Nahrungssuche und zeigen sich den Besuchern ohne jede Angst. Es handelt sich dabei vor allem um die Elstern, Dohlen und Nebelkrähen, die ihre Reviere gegenüber Artgenossen in der Regel sehr gut verteidigen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Mittwoch, 12. Mai 2010

Destination X im Weltkulturmuseum in Göteborg

Bis Dezember 2011 findet man im Världskulturmuséet (Weltkulturmuseum) in Göteborg die Ausstellung Destination X, die, wie schon der Name sagt, das Reiseverhalten der Menschen über Jahrhunderte hinweg schildert und selbst versucht, das zukünftige Reiseverhalten aufzuzeigen. Reise bei Destination X bezieht sich auf freiwilliges Reisen und nicht auf zwangsweises Reisen während Völkerwanderungen, Eroberungen oder Strafreisen.


Ein Teil der Ausstellung ist den Reisemitteln gewidmet, denn nicht immer gab es Flugzeuge oder Autos. Boote dagegen gehörten mit zu den ältesten Fortbewegungsmitteln, so dass auch die Ausstellung Destination X mit diesen Fortbewegungsmitteln beginnt und selbst eine alte Seekarte der Marshallinseln zeigt, die mit dem heutigen Kartenmaterial nichts mehr gemeinsam hat.


Ein anderer Teil der Ausstellung zeigt Koffer, Rucksäcke, aber auch Schuhe und Kleidungsstücke, die man einst für Wanderungen in den verschiedensten Teilen der Welt benutzte, oder Souvenirs aus den exotischsten Ländern, die heute zu Antiquitäten zählen und zu teuren Sammelwerken wurden, obwohl man sie vor hundert Jahren für wenige Cents auf einem Marktplatz in Indien oder Südamerika erwerben konnte.


Wer sich mehr für Reiseziele interessiert, findet neben dem Zugang zu Youtube und privaten Bildern von Besuchern der Ausstellung vor allem die etwas exotischeren Ziele beschrieben, aber auch Thailand, das jedes Jahr mehr Touristen anzieht. Aber auch Ziele, die man weniger in Katalogen von Reiseunternehmern findet werden bei Destination X im Weltkulturmuseum vorgestellt, denn Pilgerreisen unterschiedlichster Art ziehen bisweilen in nur wenigen Tagen Millionen von Besuchern an.


Eine Ausstellung wie Destination X in Göteborg wäre natürlich nicht vollständig, wenn man nicht auch von unterschiedlichsten Geräuschen unterhalten würde und Multimediavorführungen mit Reiseberichten zu einem kurzen Aufenthalt einladen würden. Oder wenn man nicht nach den Ursachen fragen würde, warum Menschen heute reisen. Noch heute reisen viele Menschen nicht nur um einen Urlaub an einer unbekannten Stelle zu verbringen, sondern auch um der Armut oder einer Verfolgung zu entkommen.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Dienstag, 11. Mai 2010

Kunstausstellung in der Stadtbibliothek zum HBT-Festival in Göteborg

Während des vierten HBT-Festivals in Göteborg nimmt sich auch die Ausstellungshalle der Stadtbibliothek des Themas an und präsentiert mehrere bekannte Künstler, die das Thema auf ihre sehr persönliche Weise angehen, sowohl in Form von Fotos, als auch Webarbeiten, Collagen und einer Videoinstallation. Die Ausstellung richtet sich an ein sehr breites Publikum und kann selbst in Schulen eine Aufklärungsarbeit über Homosexualität, Bi-Sexualität und Transsexualität leisten.


Bereits einen Tag vor der Eröffnung des HBT-Festivals konnte man in der Stadtbibliothek die Fotoausstellung Kathoey sehen. Als Kathoey wird in Thailand eine transsexuelle Frau bezeichnet. Die Ausstellung zeigt jedoch nicht nur Fotos transsexueller Frauen, sonder wird durch Texte ergänzt, die dem Betrachter die Situation dieser Frauen in der thailändischen Gesellschaft näher bringt.


Ein weiterer Teil der Ausstellung wird von der Stockholmer Fotografin Sussie Hedlund bestritten, die bereits beim Pridefestival in Stockholm großen Erfolg mit ihrem Werk Fittröra hatte. Sussie Hedlund fotografiert Frauen, was im Prinzip nicht zum denken anregt. Aber sie fotografiert nur Teile von Frauen aus einer bestimmten Warte, was ihre Arbeit zu einem besonderen Erlebnis macht.


Einen weiteren Teil der Ausstelllung in der Göteborger Stadtbibliothek nehmen die Webarbeiten von der 1929 in Blekinge geborenen Gun Nordstrand ein. Ihre Arbeiten sind eine Erzählung der politischen Geschichte Schwedens, wobei die Künstlerin, die heute in Stockholm lebt, auch die Frage der Sexualität sehr häufig in den Vordergrund ihrer Arbeiten stellte.


Außer der Videoinstallation, die vor allem in den Iran führt, findet man noch eine Ausstellung von Bildern und Collagen von Charlotta Norén, die Text und Bild verschmelzen lassen und mehr Fragen stellen als Lösungen bieten. Die Texte auf ihrer Collage muss man einwirken lassen um anschließend darüber nachdenken zu können.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 10. Mai 2010

Kunst in Annas Gård in Högsbohöjd in Göteborg

Högsbohöjd gehört zum Göteborger Stadtteil Högsbo und liegt auf einer Anhöhe direkt neben dem Ruddalen. Es setzt sich aus mehreren größeren Wohneinheiten zusammen, die alle eigene Namen tragen. Die bedeutendsten Ansiedlungen setzen sich aus einem Frauennamen und dem Wort Gård, was früher ein landwirschaftliches Gut war, zusammen. Vor allem der Begriff Gård weist darauf hin, dass sich noch Mitte des letzten Jahrhunderts an diesen Stellen landwirtschaftliche Fläche befand.


Die verschiedenen Baueinheiten oder Wohnkomplexe gruppieren sich jeweils um einen Innenhof mit Grünfläche, Spielplatz und Grillplatz. Die Baugesellschaft Poseidon beauftragte mehrere Künstler des schwedischen Skulpturförbundets damit, zu den Baueinheiten auch Kunstwerke zu schaffen, die sich in die sehr nüchterne Architektur der 60er Jahre einpasst.


Die Baugesellschaft hat es damit erreicht Högsbohöjd zu einem kleineren Skulpturenpark zu machen bei dem Architektur, Grünfläche und Kunst eine Einheit bilden und wo jede Wohneinheit eine Art Wohngemeinschaft bildet, die individuell gestaltet ist.


Eine besondere Rolle nimmt dabei Annas Gård ein, dem nicht nur ein Elch aus Bronze seinen Charakter gibt, sondern wo im Jahre 1996 alle 14 Eingänge auch eine individuelle Skulptur erhielten, die im gleichen nüchternen und vereinfachten Stil des Elchs gehalten sind und verschiedene Tiere mit leuchtend blauen Augen darstellen. Leider wurden mittlerweile einige Augen von den Bronzeköpfen abgeschlagen.


Sämtliche Skulpturen im Annas Gård wurden von der Stockholmer Künstlerin Ragnhild Alexandersson geschaffen, was den Gebäuden eine gewisse Persönlichkeit gibt. Ragnhild Alexandersson, die in Stockholm Kunst studierte, hat eine eigene Sprache geschaffen und beschränkt sich bei ihren Skulpturen auf ein Minimum. Es ist daher nicht ganz einfach die 14 abgebildeten Tiere an den Eingängen des Annas Gård nur so im Vorbeigehen erkennen zu können.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin