Mittwoch, 17. Juni 2009

Sjömanshustru, eine Ausstellung im Sjöfartsmuséet in Göteborg

Jeder, der mit der Stena Line in Göteborg ankommt kennt die Statue der Sjömanshustru, der Frau eines Seemanns, die ihren Blick über die See, oder genauer genommen über Hisingen, schweifen lässt und auf ihren Mann wartet, der von seiner letzten Fahrt nicht mehr zurückkommen wird.


Vom 10. Juni 2009 bis zum 31. Januar 2010 lädt nun das Sjöfartsmuséet (Seefahrtsmuseum) in Göteborg zu einer Ausstellung ein, die ebenfalls den Namen "Sjömanshustru" trägt, aber von den Frauen der Seemänner aus den Philippinen spricht.


Der Journalist Lennart Johnsson und der Fotograf Leif Hansson haben die Philippen mehrmals besucht um das Leben dieser Frauen zu dokumentieren, deren Leben selbstverständlich nicht mehr darin besteht am Hafen zu stehen und zu warten. Sie wollen wissen, was eine Seemannsfrau die lange Zeit über macht, die ihr Mann auf See verbringt und wie sie ihr Leben meistert.


Die Ausstellung "Sjömanshustru" im Sjöfartsmuséet zeigt dem Betrachter der Fotos wie selbständig und selbstbewusst die philippinischen Frauen der Seeleute heute sind. Einige der Frauen haben sich zu Geschäftsfrauen emanzipiert und gleichen in nichts mehr den Vorstellungen der westlichen Welt von einer asiatischen Frau der letzten Jahrhunderte.

Copyright Text: Herbert Kårlin - Copyright Fotos: Leif Hansson

Dienstag, 16. Juni 2009

"De fem världsdelarna" am Järntorget in Göteborg

Der Platz Järntorget im Göteborger Stadtteil Linnéstaden ist bekannt für die historische Arbeiterbewegung Göteborgs, für das Folkets Hus, seine Restaurants und als wichtiger Verkehrsknotenpunkt.


Im Zentrum des Järntorgets befindet sich ein imposanter Brunnen, der für die Bewohner der Umgebung auch ein bedeutender Treffpunkt ist. Der Järntorgetsbrunnen wurde am 12. Oktober 1927 eingeweiht und hat auf seiner Spitze eines der bedeutendsten Symbole Göteborgs: ein Segelschiff.


Der Brunner auf dem Järntorget wurde von der Charles Felix Lindbergs Stiftung finanziert, die zahlreiche künstlerische Monumente, Statuen und Skulpturen Göteborgs ermöglichte. Als Künstler des Brunnens "De fem världsdelarna", die fünf Kontinente, zeichnet Tore Strindberg.


Der Stockholmer Künstler Tore Strindberg lebte von 1882 bis 1969 und hat in Göteborg ein weiteres Kunstwerk hinterlassen: "Krockusflickan", das Krokusmächen, das sich im Kungsparken, nicht weit entfernt vom Järntorget, befindet.


Der Brunnen "De fem världsdelarna" stellt, wie sein Name schon sagt, die fünf Kontinente dar, die durch nackte Bronzefrauen ausgedrückt werden. Amerika hält die Freiheitsstatue in der Hand, Europa sieht sich in einen Spiegel, Australien reitet auf einer Schildkröte, Afrika hält ein Tongefäss in der Hand und Asien meditiert. Das fließende Wasser und das Segelschiff symbolisieren den Welthandel.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Montag, 15. Juni 2009

En stulen värld, im Weltkulturmuseum in Göteborg

Das Världskulturmuséet oder Weltkulturmuseum in Göteborg macht es sich zur Aufgabe Kulturen zu verbinden und die Besucher in eine fremde Welt, fremde Kulturen und eine in Europa fast unbekannte Kulturgeschichte einzuführen.


Die Ausstellung "En stulen värld", eine gestohlene Welt, bleibt der Tradition des Museums treu und führt den Besucher mit seinen Ausstellungsstücken in die alte Welt Perus. In zwei Sälen werden Stoffe, Gürtel und andere Paracas-Textilien ausgestellt. Paracas-Textilien konnten sich auf Grund des dortigen Klimas über 2000 Jahre hinweg erhalten und sind mit ihren eingearbeiteten Symbolen eines der bedeutendsten Zeichen dieser vergangenen Kultur Perus.


Das Ica-Tal aus dem die Paracas-Stoffe kommen war um die Jahrtausendwende dicht besiedelt und Stoffe waren der größte Reichtum der Indios. Die in den Gräber von Archäologen gefundenen Textilien, Krüge und Vasen wurden skrupellos in die Museen der ganzen Welt verteilt. Die Paracas-Keramik übernahm in der Regel die Motive der Stoffe auf Vasen und Krügen.


Auch Göteborgs Museen haben 75 Jahre lang mit dieser "gestohlenen Kultur" Werbung betrieben und Peru damit seiner Identität beraubt, ohne sich darüber irgendwelche Gedanken zu machen. Viele der Ausstellungsstücke waren gestohlen, illegal importiert oder von skrupellosen Politikern in andere Länder verkauft worden. Kultur, die 2000 Jahre lang i der Wüste Perus begraben war wird nun, im Weltkulturmuseum in Göteborg, in seinem ursprünglichen Rahmen dargestellt.


Die Ausstellung kann bis 2010 im Världskulturmuséet besichtigt werden, wobei vor dem Eingang ein "stolen stone" mit alter Bildhauerei des Bohuslän zur kostenlosen Ausstellung einlädt. Ein Symbol dafür, dass man überall eine "gestohlene Welt" findet.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Sonntag, 14. Juni 2009

Vorgeschichtliche Funde im Ruddalen, Göteborg

Auch wenn das Ruddalen in Göteborg vor allem wegen seiner Sporteinrichtungen bekannt ist, so hat diese Grünzone im Südwesten der Stadt jedoch weitaus mehr zu bieten, denn hier findet man Wanderwege, Sumpfgebiet, Seerosenteiche und mehrere Zeichen aus Göteborgs Vergangenheit.


Trotz zahlreicher Zerstörungen in den 50er Jahren, als ein Grossteil der "Wildbereiche" Västra Frölundas dem Bauboom Platz machen musste und archäologische Werte für immer verschwanden, so bewahrte das Ruddalen dennoch sieben vorhistorische Fundstellen.


Etwas abseits der Pfade befinden sich mehrere unterschiedliche Grabstätten (domarring) und Grabfelder (stensättning) aus der Eisenzeit, deren Reste heute unter Schutz gestellt sind und im Volksglauben im Laufe der Jahrhunderte sehr viele Spuren hinterlassen haben.


Zu den bedeutendsten geschichtlichen Erinnerungen Göteborgs gehören die Reste einer Steinbefestigung im Ruddalen. Die Anlage (fornborg) wurde etwa 500 nach Christus errichtet und befindet sich auf dem Slottsberget (Schlossberg), der höchsten Stelle des Ruddalen und ist von den Wanderwegen aus nicht sichtbar und daher auch nicht ganz einfach zu finden.


Eine "fornborg" darf nicht mit einer mittelalterlichen Burg verwechselt werden, da die Verteidigungsmöglichkeiten dieser Befestigungen weitaus eingeschränkter waren. Ihre Gemeinsamkeit war jedoch ein Ausblick in alle Richtungen um die Feinde rechtzeitig ausmachen zu können. In Göteborg bedeutet dies natürlich, dass die Burganlage in Ruddalen nicht nur das Land überwachte, sondern auch einen Blick über die Schären gewährte.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Samstag, 13. Juni 2009

Der Kräutergarten im Botanischen Garten Göteborgs

Die meisten Botanischen Gärten sind für ihre außergewöhnlichen Pflanzen, Gewächshäuser und tropischen Anlagen bekannt geworden in denen heimische Gewächse nur wenig Bedeutung haben, selbst wenn sie über Jahrhunderte hinweg in der Medizin oder der Küche eine wichtige Rolle spielten.


Natürlich hat auch der Botanische Garten in Göteborg seine Abteilungen, die dem Besucher eine ungewohnte Flora zeigen, so den Taschentuchbaum, tropische Orchideen, Bäume aus aller Welt und viele andere Pflanzen und Sammlungen, die fremde Welten öffnen.

Borretsch oder Gurkenkraut (Borago officinalis)

Göteborg bietet jedoch in seinem Botanischen Garten auch mehrere Abteilungen, die dem Besucher die heimische Natur zeigen oder in die Systematik der Pflanzenwelt einführen. Beispiele davon sind der Linnégarten oder der Gemüsegarten (Köksträdgården), in dem die unterschiedlichsten Sorten an Gemüse angebaut werden.

Echte Salbei, Garten-Salbei (Salvia officinalis)

Und dann gibt es seit dem Jahre 2000 noch den "Örtagården", eine Abteilung mit den Heilkräutern, die in Nordeuropa zu Hause sind oder dort angebaut werden. Alle diese Pflanzen wurden einst für medizinische Zwecke verwendet, auch wenn heute die meisten Besucher ihre Nutzen vergessen haben.

Frauenmantel, Taumantel (Alchemilla vulgaris)

Jede Pflanze im Göteborger Kräutergarten ist beschildert und weist in Kurzform auf seine wichtigsten Eigenschaften hin, auch wenn diese Texte nicht ausreichen um die Pflanze zu züchten oder erklären wie ein Tee zubereitet wird, was für unsere Vorfahren noch eine Selbstverständlichkeit war.

Copyright Texte und Fotos: Herbert Kårlin

Freitag, 12. Juni 2009

Marstrand, Volvo Ocean Race und Carlstens Fästning

Die beiden Inseln Marstrand liegen etwa 30 km von Göteborg und befinden sich bereits im Bohus Län. Ihre Lage und ihre Schönheit machen vor allem die autofreie Insel Marstrandsö zu einem beliebten Ausflugsziel der Göteborger und seiner Besucher.


Marstrand ist jedoch weniger berühmt wegen seiner Schönheit, seiner Festung und den historischen FKK-Stränden sondern vielmehr wegen der Marstrandsregatta und der Volvo Ocean Race. Die letztere Regatta macht dieses Jahr zwischen dem 10. und dem 14. Juni Halt in Marstrand, wo die Boote am Kai von Tausenden bewundert werden, bevor die neunte Etappe nach Stockholm angegangen wird.


Wer die Fähre zur Marstrandsö nimmt wird als erstes von der Carlstens Fästning an der höchsten Stelle der Insel begrüßt und im Sommer zu den mittelalterlichen Festspielen einlädt. Tausende von Besuchern besichtigen jedes Jahr die Burg und bewundern dabei die Aussicht über die Küste des Bohus Län. Heute hat eine moderne Fähre und die historische elektrische Straßenbahnfähre dient nur noch Ausflügen.


Marstrand lässt sich sowohl mit einem Kanu, also vom Wasser aus, entdecken als auch zu Fuß, wobei die Insel heute abhängig vom Tourismus ist und daher auch zahlreiche Restaurants und Hotels bietet, die sich ständig etwas einfallen lassen um den Gast zu verwöhnen. Viele von ihnen verführen auch zu Weihnachte mit ihren schon legendären typisch schwedischen Weihnachtsessen.


Marstrand bieten jedoch auch einen 5 km langen Rundwanderweg, der einem Ausflug in die Vergangenheit gleicht mit seinen alten Grotten oder dem Opferstein. Vergangenheit verbindet sich hier jedoch auch mit Neuzeit, die einen Seerosenteich einbetten in Klippen und Felsen mit einer Struktur, die künstlerischen Malereien ähneln.

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin

Donnerstag, 11. Juni 2009

Die Paddan-Boote in Göteborg und dem Göta älv

Die Paddan-Boote Göteborgs feiern dieses Jahr ihren 70. Geburtstag, genau genommen am 15. Juni, da an diesem Tag im Jahre 1939 die erste Fahrt durch den Vallgraven, die Kanäle und einen Teil des Göta älv angeboten wurde.


Die ersten Paddan-Boote konnte gerade einmal 12 Personen an Bord nehmen und die Führungen fanden ausschließlich in Schwedisch statt. Heute finden bis zu 99 Personen Platz in den flachen Paddan und die Führungen erfolgen auch ein Englisch und Deutsch. Von den alten Booten ist heute nur noch ein einziges Exemplar aus den 40er Jahren erhalten.


Die Paddan-Touren beginnen am Kungstorget und dauern im Schnitt 50 Minuten. Sie führen an der Trädgårdsföreningen und der Tyska kyrkan vorbei um dann den Göta älv aufwärts zu nehmen, lassen den Maritiman rechts liegen und kehren erste am Läppstiftet an der Götaälvbron um.


Anschließend gehen die Paddan-Boote am Freihafen und an der Cityvarvet entlang. Die Führer erzählen schließlich die Geschichte von Lindholmen und Eriksberg bis die Paddan, mit Sicht auf die Älvsborgsbro, ihren Weg zurück zum Kungstorget antritt und nach dem Fischereihafen und dem Stenakai einen Blick auf die Feskekôrka erlaubt.


Ein Erlebnis besonderer Natur sind die Julpaddan, die ihre Gäste zum Weihnachtsmarkt nach Liseberg bringen. Den Augen der Besucher zeigt sich nicht nur ein Göteborg mit Weihnachtsbeleuchtung, sondern jeder Fahrgast erhält auch einen heißen typisch schwedischen Glögg und eine "Paddandecke", damit er die Reise auch wirklich genießen kann.

Ein kurzer Film in schwedisch aus den 50er Jahren, eine Paddan-Führung in der Vergangenheit

Copyright Text und Fotos: Herbert Kårlin