Montag, 18. Oktober 2010

Die Haga Nygatan in Göteborg

Der Stadtteil Haga in Göteborg gehört zu jenen Teilen der Stadt, die vermutlich jeder Besucher während seines Aufenthalts mindestens einmal besucht. Viele der Besucher betrachten Haga als Altstadt Göteborgs, da man hier die so typischen Landshövdingehus findet und vieles an den Beginn des 19. Jahrhunderts erinnert. Auch wenn der Begriff Altstadt bei Haga völlig falsch angewandt wird, so handelt es sich dennoch um einen geschichtsträchtigen Teil Göteborgs.


Wer Haga besucht meint meistens nicht den gesamten Stadtteil, sondern vor allem die Fußgängerzone Haga Nygatan, die die Haga Kyrkan mit der Landsvägsgatan und damit dem Järntorget verbindet, da diese Straße zu den animiertesten Göteborgs gehört und hier das Leben zu pulsieren scheint. Hier findet man im Herbst die biologischen Märkte und zu Weihnachten den bekanntesten Straßen-Weihnachtsmarkt der Stadt.


Die meisten Bauwerke an der Haga Nygatan waren früher Arbeiterwohnungen, die dann später von Künstlern bewohnt wurden und sich heute zu teuren Spekulationsobjekten entwickelten. In den Erdgeschossen von fast jedem der Gebäude an der Haga Nygatan findet man einen besonderen Laden, ein kleineres Restaurant oder ein Café, die alle sehr gut besucht sind. Das bekannteste Gebäude an der Straße ist vermutlich das Café Husaren, wo man die größten Zimtschnecken Göteborgs findet.


Aber auch wer alte Bücher oder antike Gegenstände in Göteborg sucht, wird zuerst die Haga Nygatan besuchen, wo man in den meisten Fällen fündig wird. Wer die Straße und das Ambiente entdecken will, muss sich Zeit nehmen, den einen oder anderen Laden betreten, und vor allem von einem der Straßencafés aus das rege Leben betrachten.


In der Haga Nygatan findet man das kleine Museum „Eisenträger Pettersson“, das nur sehr wenige Tage im Jahr besichtigt werden kann und die Skulptur Hagas Historia. Von hier aus sollte man auch einen kurzen Abstecher zum 200 Meter seitlich liegenden kleinen Linnéparken machen, von wo aus man über unzählige Treppen auch die frühere Verteidigungsanlage Skansen Kronan erreichen kann und einen unvergesslichen Blick über Göteborg gewinnt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Sonntag, 17. Oktober 2010

Herbstliches Cafémilieu in Göteborg

Göteborg gehört zu den Städten in denen mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühling Cafés ihre Stühle und Tische an die Straße stellen, wo sie dann bis November stehen und Gäste anzuziehen. Jeder Strahl Sonne wird hier mit einem Kaffee verbunden, der im Freien getrunken wird. Aber selbst zu Afterwork um 17 Uhr findet man noch bei Temperaturen von gerade einmal 6 Grad noch jemand, der sein Bier und Essen im Freien einnimmt.


Wer dieses Gefühl der Göteborger zu ihren Straßencafés erleben will, muss an einem Sonnentag nur an der Avenyn, der Vasagatan, der Linnégatan oder der Haga Nygatan suchen, denn hier treffen sich alle Schichten der Bevölkerung und genießen in einem der zahlreichen Cafés die geringste Wärme, die die Sonne nach Göteborg trägt.


Während man während der touristischen Epoche im Sommer oft kaum einen freien Platz an den Tischen der Straßencafés findet, die oft auch kleinere Gerichte anbieten und bisweilen selbst eine Schankgenehmigung haben, findet man im Frühling und Herbst fast immer einen freien Tisch, wobei jedoch, vor allem an einem sonnigen Samstag, in der Haga Nygatan die Schlange zur Theke beträchtlich lang sein kann.


Da es im Oktober oder November jedoch, selbst bei Sonne, nicht mehr so warm in Göteborg ist, dass man sich, ohne besondere Vorkehrung, ungeschützt lange an einen Tisch an der Straße setzen will, bieten die Cafés in Göteborg einen Service, der allen Gästen sehr willkommen ist. Auf jedem Stuhl findet man bei kühler Witterung eine Wolldecke, die man sich auf die Knie legen oder in die man sich einwickeln kann.


Im Gegensatz zu Südfrankreich oder Spanien, wo man die kühle Luft durch die Installationen unterschiedlicher umweltfeindlicher Heizquellen aufwärmt, will die Mehrheit der Göteborger wirklich die Sonne genießen und fühlen und wärmt sich daher mit einer natürlichen Quelle auf, einer Wolldecke. Mit dieser Methode kann man in Göteborg acht Monate lang im Freien einen Kaffee trinken und von der Sonne profitieren.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 16. Oktober 2010

Steinmetz Christer Ohlsson im Röhsska in Göteborg

Zwischen dem 16. Oktober und dem 21. November stellt erneut ein Handwerker sieben Kunstwerke im Röhsska Museum in Göteborg aus. Zum neunten Mal wurde nun ein Handwerker damit betraut seine Arbeit in künstlerischer Weise darzustellen. Die vorher ausgestellte Maurerin Katarina Ekestubbe hatte Christer Ohlsson gewählt, der sonst nur im Großformat arbeitet.


Der Steinmetz Christer Ohlsson sollte, wie bereits seine Vorgängerin, sieben Werke schaffen, die die Vielseitigkeit der Arbeit eines Steinmetz ausdrückt, wobei auch Christer gezwungen war seine Werke an die Größe der Ausstellungskästen anzupassen und erstmals aus einem Handwerk in vorgegebener Zeit Kunst zu machen, die auch Besucher der Röhsska Museums anspricht.


Christer Ohlsson arbeitet seit 23 Jahren als Steinmetz, wobei er Granit als Arbeitsmaterial bevorzugt. Wer seine Aussage, dass Stein eine lebende Materie ist, verstehen will muss nur seine Werke und die verschiedenen Arten von Granit genauer betrachten und dann die Lebenszeit einer Materie relativieren. Für Granit sind 1000 Jahre zu sehen wie ein Tag für einen Menschen.


Wer die sieben Werke Christer Ohlssons im Röhsska betrachtet, versteht auch, dass man Stein mit Gefühl und Respekt behandeln muss und dass ein einziger falscher Schlag mit einem Meißel einen gesamten Block zerstören kann. Nur wer Stein fühlen kann wie Christer ist auch in der Lage aus einem Stück fast unförmigen Steines eine fein strukturierte Kugel entstehen zu lassen.


Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Formen wie jene, die Christer Ohlsson nun im Röhsska Museum ausstellt, von Kunsthandwerkern geschaffen um bedeutende Gebäude zu personalisieren und um Pfeiler von Parkanlagen künstlerisch erscheinen zu lassen. Heute greift man, auch aus finanziellen Gründen, zu Betonguss, dem die Wärme und die Persönlichkeit von Stein fehlt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Freitag, 15. Oktober 2010

Amazing Graphics in der Stadsbibliotek in Göteborg

Vom 16. bis zum 21. Oktober präsentiert die Sektion für Grafik der Göteborger Kollektivverkstad für Künstler in der Göteborger Stadsbibliotek ihre jüngsten Werke. Die sogenannte Grafikverkstad mit etwa 40 Mitgliedern benutzt alle grafischen Techniken zwischen Linoldruck, Lithografie und Kupferstich. Während der aktuellen Ausstellung kann man die Werke von 12 grafischen Künstlern des Västra Götalands finden.

Künstler: Jacqueline Nowicka

Die Konstnärens Kollektivverkstad Göteborg (KKV) im Kulturreservat Klippan ist ein Künstlerverein, der 1974 gegründet wurde um aktiven Künstlern den Zugang zu Einrichtungen zu bieten, die sich einzelne Künstler entweder nicht leisten können oder in einem normalen Künstleratelier keinen Platz finden und daher im Gebäude des alten Zuckerbruchs gemeinsam genutzt werden können.

Künstler: Nigel Ford

Die Ausstellung Amazing Graphics ist die dritte Ausstellung des Jahres der grafischen Sektion bei der ein größeres Publikum nicht nur die Arbeiten der Künstler betrachten und kaufen kann, sondern wo die Gruppe auch über Arbeitsmethoden spricht und eine kleinere Ausstellung mit künstlerischem Werkzeug bietet und dem Besucher damit einen kleinen Einblick in die technischen Möglichkeiten bei der Schaffung von künstlerischer Grafik bietet.

Künstler: Eva Hallström

Da es sich bei grafischer Kunst nur selten um Einzelexemplare, sondern um limitierte Auflagen handelt, sind die Werke in der Regel relativ preisgünstig und werden nicht nur von Privatpersonen, die grafische Kunst zu schätzen wissen, erworben, sondern vor allem auch von öffentlichen Institutionen und Unternehmen, die mit Kunst die Monotonie einer Wand durch ein künstlerisches Werk unterbrechen wollen.

Künstler: Inger Berholdsson

Die in der Stadsbibliotek ausgestellten Werke sind nicht nur von der angewandten Technik sehr unterschiedlich, sondern spiegeln auch die Persönlichkeit der verschiedenen Künstler. Da die Aufnahmebedingungen für die KKV voraussetzen, dass jeder Künstler über eine solide Kunstausbildung verfügt und von seiner Kunst leben kann, stellen in der Stadsbibliotek nur die besten grafischen Künstler Göteborgs und des Västra Götalands aus.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Die Bostadsmässan 2010 in Göteborg

In Göteborg, wie auch in ganz Schweden, spielen Eigentumswohnungen nach schwedischem Modell eine bedeutende Rolle. Nicht nur Neubauten werden sehr häufig nach diesem Modell erbaut, sondern auch ältere Gebäude werden sehr häufig in Bostadsrättswohnungen umgewandelt, was bedeutet, dass die Bewohner zwar die Wohnung besitzen, sämtliche Arbeiten und die laufenden Kosten dann in monatlichen Zahlungen, teils in beträchtlicher Höhe, leisten müssen.


Die Bostadsrättsmässan, die vom 14. bis zum 16. Oktober in der Svenska Mässan in Göteborg stattfindet, richtet sich zum Teil an die Besitzer dieser Eigentumswohnungen, vor allem jedoch an die Verwalter entsprechender Gebäude oder Wohnkomplexe und Baufirmen, die in Wohnungen nach Bostadsrätt setzen. Obwohl dieser Markt in Schweden eine astronomische Höhe erreicht, findet man auf der Bostadsrättsmässan in Göteborg bisher relativ wenige ausländische Anbieter.


Das Leitthema der Bostadsrättsmässan 2010 ist Energie sparen, zukunftsweisendes Wohnen und Komfort, auch wenn man dieses Thema nirgends direkt beworben sieht. Zahlreiche der Anbieter haben jedoch eine Lösung zur Einsparung von Energie oder der optimalen Nutzung vorhandener Energie parat. Zwischen optimal isolierten Fassaden bis zu verglasten Balkonen findet man jeden Anreiz des umweltgerechten Bauens und Renovierens.


Während ein klimagerechtes Modellhaus alle problematischen Aspekte eines Hauses mit einfachsten Worten und Demonstrationen erklärte, wo selbst der richtige Standort des Kühlschranks und des Mikrowellenherdes besprochen wird, greifen einzelne Stände vor allem die Probleme von Heizung, Warmwasser oder Abfallbeseitigung auf, wobei jeder Stand mit Zahlenbeispielen aufwarten kann und über die jüngsten Bestimmungen Europas in ihren Gesprächen hinweisen.


Auf zwei Bühnen werden während der dreitägigen Messe für Eigentumswohnungen im stündlichen Rhythmus Vorträge und Podiumsdiskussionen veranstaltet, die von alle Themen handeln, die für diese Wohnkomplexe von Interesse sein können. Hier wird über die Computersteuerung in modernen Häusern geredet wie über die gemeinsame Anlage von Grünflächen, Kinderspielplätzen, die Absicherung von Gebäuden oder die ideale Finanzierung.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Kosovo in Progress im Hasselblad Center in Göteborg

Vom 13. Oktober bis zum 21. November findet man im Galleriegang des Hasselblad Centers in Göteborg die Ausstellung Kosovo in Progress des schwedischen Fotografen Åke Ericson, der sich bereits durch mehrere Bildreportagen aus Krisengebieten einen Namen machte, indem er in seinen Bildern nicht zur farbenprächtigen, blutigen Sensation greift.

Åke Ericson

Seit dem Jahr 2000 arbeitet Åke Ericson als freier Fotograf, wobei er im Jahre 2008 in Schweden als Fotojournalist des Jahres ausgezeichnet wurde. Seine Fotos werden in den bedeutendsten Zeitungen und Zeitschriften in der ganzen Welt veröffentlicht, wobei er sich seit dem Jahre 2000 vor allem durch seine Bilder aus dem Ostblock hervorhob.


Für seine Bildreportage Kosovo in Progress reiste Åke Ericson ab dem Jahre 1999 zehn Jahre lang regelmäßig in das gleiche Dorf in Kosovo, das 1998 von der serbischen Luftwaffe angegriffen und in Schutt und Asche gelegt wurde. Da das Dorf Loxha als eine Hochburg der Befreiungsarmee Kosovos betrachtet wurde, kamen die Serben nach dem Luftangriff mit Raupen um selbst den Rest der Häuser dem Erdboden gleichzumachen.


Åke Ericson kam drei Monate nach Ende des Krieges erstmals nach Loxha und begann den Neubeginn dieses Dorfes zu fotografieren, das bis heute nicht seine ursprüngliche Schönheit zurückgewonnen hat, auch wenn Åke seine Aufgabe als Foto-Dokumentalist mittlerweile als beendet betrachtet. Er hat all das fotografiert, das das Leben und die Hoffnung der Dorfbewohner seit dem Krieg ausdrückt.

Loxha 1998

Im Galleriegang des Hasselblad Centers in Göteborg kann man 16 großformatige Fotos zu Kosovo in Progress sehen, die die verschiedensten Aspekte des Dorfes Loxha darstellen. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen Åke Ericsons verstärken die Wirkung der Fotos, die den Wiederaufbau zeigen, nicht nur jenen der Häuser und der Landwirtschaft, sondern auch den moralischen Wiederaufbau, indem er das erste Weihnachten, eine Hochzeit oder in Trümmern spielende Kinder zeigt.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Dienstag, 12. Oktober 2010

Klöppelkunst im Kulturzentrum Frölunda in Göteborg

Zwischen dem 25. September und dem 31. Oktober kann man im Kulturzentrum Frölunda in Göteborg eine Kunstrichtung entdecken, die heute als nahezu ausgestorben gilt. Es handelt sich dabei um die Kunst Spitzen auf traditionelle Weise zu klöppeln. Diese Ausstellung, bei der 20 Kunsthandwerker teilnehmen, trägt den Namen Trådkunst på sin spets, die perfekte Fadenkunst.


Die Ausstellung im Frölunda Kulturzentrum erklärt die Geschichte der Klöppelkunst vom Beginn bis zu den heutigen Tagen, wobei hier nicht nur das jeweilige Handwerksgerät gezeigt wird, sondern auch die Bedeutung von Spitzenkunst in Mode, Schmuckherstellung und als Kunstform betrachtet wird, denn auch wenn die früheren Spitzenkragen oder Deckchen überwiegend verschwunden sind, so lebt die Klöppelkunst heute in neuer Form als Kunsthandwerk fort.


Bei der Ausstellung Trådkunst på sin spets entdeckt man Kunstwerke der bedeutendsten Textilkünstler und Kunsthandwerker Schwedens, aber auch Leihgaben des Vereins Svenska Spetsar und das Vadstena Spetsmuseum. Vadstena kann als das Zentrum der schwedischen Klöppelkunst betrachtet werden, wo man die Tradition des schwedischen Klöppelns bis ins 17.Jahrhundert zurückverfolgen kann.


Parallel zur Ausstellung Trådkunst på sin spets finden im Kulturzentrum Frölunda auch mehrere Workshops und Einführungskurse ins Klöppeln statt. Drei Vorträge über Klöppelkunst im Verlauf der letzten Jahrhunderte runden das Thema ab, wobei hier auch Goldbroderie, Seide und Weben oder Spitzenkragen zur Zeit von Gustav Adolf als Themen mit aufgenommen werden.


Ebenfalls parallel zur Ausstellung Trådkunst på sin spets kommen die vier historischen Klöppelmaschinen, die sich bisher im kleinen Spitzenmuseum in Gingri bei Borås befanden, nach Göteborg. Seit dem 9. Oktober kann man nun die einsatzfähigen Maschinen in der Göteborger Remfabrik finden. Mit Hilfe dieser Maschinen aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts werden dort bis zu 100 verschiedene Spitzen aus Leinen und Baumwolle auf traditionelle industrielle Weise hergestellt.

Copyright Text: Herbert Kårlin - Fotos: Irene Kårlin